„Eine feste Burg ist mein Gott“ – Fulda als Hochburg des katholischen Traditionalismus

Auch im säkularen Deutschland gibt es noch immer Gebiete in denen sich eine christliche Rechte Fortschritt und Emanzipation entgegen stellt. Hier ist für Hessen sicherlich Fulda als Hochburg des katholischen Traditionalismus zu nennen. Anders als im Rechtsextremismus sind im Rechtsklerikalismus die Bibel und Aussagen religiöser Autoritäten die Quellen für ein gesellschaftliches Programm, was je nach Interpretation konservativ-reaktionär bis fundamentalistisch sein kann. Die Spannweite reicht dabei von der Ablehnung einzelner gesellschaftlicher Modernisierungen (wie dem Abbruch von Schwangerschaften) bei genereller Akzeptanz der parlamentarischen Demokratie, über den Wunsch nach dem Christentum als Staatsreligion, bis hin zum Anstreben eines christlichen Gottesstaat.

Obwohl es zu vielfältigen Kooperationen und Überschneidungen zwischen der extremen und der christlichen Rechten kommt, muss letztere doch als eigenständiges Phänomen mit eigener Agenda analysiert werden.

Der Traditionalismus, die katholische Spielart der christlichen Rechten, beruft sich nicht nur auf die Bibel, sondern auch auf das katholische Papsttum und hier besonders auf dessen antimodernistischen Vertreter. Mit dem aktuellen Papst ist man trotz dessen Positionen gegen Gender und Schwangerschaftsabbrüche unzufrieden, weil er in anderen Bereichen tendenziell eher liberale Haltungen vertritt.

Für den katholischen Traditionalismus heißt das, dass er sich nicht nur einer säkularen Gesellschaft gegenüber sieht, sondern auch in der eigenen Kirche um Macht und Einfluss kämpft. Die Konzepte der Rechtsklerikalen sind aber ohnehin langfristig angelegt.

Es geht darum, den eigenen AnhängerInnen Rückhalt zu bieten, die Kirche auf den rechten Weg zurück zu führen und die Gesellschaft im eigenen Sinne zu rechristianisieren.

Die katholische Hierarchie in Fulda

Zum langfristig angelegten Kampf für die Rechristianisierung und den damit verbundenen Kulturkampf wurden auch in der katholischen Hochburg Fulda diverse Organisationen geschaffen. Diese sind im wohlwollenden Schatten der lokalen Kirchenstrukturen aktiv. Hier gab es, anders als in anderen Bistümern, immer auch eine sympathisierende Hierarchie innerhalb der Kirche. Ein Blick auf die Bischöfe in Fulda zeigt, dass hier offenbar eine Traditionslinie von reaktionären Bischöfen besteht.

Als „Löwe von Fulda“ galt Johannes Dyba (1929-2000), der 1983-2000 katholischer Bischof von Fulda war. Zusätzlich war er auch noch 1990 bis 2000 Militärbischof in der Bundeswehr. Wie bei vielen katholischen Bischöfen, so war auch Dyba „Alter Herr“ einer Studentenverbindung im katholischen Dachverband Cartellverband (CV). Konkret ist er Mitglied der KDStV Fredericia zu Bamberg und der KDStV Arminia zu Heidelberg. Zusätzlich war er auch noch Mitglied des rechtskatholischen „Ritterordens vom Heiligen Grab von Jerusalem“.

Gesellschaftspolitisch war Dyba ein Gegner der Homo-Ehe. Er bezeichnete „Homosexualität als eine Degeneration“ und den für eine straffreie Abtreibung nach dem Gesetz benötigten Beratungsschein als „Lizenz zum Töten“.

Dybas Nachfolger als Bischof von Fulda ist seit Juni 2001 Heinz Josef Algermissen (* 1943). Auch er ist ein „Alter Herr“, konkret von drei katholischen Studentenverbindungen: Der KDStV Guestfalo-Silesia zu Paderborn, der KDStV Wildenstein zu Freiburg im Breisgau und der KDStV Adolphiana Fulda.

Algermissen verurteilte im Eröffnungsgottesdienst des rechtskatholischen Kongresses „Freude am Glauben“ 2015 in Fulda Gender-Mainstreaming als eine Ideologie, „welche der Wirklichkeit und der Integrität der menschlichen Natur völlig entgegenstehe“.

Auch in der Hierarchie unterhalb des Bischofs finden und fanden sich in Fulda Vertreter des katholischen Traditionalismus. Etwa der Theologe Aloysius Winter (1931-2012). Er war als Seelsorger für die italienischen Gemeinden in Kassel, Hanau und Fulda tätig, Subsidiar am Fuldaer Dom und von 1994 bis zu seiner Emeritierung in 2000 Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Fulda. Seit 2000 war er zudem ein Kuratoriumsmitglied des rechtskatholischen „Forums Deutscher Katholiken“.

Winter sprach sich nach dem Rauswurf Martin Hohmanns aus der CDU auch für die Kandidatur Hohmanns aus, kann somit als dessen Unterstützer gelten.

Der Rechtskatholik in der AfD: Martin Hohmann

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann aus Neuhof bei Fulda, der seit 2017 für die AfD im Bundestag sitzt, ist ein anschauliches Beispiel für einen rechten Katholiken.

Sein Rechtskatholizismus wird in einer Pressemitteilung Hohmanns vom 8. Juni 2005 noch einmal sehr deutlich, die eine Reaktion auf die Kritik Angela Merkels an Papst Benedikt XVI darstellte: „Der Papst ist nicht dazu da, sich beim Zeitgeist einzuschmeicheln, sondern ewige Wahrheiten unbeirrt zu verkünden. Ich bin Papst Benedikt XVI. für seine klare Ansage dankbar. Er stellt das heraus, was die Heilige Schrift und die 2000-jährige Lehre der Kirche als Wahrheit festhalten. Wenn der Katechismus der Katholischen Kirche praktizierte Homosexualität als ‚schlimme Abirrung’ bezeichnet, dann kann niemand vom Papst eine abweichende Haltung erwarten. Es ist nicht der Papst, der die Homosexuellen beleidigt, wenn er gleichgeschlechtliche Ehen ‚Pseudo-Ehen’ nennt; es sind organisierte Homosexuelle, die mit dem Irrsinn der ‚Homo-Ehe’ die Schöpfungsordnung beleidigen, die man auch als biologische Vernunft bezeichnen kann. Angesichts der sich immer deutlicher abzeichnenden demographischen Katastrophe ist jede Stellungnahme und insbesondere jedes Papstwort zur Stärkung der Familie Gold wert.“

Auch in der Union, die er 2004 trotz einer breiten innerparteilichen Solidaritäts-Kampagne verlassen musste, galt er als rechts außen stehend. Immerhin wurde Hohmann als Nachfolger des berüchtigten CDU-Stahlhelmers Alfred Dreggers im Wahlkreis Fulda 1998 für die CDU in den Deutschen Bundestag gewählt.

Die CDU verlassen musste er, nach dem eine Rede Hohmanns zum 3. Oktober 2003 von den Medien kritisiert und skandalisiert wurde. Darin versuchte er über antisemitische Analogien die Deutschen als „Tätervolk“ freizusprechen, indem er sie mit jüdischstämmigen Bolschewisten in der Sowjetunion verglich.

Nach einer erfolglosen unabhängigen Kandidatur wandte sich Hohmann 2016 der AfD zu. Bis dahin trieb er sich in der extremen Rechten herum. So war er etwa Gründungsmitglied der erfolglosen rechten Vereinigung „Stimme der Mehrheit“ oder Unterzeichner des „Manifest der Deutschen 2008“, indem vor einem Aussterben der Deutschen gewarnt wird. Außerdem war er Ehrenmitglied der erfolglosen Wählervereinigung „Arbeit, Familie, Vaterland“ des ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Henry Nitzsche aus Sachsen.

Nach diesen erfolglosen Versuchen wandte sich Hohmann der AfD zu, für die er nun im Bundestag sitzt.

Rechtskatholische LebensschützerInnen

Als „Lebensschützer“ bezeichnen sich selbst zumeist christlich motivierte AbtreibungsgegnerInnen. Zu diesen gehört der „Aktionskreis Fulda in der Aktion Leben e.V.“ mit Sitz in Neuhof, der selbst angab „über 1.000 Mitglieder“ zu haben.

Der vertretungsberechtigte Vorstand besteht aus dem 1. Vorsitzenden Walter Ramm, dem stellvertretenden Vorsitzenden Karl-Heinz Scheller, dem Kassenwart Reiner Bergold und den BeisitzerInnen Doris Laudenbach, Otto Spahn und Hartmut Kullmann.

Überschneidungen bestehen zum Verein „Vaterhaus e. V.“ mit Sitz in Fulda. Im Vorstand des Vereins findet sich neben Martin Haubs und Maria Hohmann auch Otto Spahn, der Beisitzer im Aktionskreis ist.

Zu den ‘LebensschützerInnen’ gehört auch die Oberstudienrätin Cornelia Kaminski aus Fulda. Sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der bundesweit aktiven „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA). Ihre Tochter Fabiola Kaminski ist dagegen aktiv bei „Jugend für das Leben“ und der „Jungen Union“ in Fulda.

Stellvertretender Vorsitzender des ALfA-Regionalverband Fulda ist Martin Haubs, der auch Vorsitzender von „Vaterhaus e.V.“ ist.

Rechtskatholischer Veranstaltungsort

Auch ALfA und der Verein „Ärzte für das Leben“ treffen sich immer wieder in Fulda. So fand die ALfA- Bundesdelegiertenversammlung vom 17. bis zum 19. Mai 2019 in Fulda statt.

In diesem Zusammenhang sprach Professor Dr. med. Paul Cullen, Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“, auf Einladung der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) in der CDU und der ALfA im VHS-Forum im Kanzler-Palais in Fulda 17. Mai 2019 vor knapp 200 Zuhörern und Zuhörerinnen.

Seit mehreren Jahren findet im Juni oder August in Fulda auch die von „Europrolife“ mit Sitz in München organisierte Antiabtreibungs-Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ statt. An ihr nehmen bis zu 200 Personen teil.

Bis 2018 fand im Kongresszentrum Esperanto in Fulda der Kongress „Freude am Glauben“ des „Forum Deutscher Katholiken” statt. Zu dem wohl wichtigsten rechtskatholischen Event in Deutschland kommen immer mehrere hundert Personen. Die ReferentInnen-Listen lesen sich dabei wie ein Who is who des rechten Katholizismus. Man darf davon ausgehen, dass Antifeminismus und Homophobie hier common sense gewesen sind.

Am 13. Oktober 2018 fand zudem im Kloster Frauenberg in Fulda das „Christliche Forum“ zum Thema „Erneuerung Europas aus dem Geist des Christentums“ mit Michael Ragg, Dr. Vishal Mangalwadi, Dr. Gudrun Kugler (ÖVP-Nationalrätin), Birgit Kelle, Alexandra Maria Linder, Prof. Dr. Werner Münch (Ministerpräsident und Europaabgeordneter a.D.) und Ortwin Schweitzer statt. Die Moderation übernahmen Alexandra Maria Linder, Michael Ragg, Karin Heepen, Mathias Scheuschner und Dieter Burr.

Die Piusbruderschaft

Die Piusbruderschaft hatte sich zeitweise von der katholischen Kirche abgespalten. Ihr gingen die moderaten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu weit. Aber unter Papst Benedikt XVI wurde sie wieder in die katholische Kirche integriert, obwohl einer ihrer vier Bischöfe, Bischof Williamson, ein offener Holocaustleugner war.

Williamsons offene Holocaustlugnung darf aber nicht wirklich verwundern, denn die Piusbruderschaft ist insgesamt eine antisemitische Organisation. Ihr Antisemitismus ist dabei aber zumeist nicht die moderne Variante, sondern vielmehr die mittelalterliche. So schrieb der deutsche Distriktobere, Pater Franz Schmidberger 2008: „Damit sind aber die Juden unserer Tage nicht nur nicht unsere älteren Brüder im Glauben. Sie sind vielmehr des Gottesmordes mitschuldig. Solange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren.“

Alljährlich findet seit 2004 die Nationalwallfahrt des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X in Fulda mitsamt einer „Deutschlandweihe“ statt.

Dieser Aufmarsch soll an ‘gute’ alte Zeiten anknüpfen. Im September 1954 fand schon einmal in Fulda eine „Deutschlandweihe“ statt. Damals versammelten sich nicht ein paar Hundert, sondern 100.000 KatholikInnen vor dem Dom des ‘heiligen’ Bonifatius.

Auch dieses Jahr heißt es bei der Piusbruderschaft wieder „KOMMEN SIE NACH FULDA – Aus Liebe zu unseren Kindern! – Aus Liebe zu Vaterland und Kirche!“.

Die diesjährige Fulda-Wallfahrt zeigt auch noch einmal die Verflechtungen der extremen Rechten mit der Piusbruderschaft. Die zuständige Kontaktperson für die Anmeldungen für die Piusbruderschaft-Jugendorganisation „Katholische Jugendbewegung“ (KJB) zur Wallfahrt ist Moritz Scholtysik aus Aschaffenburg. Er war ein Aktivist der extrem rechten „Identitären Bewegung“ und nahm am 11. Juni 2016 in Wien an einer Demonstration der IB teil, bei der er ein blaues T-Shirt der IB-Bayern trug. Gleichzeitig war er von 2016 bis Mai 2019 Vorsitzender der KJB.

Rechtskatholische Medien

In der Region Fulda finden sich auch rechtskatholische Medien wie etwa das Internetfernsehens „bonifatius.tv“ mit Sitz in der Goerlder Str. 15 in Fulda. In Fulda befindet sich die Grabstätte des heiligen Bonifatius, der in der katholischen Kirche als Apostel Deutschlands gilt.

Träger von „www.bonifatius.tv“ ist der beim Registergericht Fulda eingetragene Verein. Verantwortlich ist laut Impressum ein Norbert Hohmann aus Spahl.

Der Online-TV-Sender strahlt Sendungen mit Inhalten aus, die sich an ein rechtskatholisches Publikum richten. In der Reihe „Glaubenskompass“ der „Kirche in Not“ bei „bonifatius.tv“ kommt beispielsweise die katholische Antifeministin Gabriele zu Wort und schwadroniert über einen angeblichen „Homototalitarismus“.

Fazit: Hochburg des Rechtskatholizismus

Der Rechtskatholizismus in Fulda wird bisher nur selten thematisiert. Dabei ist sein virulenter Antifeminismus und seine Homophobie kein Thema, was eine antifaschistische und feministische Linke ignorieren darf. Keinesfalls stehen religiös-reaktionäre Polit-Positionen unter Religionsfreiheit.

Zum Problem mit extremen Rechten in Fulda scheinen dabei mehrere Verbindungen zu bestehen. Einmal über personelle Überschneidungen, wie die Personalie Martin Hohmann verdeutlicht. Zum anderen könnte die generelle katholisch-konservative Prägung von Stadt und Region auch für ein Kleinhalten antifaschistischer Abwehrkräfte gesorgt haben. Diese können sich weniger gut entfalten, wenn ihnen die lokale Stadt-Gesellschaft ablehnend bis feindlich gegenüber steht.

Hier gilt es also, dicke Bretter zu bohren und immer wieder zu thematisieren, was die lokale Stadt-Gesellschaft gerne ignoriert, toleriert und dadurch mit trägt. Andererseits müssen vor Ort eigene antifaschistische und feministische Alternativen unterstützt werden.

„Klassische Methoden der Antifa-Arbeit“ – Interview in der Zeitschrift Lotta

Bereits im April diesen Jahren haben wir der antifaschistischen Zeitschrift Lotta ein Interview gegeben, welches in Ausgabe #74 veröffentlicht wurde. Nachzulesen ist das Interview auch auf der Homepage der Zeitung, deren regelmäßige Lektüe wie Abonnement wir ausdrücklich empfehlen!


„Klassische Methoden der Antifa-Arbeit“

Interview mit der Kampagne „Stadt, Land, Volk“

Seit März 2017 berichtet die „Kampagne Stadt, Land, Volk“ über extrem rechte Strukturen in Hessen. Schwerpunkt der Arbeit stellen Veröffentlichungen zu den Netzwerken der „Neuen Rechten“, Burschenschaften und der AfD auf dem Blog stadtlandvolk.noblogs.org dar.

Der Kampagnenname „Stadt, Land, Volk“ ist ja etwas ungewöhnlich, was streckt dahinter?

Der Name kann als Beschreibung unseres Untersuchungsfeldes gesehen werden. Es ist primär nicht relevant, ob jemand in der Stadt oder auf dem Land wohnt. Sowohl im ländlichen als auch im urbanen Raum können wir Akteure ausmachen, deren Vorgehen sie in unseren Fokus rücken lässt. Wir thematisieren die Vernetzung und Überschneidung verschiedener extrem rechter Strukturen in Hessen, die durch ihren Netzwerkcharakter geprägt sind. Mit der Kampagne wollen wir gebündelt Aufmerksamkeit auf das Thema und unsere Analyse lenken.

Was waren bisher eure wichtigsten Projekte?

Im Nachgang des Landeskongresses der Jungen Alternative (JA) 2017 in Marburg wurde uns eine Reihe an Fotos zugespielt, die deutlich zeigen, wie vermummte Nazis — Burschen, JA’ler, EinProzent-Mitglieder und klassische Neonazis gemeinsam — Fotojournalist*innen auf offener Straße attackierten. (vgl. Lotta #67 S. 26) Dies zeigt exemplarisch die Treffgenauigkeit unserer Analyse: Faschisten aller Couleur schließen sich zusammen, um gegen als Feinde wahrgenommene Personen vorzugehen.
In einem ausführlichen Dossier haben wir die weitergehenden faschistischen Tätigkeiten etlicher Burschen der Germania Marburg, der Rheinfranken Marburg und der Normannia Leipzig zu Marburg aufzeigen können. Beispielsweise bei Heinrich Mahling, dessen Wechsel zur Germania Marburg und führende Rolle bei den „Identitären“ in Hessen dargestellt wurde.
Im Vorfeld der Bundes- bzw. Landtagswahl haben wir etliche Bundes- bzw. Landtagswahlkandidaten der AfD in einer Broschüre kritisch vorgestellt. Von den Broschüren wurden jeweils mehrere tausend Exemplare gedruckt und öffentlich ausgelegt, so dass sie großflächig in Hessen verteilt werden konnten.

Welche Reaktionen gab es auf eure Arbeit?

Wir vermuten, dass es einige Anzeigen aufgebrachter Rechter, die durch unsere Arbeit ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sahen, gab. Ansonsten waren die Reaktionen aber durchweg positiv: Wir haben es geschafft, die Antifa-Arbeit in der Region kontinuierlich fortzusetzen und zu verbessern und konnten durch unsere Berichterstattung Aufmerksamkeit auf rechte Strukturen lenken. Unsere Kampagne erreichte bundesweite Bekanntheit, und von Journalist*innen, Zeitungen und linken Projekten wurde auf uns Bezug genommen.

Ihr legt euren Fokus immer wieder auf extrem rechte Burschenschaften. Welche Rolle spielen diese in rechten Netzwerken in Hessen und darüber hinaus?

Extrem rechte Burschenschaften sind als Rückgrat der „Neuen Rechten“ zu sehen. Sie sind nicht nur Mitorganisatoren des Rechtsrucks, sondern treiben ihn aktiv voran. Sie fungieren als Bindeglied zwischen verschiedenen extrem rechten Organisationen, bieten personelle Kontinuitäten und stellen für sie wichtige Infrastruktur. Burschenschaften haben die Räume, das Geld und die entsprechende Sozialisation, inklusive passendem reaktionären Männlichkeitsbild.

Ihr stützt euch in der Arbeit gegen die sogenannte „Neue Rechte“ vor allem auf ausführliche Recherchen, Hintergrund­­-infos und auch Outings. Wieso habt ihr euch für diese Form entschieden?

Klassische Methoden der Antifa-Arbeit erscheinen uns nach wie vor am sinn- und wirkungsvollsten — natürlich nicht, ohne diese in der jeweiligen Situation konkret zu hinterfragen. Wir schauen uns nicht nur an, was die einzelnen rechten Organisationen machen, sondern nehmen die einzelnen Personen unter die Lupe. Dadurch, dass wir die einzelnen Akteure aus der Deckung holen, erhalten wir mehr Erkenntnisse und versprechen uns wesentlich mehr Wirkung.

Im Oktober 2018 waren Landtagswahlen in Hessen. Wie habt ihr den Wahlkampf (insbesondere der AfD) wahrgenommen? Wie sah eure Arbeit dazu aus?

Es gab tausende Broschüren zu etlichen AfD-Kandidaten mit Adresse und kurzem Lebenslauf, die hessenweit verteilt wurden. Das sorgte für jede Menge Furore und hatte mehrere Zeitungsartikel zur Folge. Die AfD spricht hier von „gefälschten Lebensläufen“, dem können wir entschieden widersprechen. Unter anderem unsere Arbeit hat dazu geführt, dass die AfD zum Beispiel in Marburg keine Räume für Veranstaltungen bekam und auch keine Wahlkampfstände aufgebaut wurden. Das zeigt, wie wirkungsvoll Antifa-Arbeit Nazis den Raum nehmen kann.

Welchen Einfluss wird der Einzug der AfD ins Parlament auf rechte Strukturen in Hessen eurer Meinung nach haben?

Die AfD wird einerseits Posten und Geld erhalten, andererseits durch Gremienarbeit die Arbeit linker, antifaschistischer und feministischer Projekte behindern können. Außerdem wird ihre Stimme hörbarer und parlamentarisch legitimiert, obwohl sich personell nichts verändert hat und es immer noch die gleichen Faschist*innen und Nazis sind, die jetzt aber im Parlament sitzen.

Nach dem Einzug in den hessischen Landtag sitzt die AfD in allen Landesparlamenten, in Sachsen zeichnet sich demnächst sogar eine mögliche Regierungsbeteiligung ab. Wie kann antifaschistische Arbeit gegen eine Rechte mit starkem parlamentarischen Arm aussehen?

Recherchezusammenhänge wie wir benötigen die Hilfe von zivilgesellschaftlichen Akteuren, die unsere und andere Rechercheergebnisse in die Parlamente und Gremien einbringen und thematisieren. Es sollten nicht nur eine handvoll Antifas wissen, wer die rechten Akteure sind, sie sollten auch an ihrem Arbeitsplatz und in ihrem Privatleben damit konfrontiert werden. Unser Mittel des antifaschistischen Kampfes ist die Recherche, wenn Antifaschist*innen aus unserer Arbeit anderweitige Konsequenzen ziehen, begrüßen wir das aber ausdrücklich!

Wie können euch Menschen unterstützen?

Wir freuen uns am meisten, wenn Menschen unsere Rechercheergebnisse lesen und nutzen, um Nazis überall und mit allen Mitteln das Leben schwer zu machen. Darüber hinaus hilft es sehr, wenn uns Infos über Rechte zugespielt werden, da wir natürlich auch nicht alles wissen können.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Wir werden weitermachen wie bisher und die üblichen Akteure weiter genau im Blick behalten. Außerdem wollen wir, wenn möglich, unseren Beobachtungsradius erweitern.

Wollt ihr noch irgendwas loswerden?

Wir bedanken uns bei allen, die uns bisher Informationen gegeben haben, ohne eure Hilfe wäre diese Kampagne nur halb so gut. Natürlich danken wir auch der Lotta für das Interview. Grüße und Dank gehen raus an alle Genoss*innen, die Nazis bekämpfen, diesen den Raum nehmen, auf die Pelle rücken, sie aus der Anonymität holen und die sich nicht unterkriegen lassen. Bleibt stabil!

Vielen Dank für das Interview!

Die AfD in Marburg: Eine Ansammlung von Menschenfeinden

Dieser Text befasst sich mit aktuellen Entwicklungen und vor allem Personalia der Stadt- und Kreis-AfD in Marburg. Bereits hier und hier haben wir über ausgewählte Personen der Marburger AfD geschrieben, diesmal soll es ein wenig mehr in die Tiefe gehen. Auch wenn die üblichen Naziverbindungen nach wie vor regelmäßig Veranstaltungen organisieren, ist die AfD der lokale Akteur, der die relevantesten und öffentlichkeitswirksamsten rechten Veranstaltungen organisiert, wie zuletzt die Veranstaltung mit Gauland in Bauerbach. An Gaulands Person kann man die Kontinuität rechter Veranstaltungen in Marburg festmachen, so sprach er noch im Sommersemester 2014 bei der Naziverbindung Rheinfranken. Neben Gauland sprach in Bauerbach auch Christine Anderson, prominenteste hessische Vertreterin des extrem rechten ‚Flügels‘ innerhalb der AfD rund und Björn Höcke. In ihrer Rede beim Kyffhäusertreffen 2019 dankte sie Höcke, dass er die AfD davor bewahrt habe, eine Systempartei zu werden. Am 4.5. gründete sich der Stadtverband der Partei, einige Wochen zuvor wählte der Kreisverband einen neuen Vorstand. Ausgewählte AfD‘ler und eine AfD’lerin stellen wir euch nun hier vor.

Vor kurzem erschien in der Oberhessischen Presse ein affirmativer Beitrag zum Stadtverband mit O-Tönen von Michael Franke. Darin äußerte dieser, dass AfD-Mitglieder Angst vor der Antifa hätten und die lokale Arbeit der AfD durch diese behindert werde. Wir begrüßen dies ausdrücklich und rufen dazu auf, dass das weiterhin so bleibt.

Fight fascism wherever you can!


Reinhard Rieth
Reinhard Rieth
Frauenverachtung I

Reinhard Rieth ist stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands, war jedoch auch bei der Stadtverbandsgründung anwesend und ebenfalls aktiv an der Durchführung derselben beteiligt. Neben diversen AfD-Seiten gefällt ihm auf Facebook auch ein Bild des NPDlers Patrick Wieschke, der wegen Verurteilungen aufgrund sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen und Misshandlung se-iner Mutter und Schwester unlängst aus dem Landes-

Frauenverachtung II

-vorstand der NPD Thüringen zurücktreten musste. Desweiteren gefallen ihm überwiegend Selfies junger Frauen, die er jedoch zeitgleich mit Kommentaren wie „Weiber sind so Hell wie nen Kasten Schwarzbier… warum sonst suchen se sicher immer diese Vollpfosten aus und schicken die in die Wüste die aufrichtig sind 😀 Einfach nur behämmert das Weibliche Geschlecht ;-)“ oder (Wenn eine Frau weint) eine hintern kopf klapsen und anschließend fragen ” wie war das mit dem starken Geschlecht”! also reis dich zusammen die Welt geht nicht unter ;-)“ sexistisch abwertet und Gewalt gegen sie legitimiert. Physik scheint auch nicht seine Stärke zu sein, das zeigt sich an deutlich an seiner Anfälligkeit für Verschwörungsideologien.

 

Freie Energie
Martin Lauer
Martin Lauer

Martin Lauer (Beistitzer im Kreisvorstand) ist Militarist, Rassist sowie Mitglied der Marburger Jäger, außerdem ist er Mitglied im Kyffhäuser Verband und im OSMTH-Orden (Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani) aktiv. Der Kyffhäuserverband ist ein Militaristenverband mit zahlreichen Bezügen in die extreme Rechte, der OSMTH-Orden ein seltsamer Templerorden, der sich in der Traditionslinie der Tempelritter sieht. Zudem war Martin Lauer mindestens bis Oktober 2018 Polizist, damals postete er ein Bild von sich in Polizistenuniform auf seinem Blog. An der Polizeiuniform trug er Patches vom Kyffhäuserverband und dem OSMTH-Orden. Martin Lauer muss im Kontext der Neonaziumtriebe bei der hessischen Polizei gesehen und analysiert werden. 

Daneben besitzt Martin Lauer die Jagdhundeschule Mittelhessen in Amöneburg. Auf dem (inzwischen nicht mehr öffentlichem) Blog der Jagdschule finden sich zahlreiche rechte Postings, neben AfDInhalten finden sich auch Gedenkpostings, welche in neonazistischer Manier an “die Bombennacht von Dresden” erinnern sollen, an den Untergang der Gustloff oder positiv Bezug auf die rassistischen und gewalttätigen Demos in Chemnitz vergangenen Spätsommer nehmen, bei dem er einen Massenmord an Deutschen herbeifabuliert. Zudem wurde das extrem rechte und antisemitische Compact-Magazin über den Shop vertrieben. Sein Facebookcontent besteht ebenfalls überwiegend aus Beiträgen mit AfD-Bezug, sowie mit rassistischen und sexistischen Inhalten, vor allem die Themen Migration, Gender und Anti-Abtreibung werden bedient.

Matthias Pozzi

Matthias Pozzi ist Schriftführer des Stadtverbandes und darüber hinaus bereits länger bekannt als Teil des Vorstands der Fördergemeinschaft Marburger Jäger, einer rechten Reservistenkameradschaft, die Antifaschist*innen in Marburg hinlänglichst bekannt sein sollte. Er ist mit Naziburschen Tobias Heuwinkel (link) und Marcel Gent, Rheinfranken Marburg, und Christopher Katzer, Chattia Marburg, persönlich bekannt und war mit ihnen zusammen bei der Enthüllung der Gedenktafel der Morde von Mechterstädt – bei denen marburger Verbinder fliehende Arbeiter erschossen.

Dirk Winnebald
Like für EinProzent

Dirk Winnebald hat keinen Posten innerhalb der AfD Marburg-Biedenkopf inne, ist aber aktives Mitglied und war beispielsweise Mitorganisator der Stadtverbandsgründung oder Wahlkampfhelfer 2018. Auf Facebook gefallen ihm neben Videos des Nazirappers Chris Ares auch die Seite des AfD-Antisemiten Martin Hohmann und dem extrem rechten Geldsammelsverein EinProzent – gegründet vom marburger Germanen Phillip Stein. Richtig widerlich sind auch seine übrigen Facebookaktivitäten: Ein von der Nazi-Facebookseite Grauzonistische Reaktion (ebenfalls von ihm geliked) geteiltes Video, in dem ein brennendes Asylheim zu sehen ist, kommentiert er mit einem Meme mit dem dem Spruch „Happy Ramadan ihr Turbanmuschis“. Ein anderes rassistisches und menschenfeindliches Bild ist ihm immerhin ein Lachsmiley wert: Das Bild impliziert nicht nur, Asylanten würden deutsche Frauen vergewaltigen, sondern auch dass sie lieber Sex mit Eseln als Frauen haben würden.

Rassismus II
Rassismus I
Impressum von Winnebald Heiztechnik

Dass Dirk Winnebald keine Posten innerhalb der AfD hat, sondern mit der zweiten Reihe zufrieden ist, könnte daher kommen, dass er ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen führt. Winnebald Heiztechnik hat seinen Sitz an der Hauptstraße 2 in Biedenkopf-Breidenstein und Winnebald wurde im Rahmen seiner Tätigkeit dort sogar schon von der OP Interviewt. Dirk Winnebald wohnt ebenfalls in Biedenkopf-Breidenstein, seine Handynummer ist 01701662399.

Winnebald als Wahlkampfhelfer

 

Michael Franke

Michael Franke ist stellvertretender Sprecher des Stadtverbandes und liked in Facebook etliche AfD-Seiten, u.a. die „Patriotische Plattform“ und einen Post des Ex-AfD‘lers Andre Poggenburg, welcher die Junge Alternativer trotz etlicher extrem rechter Aktivitäten in Schutz nimmt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass ihm auch Inhalte der Identitären (120db & Defend Europe), sowie die Reichsbürgerbewegung gefallen, er findet, dass Männer gegenüber Frauen benachteiligt sind und glaubt, dass Nazi die Abkürzung für „Nationaler Zionist“ sei.

In seiner Freizeit trinkt dieser rechte AfD‘ler und Antisemit gerne Bier im Holzwurm.

Antisemitischer Facebook-Kommentar
Likes für Identitäre und AfD
Angebliche Benachteiligung von Männern

 

Johannes Hühn…

Johannes Hühn ist Sprecher des Stadtverbands und aus Bauerbach, daher auch maßgeblich an der Organisatin der Veranstaltung und Diffamierung des antifaschistischen Gegenprotests beteiligt. In Facebook gefällt ihm zB die Naziburschenschaft Normania Leizig zu Marburg. Weitere Facebookkommentare von ihm legen nicht nur Sympathien, sondern eine Mitgliedschaft in dieser DB-Verbindung nahe.

…gefällt die Naziburschenschaft Normania Leipzig zu Marburg…
…und lässt sie Hochleben

 

 

 

 

Gerhard Rhiel

Gerhard Rhiel ist Beisitzer Kreisverband-Vorstand, will „die Antifa“ als terroristische Vereinigung verbieten lassen, hält den hessischen Bildungsplan für „indoktrinierte Sexualerziehung“ und liked die antifeministische Kampagne „feminin statt feminismus“ der Jungen Alternative.

 


Uni-Bedienstete

Wie die Stadt Marburg ist auch die Universität stolz auf ihre Weltoffenheit und Toleranz. Nicht desto trotz arbeiten gleich drei AfD-Vorstandsmitglieder für die Universität. Augen auf beim Studium!

Werner Gosewinkel

Werner Gosewinkel ist Beisitzer im Vorstand des Stadtverbands und war auch bei der Gründung dessen in der Gartenlaube anwesend. Er war Sportlehrer der Uni und hatte 2011 sein 40jähriges Dienstjubiläum, inzwischen ist er vermutlich im Ruhestand.

Auf Facebook äußert sich Gosewinkel homophob und bezeichnet die Hochzeit zweier Männer als „Abnormität“. Er kommentiert antisemitische Bilder die von „denen da oben“ sprechen und dem „undemokratischen und korrupten“ System hinter der demokratischen Fassade. Sein antisemitisches Weltbild wird dadurch vervollständigt, dass er überzeugt ist, dass der 2. Weltkrieg viele Väter hatte – eine eindeutige Relativierung der deutschen Kriegsschuld. Er erzählt offen davon, bei Pegida-Demonstrationen in Dresden und München mitgelaufen zu sein und zeigt sich verständnisvoll den „Demonstranten“ gegenüber, er habe Menschen „wie dich und mich“ kennengelernt. Auch die Identitären scheinen bei dem AfD‘ler für Begeisterung zu sorgen. So teilt er auf Facebook zwei Bilder einer Banneraktion der IB in Marburg und kommentiert mit „tolle Aktion der Identitären Bewegung“. Als die Rheinfranken 2015 Höcke nach Marburg einladen wollten, kündigte er auf Facebook öffentlich seine Teilnahme an. Zudem ist er mit Klaus Böckler von den Marburger Jägern und auf Facebook mit dem bekannten Rechtsextremisten und NPD‘ler Karl Richter aus München befreundet.

Gosewinkel (links) mit Unipräsident Fridhelm Nonne (rechts)
Gosewinkel (links) mit Unipräsident Fridhelm Nonne (rechts)

Gosewinkel feiert die Identitären
Freundschaft mit Karl Richter und Klaus Böckler

 

 

Heike Balzer ist gleich zweimal Schatzmeisterin für die AfD. Sie ist Verwaltungs-Mitarbeiterin in der Geographie der Uni Marburg (Umweltinformatik/Physische Geographie) in der Deutschhausstraße 21, Raum: 00A18 und zu erreichen unter +49 6421 28-25753 oder heike.balzer@geo.uni-marburg.de

Götz Hatop arbeitet in der Universitätsbiblitothek. Zu erreichen ist er unter Tel.: +49 6421 28-22058 oder E-Mail: goetz.hatop@ub.uni-marburg.de

Sebastin Ehricke ist Beisitzer im Stadtverbands-Vorstand, studiert aktuell Politikwissenschaft an der Uni Marburg.


Dass, wie in der OP berichtet, lokal aktuell keine Verstrickungen zu den Germanen bekannt sind liegt nicht an inhaltlichen Differenzen, sondern an antifaschistischer Skandalisierung. Noch 2017 gründeten Germanen und AfD‘ler zusammen die Junge Alternative, wie hier behandelt wurde, außerdem nutzen beide mit Vorliebe die Gartenlaube. Mit der Veranstaltung in Bauerbach ist es der AfD nicht nur gelungen, eine eigene Veranstaltung in einem Marburger Ortsteil durchzuführen, sondern auch, diese mit zwei VertreterInnen des extrem rechten AfD-Flügels abzuhalten. Dass sich die AfD Marburg sich nebst Gauland die „hessische Galionsfigur des ‚Flügels‘“ (FAZ) und EU-Parlamentarierin Christine Anderson einlädt, ist ein deutliches Zeichen, wie sich der Ortsverband in innerparteilichen Richtungskämpfen positioniert.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Marburger AfD auf den ersten Blick aus ‚normalen‘ Leuten ‚aus der Mitte der Gesellschaft‘ – Uni-Angestellte, erfolgreiche Mittelständler, mindestens ein Polizist – besteht. Sieht man jedoch genauer hin wird deutlich, was für eine menschenverachtende Gesinnung diese Menschen in sich haben: Offener Antisemitismus, extrem widerliche Homophobie und Sexismus, Bekanntschaft mit NPD‘lern und Likes für die Identitären. Die AfD ist bundesweit wie lokal sicherlich kein ‚Ort der Aufklärung‘ oder eine ‚demokratische Partei wie andere auch‘. Sie ist ein Verein von extrem rechten Menschenfeinden und so muss ihr auch begegnet werden. Die Gefahr von Faschisten wie Martin Lauer, der in Polizei- und Militaristenkreisen verkehrt, darf in Zeiten von Uniter, dem Nordkreuz und Morddrohungen aus Reihen der hessischen Polizei nicht übersehen werden.

Update 19.8.2019: Wir haben weitere Screenshots von Johannes Hühn Facebook-Aktivitäten analysiert (s.o.). Diese lassen den Schluss nahe, dass er Alter Herr der Normania-Leipzig zu Marburg ist.

Die Gartenlaube – Veranstaltungsraum auch für die extreme Rechte in Marburg

Räume für extrem rechte Veranstaltung stellten im marburger Stadtgebiet in den letzten Jahren im Regelfall Burschenschaften zur Verfügung.
Allerdings hat sich mindestens seit 2015 eine weitere Lokalität in der marburger Kernstadt für Treffen dieser Art etabliert. Die Gartenlaube (Steinweg 38):

Ihre Räumlichkeiten wurden bereits 2015 von der Jungen Alternative (JA) Hessen für erste Stammtische in Marburg genuzt. Sie trafen sich dort am 13.08. wie auch am 22.10.2015. Hintergundinformationen zur JA Hessen:  JA Marburg Biedenkopf eine Analyse, Von der JA Hessen nichts neues, Landeskongress der JA Hessen auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania

Aber auch ein Teil des Stiftungsfestes der Nazibuschenschaft Germania Marburg wurde am 11.05.2018 in der Gartenlaube abgehalten.
Hintergrundinformationen zur Marburger Burschenschaft Germania: Die Burschenschaft Germania Marburg und ihr extrem rechtes Netzwerk, Verschiedene Generationen der Germania Marburg und ihr extrem rechtes Netzwerk, Warum Nazis Nazis bleiben

Wie die Oberhessische Presse am 06.05.2019 berichtete hat sich zwei Tage zuvor ein Ortsverband der AfD in Marburg gegründet.
Marburg war bisher für die AfD ein schweres Pflaster, was unter anderem damit zusammenhing, dass sie kaum an Räumlichkeiten für Treffen und Veranstaltungen kamen. Außer in der Gartenlaube. Das Gründungstreffen des Ortsverbandes am 04.05.2019 war allerdings nicht das erste mal, bereits am 01.03.2019 fand dort ein Treffen statt, welches die Gründung vorbereitete. In beiden Fällen reservierte der AfD Kreissprecher Julian Schmidt die Räumlichkeiten im ersten Stock.
Hintergrundinformationen zur AfD Marburg Biedenkopf: Bundestagswahlspezial, Broschüre zur Bundestagswahl, Broschüre zur Ladtagswahl

Marius Metje – Extrem rechter Rheinfranke

 

Marius Metje, geboren am 23.01.1999, ist seit 2017 Burschenschafter der Naziverbindung Rheinfranken Marburg. 2017 wurde er Fux, es ist davon auszugehen, dass er inzwischen aktiver Burschenschafter ist. In seiner Freundesliste ist ein buntes Potpourri Rechter verschiedener Coleur zu finden: AfD- und JA’ler wie Dubravco Mandic oder Markus Frohnmeier, Identitäre wie Heinrich Mahling, klassische NS-Neonazis wie Lars Roth, fundamentale Christen wie Nils Grunemann oder laut eigenaussage kaisertreue wie Benjamin Haasis (der trotzdem gerne Screwdriver-Shirts trägt oder sich vor Hakenkreuzfahnen posiert); die Meisten davon Burschenschafter. An dieser Stelle wird wieder einmal das verbindene Element von Burschenschaften offensichtlich, die (extreme) Rechte verschiedener Lager zusammen bringt.

Seine Nazikarriere begann allerdings schon vor seiner Burschenzeit. Der aus Süd-Niedersachsen stammende Metje entschied sich bereits 2015 für einen Beitritt zur Jungen Alternative, seit Oktober 2016 war er im JA-Bezirksvorstand. Wegen seiner Tätigkeit in der JA ist er auch in der ARD-Doku “Die Story im Ersten: Am rechten Rand” bei Minute 24:50 zu erkennen.

Der in der Mitte

Seit dieser Zeit ist er mit Lars Steinke befreundet, der ihn liebevoll „Metjewitsch der Schlächter“ nennt. Gegen den Neonazi Steinke läuft zur Zeit wegen verschiedener extrem rechter Äußerungen und Aktivitäten ein Parteiausschlussverfahren in der AfD. Steinke ist zudem Leiter der Trollfabrik “Reconquista Germanica”, die spätestens seit Jan Böhmermanns Parodie “Reconquista Internet” einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein sollte.

In Marburg hat Metje bei der extrem rechten Burschenschaft Rheinfranken sein Zuhause gefunden. Diese fiel vor allem durch den Rheinfranken-Leak auf, in dem neben persönlichen Bilder, z.B. von Mensuren oder vor Hakenkreuzfahnen auch das Fuxen-Erziehungsbuch zu finden war. Dort ist neben autoritären und reaktionären Erziehungsmodellen auch harter Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus zu finden. Mit den Rheinfranken besuchte er mehrmals Bundesbrüder in Gent, einmal zu einem Vortrag von Nigel Farage. Darüber hinaus war er mehrmals Gast bei der Alemannia Marburg.

Sein Weltbild ist – wenig überraschend – äußerst menschenverachtend. Er liked in Facebook beispielsweise ein Post der dem Südtiroler Rechtsterrorismus in den 1970er Jahren dankt, außerdem scheint ihm der syrische Diktator Assad zu gefallen, unter dessen Fittiche emanzipatorische, kurdische Projekte in Nordsyrien angegriffen werden. Einen Post von Normane Adi Volkmann, der sich darüber freut, “einen Hipstermongo mit FSA-Flagge [Freie Syrische Armee] aus dem Biergarten gepöbelt” zu haben und mit “#TeamAssad” endet, kommentiert Metje mit “hahaha wie feierlich”.

 

Sympathie für Diktatoren und Rechtsterroristen, autoritär-faschistischer Männerbund, Freundschaft mit Jungnazi Steinke und nicht zuletzt ein Vorstandsposten in der AfD-Jugend: Gegen Leute wie Metje reicht es nicht #NazisRaus zu twittern, sie gilt es mit allen Mitteln zu bekämpfen!

Warum Nazis Nazis bleiben

Am 24.11.18 war auf dem Haus eine Veranstaltung der Marburger Burschenschaft Germania (Deutsche Burschenschaft), wo neben Vertretern der AfD und Identitären auch Personen der Partei Der Dritte Weg anwesend waren. Die Veranstaltung zeigt mal wieder, dass an der „Neuen Rechten“ nur wenig neu ist. Organisationen wie Der Dritte Weg, die explizit neonazistisch agieren, sind mit Faschisten, wie den Identitären und anderen extrem rechten Gruppierungen wie der AfD, verbunden. Diese werden durch die Arbeit von Verlägen wie Antaios und Jungeuropa unterstützt, finanziert durch Ein Prozent und, illustriert durch Zeitschriften wie zum Beispiel das Compact-Magazin oder die Zuerst!.

Diese Zusammenarbeit wird nicht nur nicht geleugnet, sondern auch offen zugegeben und das regelmäßig. Als Beispiel hierfür kann der Vortrag des Marburger Germanen Philipp Stein gelten, der für Ein Prozent beim Europa Nostra Festival der Identitären am 25.8.18 in Dresden auftrat und in seinem Vortrag klar formulierte wie Stück für Stück der gesellschaftliche Einfluss der extremen Rechten ausgebaut werden soll.

Er spricht von einem „rechten Grundkonsens“, mithilfe dessen die Rechte es schaffen müsse, bei allen Differenzen, gemeinsam das „große Ganze“ verändern zu können. Dieses hier nur skizzierte Vorgehen lässt sich sehr gut an der Veranstaltung der Marburger Burschenschaft Germania am 24.11.18 verdeutlichen.

Infobox: Philip Stein 

-Wohnt aktuell mit Frau und Kind in Schkeuditz.

-inaktiver Bursche der Germania Marburg 

-ist Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft

-enger Kontakt zu Götz Kubitschek und dem IfS 

-Inhaber von dem Kleinstverlag Jungeuropa

-Leiter von Ein Prozent-Initiative

-für Vortrag im Bundestag bei der AfD ein-
 geladen (Juli 2018)

-federführend beim Angriff auf FotografInnen, 
 der vom JA-Landeskongress Hessen (29.04.2017) 
 ausging, beteiligt

-eröffnete den Verteidiger Europas-Kongress 2018
 und war 2016 auch dort

-hielt Vortrag bei Umwelt und Aktiv mit dem Titel
 „das organische Weltbild und die ökologische Revolution“

-hat am 24.11.2018 bei dem Veranstaltungsabend 
 „Junges Europa“ gesprochen

-verlieh beim Compact-Kongress 2017 den Preis 
 „Held des Widerstandes“

-hat gute Kontakte zu Casa Pound

-im Februar 2014 verteilte er in Marburg für 
 Naziaufmarsch in Dresden Flyer

-Autor für die Blaue Narzisse 

-2013 Zwischentag Buchpräsentation „Junges Europa“ 
 (Autoren Felix Menzel und Stein),auch Andreas Lichert 
 sprach hier

-2013 Praktikant beim von Casa Pound inspirierten 
 „Zentrum für Jugend, Identität und Kultur“ rund 
 um Felix Menzel und die Blaue Narzisse

-schrieb mit Felix Menzel das Buch „Nazivorwurf“

-seine MC Karriere begann früh und endete schnell 
 als MC Philler. 
 Der Schwalm Eder Kreis war wohl nicht reif für 
 den jungen Stein

 

An diesem Novembertag fand bei der Germania eine Veranstaltungreihe mit dem Titel „Junges Europa“ statt. Aus allen Ecken der extremen Rechten waren BesucherInnen anwesend. Leute aus der JN, NPD, von den Marburger Jägern, vom Coburger Convent, der Jungen Alternative (JA) den Identitären, der AfD und von der Partei Der Dritte Weg. Wobei diese Liste hier sicher nicht vollständig ist.

All diese Gruppierungen trafen sich an diesem Tag auf dem Burschenhaus der Germania Marburg.

Die Deutsche Burschenschaft (DB) nimmt die Rolle eines Scharniers zwischen verschiedenen Strömungen der Extremen Rechen ein und versucht außerdem, deren Kaderschule zu sein. Die Marburger Burschenschaft Germania dient hier als Beispiel, dieses Vorgehen ist jedoch nicht auf diese Burschenschaft begrenzt, sondern es handelt sich hier um ein politisches Wirken, welches im kompletten deutschsprachigen Raum bei der DB auffällt.

Im Folgenden versuchen wir die Spannweite des extrem Rechten Netzwerks der Marburger Germania anhand des Besuches der Delegation der Nazipartei Der Dritte Weg vom 24.11.18 in Marburg und ihren Verknüpfungen zu Casa Pound aufzuzeigen.

Der Dritte Weg und die Marburger Burschenschaft Germania

Am 24. 11. 2018 war eine Reisegruppe von Personen der Partei Der Dritte Weg anwesend. Darunter war unter anderem Martin Binswanger.

© Pixelarchiv

Martin Binswanger wuchs in Weißenburg i. Bay. auf und machte dort sein Abitur. Er studierte in Eichstätt. Aktuell wohnt er in Nürnberg.

In der beschaulichen fränkischen Kleinstadt Weißenburg fiel er Antifaschist_innen bereits als Jugendlicher auf, als er sich bei Aktionen der lokalen NPD beteiligte und von diesen aufgebaut wurde. Martin Binswanger war der Kopf der 2009 gegründeten Freien Nationalisten Weißenburg (FN WUG). Ab Mitte 2012 wendeten sich Martin Binswanger und die FN WUG hauptsächlich dem Freien Netz Süd (FNS) zu. Bis dahin organisierten die FN WUG immer wieder auch gemeinsame Aktionen mit den Jungen Nationaldemokraten (JN) und der Division Franken, die massive Überschneidungen mit der fränkischen JN hatte. Am 28.11. 2011 griffen die Neonazis der FN WUG und Division Franken eine antifaschistische Mahnwache vor dem Weißenburger AJZ an und verletzten dabei zwei Personen durch Böllerwürfe. In der Nacht vom 25.4. auf den 26.4.12 stellten Neonazis der FN WUG mehrere NSU verherrlichende Paulchen Panther Aufsteller im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen auf.

Immer wieder war er auch als Ordner bei Versammlungen von Neonazis des inzwischen verbotenen FNS aufgefallen. So am 30.3.13 in Nürnberg und am 1.5.2013 in Würzburg. Außerdem beteiligte er sich seit Jahren regelmäßig an Nazidemonstrationen, unter Anderem am 10.3.12 in Weißenburg i. Bay., 1.5.12 Hof, 17.11.12 Wunsiedel, 10.5.13 Regensburg oder am 18.4.15 in Fürth. Spätestens ab 2013 hatte Martin Binswanger eine überregionale Rolle im FNS inne.

Am 28.4.14 stellten die FN WUG, genau so wie das FNS, das Betreiben ihrer Internetauftritte ein. Am 23.7.14 wurde das FNS dann auch durch das Bayrische Innenministerium verboten. Im Zuge des Verbotes kam es auch zu einer Hausdurchsuchung bei Martin Binswanger.

Martin Binswanger (v.li); Kai Zimmermann (v.re)

Ab dieser Zeit führte Martin seine Aktivitäten in der Partei Der Dritte Weg fort, genau wie weite Teile der FNS Struktur. Gemeinsam mit Teilen des Bundesvorstandes dieser Partei war er auch am 24.11.18 auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania anwesend. Bereits Ende Juli 2018 kommentierte er mit seinem Facebookprofil „Martin Tetzlaff“, sichtlich besorgt um die Sicherheit der Marburger Burschenschaft Germania, eine „Fischbrötchen-Attacke“ gegen das Haus und die Veröffentlichung von den Aufnahmen der Überwachungskameras mit: „Dass künftige Anschläge – bei denen dann vielleicht nicht nur ein Fischbrötchen geworfen wird – nur noch vermummt begangen werden und man die Täter bei ernsthaften Sachen dann nicht mehr identifizieren kann“.

So mancher Marburger Germane bewegte sich mindestens vor seinem Studium in den selben Strukturen wie Martin Binswanger. Zu nennen wäre an dieser Stelle Tobias Sauer, welcher Stützpunktleiter der JN Ulm-Heidenheim sowie Gründungsmitglied der AG Schwaben war. Die AG Schwaben war genau so wie die FN WUG im Kameradschaftsdachverband FNS organisiert. Auch der Burschenschaftler der Germania Marburg Patrick Bass, der jetzt als Identitärer Rapper Komplott auftritt, war Aktivist der AG Schwaben. Er beteiligte sich unter anderem an einer Nazidemonstration am 1. Mai 2011 in Heilbronn im Block des FNS welcher von Kai Zimmermann angeführt wurde, der ebenfalls am 24.11.2018 auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania anwesend war. Auch die FN WUG waren als Gruppe zu dieser Demonstration angereist.

Patrick Bass in Heilbronn (hi.mitte mit Kappe und Brille)

Das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg Gunzenhausen stellte bereits 2013 mehrfach eine Zusammenarbeit zwischen den FN WUG und der AG Schwaben fest. Im Artikel „Neonazis mischten sich unter Faschingsnarren“ wird über eine Beteiligung von Weißenburger Neonazis um Martin Binswanger an einer Aktion der AG Schwaben in Gersthofen bei Augsburg während der Faschingszeit berichtet. Im September 2013 folgte eine Kundgebung in Bobingen (Landkreis Augsburg) auf der sich die FN WUG mit der AG Schwaben vernetzten (Weißenburger Neonazis vernetzen sich auf Kundgebungen in Oberbayern und Schwaben). Auch hier war Martin Binswanger anwesend. Tobias Sauer kam im Wintersemester 2013/2014 Mitglieder der Marburger Burschenschaft Germania. Patrick Bass war mindestens seit dem Zwischentag 2013 Fux der Germania Marburg.

Sie sind allerdings nicht die Einzigen der Marburger Burschenschaft Germania, die über Kontakte zur Nazipartei Der Dritte Weg verfügen, zu nennen ist an dieser Stelle auch Till Weckmüller. Dieser hat sein Studium in Marburg bereits beendet. Bevor Till Weckmüller nach Marburg kam, war er ebenfalls in den Strukturen der Partei Der Dritte Weg aktiv. 2017 war Till Weckmüller am 11. Februar beim sogenannten „Tag der Ehre“ in Budapest anwesend, der von einem ungarischen Ableger von Blood&Honor mitorganisiert wird. Till Weckmüller hat die Veranstaltung am 24.11.18 organisiert.

Der Dritte Weg veröffentlichte außerdem, nach einer antifaschistischen Demonstration am 31.1.2014 gegen die Marburger Burschenschaft Germania anlässlich ihres Vorsitzes der Deutschen Burschenschaft einen Artikel unter der Überschrifft „‘Licht aus‘ für Linksautonome in Marburg“. Der Artikel enthält zum Beispiel Informationen über die Beteiligung von anderen Verbindungsstudenten an der Demonstration. Diese Information kommen muss von Personen mit Szenekenntnis über Korporierte in Marburg, da diese nicht mit Band und Mütze etc. unterwegs waren. Der Artikel schließt mit dem Abfeiern eines Buttersäure Anschlags auf die linke Kollektivkneipe Havanna 8 am selben Abend, und den Worten „Licht aus Antifa – Lutherstraße bleibt national“. An diesen Punkt wird die Vernetzung der Burschenschaft Germania Marburg und der Nazipartei Der Dritte Weg erneut offensichtlich. So ist es kein Wunder das am 24.11.18 eine Delegation der Partei anwesend war.

Deutsche Nazis und ihre Bewunderung für Casa Pound

Im Januar 2019 war eine Delegation der Nazi Partei Der Dritte Weg für einen Aufmarsch der faschistischen Organisation Casa Pound in Rom angereist, auch der Germane Philipp Stein war hier anwesend. 2015 war Philip Stein schon einmal in Rom und führte mit Casa Pound ein Interview, welches in den Burschenschaftlichen Blättern erschien. Hier bewundert Stein, dass Casa Pound “sowohl als überzeugte und militante Faschisten als auch sozial engagierte und fortschrittliche Aktivisten”(Burschenschaftliche Blätter 1/2015: 90) überzeugen. Außerdem stellt Philip Stein die Frage: “Gehört Südtirol zu Italien oder Deutschland”(ebd.), worüber die beiden Parteien im weiteren Verlauf des Interviews wie selbstverständlich diskutieren.

2017 waren Mitglieder der Marburger Germania erneut in Rom und besuchten eine Bar, welche in Rom für seine Verbindung zu Casa Pound bekannt ist. Das Foto was sie später auf Facebook posteten wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, unten im Bild liegt ein Bajonett und ein Germanenband. Von dem Fotografen wurde ein interessantes Detail in der Kneipe vom Foto ausgeschnitten. Nicht auf auf dem Foto zu sehen ist, ist das geschwungene Hakenkreuz, welches direkt links neben dem Bildausschnitt der Germanen in der Bar hängt. In Deutschland sind auch diese geschwungenen und abgewandelten Hakenkreuze verboten, weshalb die Germanen das Foto wohl lieber nur einen Teil des Tresen der Kneipe auf ihrem Foto veröffentlichten.

Im Januar 2018 war auch ein anderer Marburger Burschenschafter und Nazi in Rom. Der Rheinfranke Lars Roth, wurde von einem „Kameraden“, der faschistischen Gruppierung Casa Pound zu der Veranstaltung am 7. Januar auf der Acca Larentia eingeladen. Außerdem schenkte Ruperto Cavalliero ihm zwei T-shirts, die dieser stolz auf Facebook präsentierte.

Das eine Shirt ist von der Band „Bronson“ die am 07.01.2018 im Rahmen der Acca-Larentia „Proteste“ bei einem Konzert mit „ZetoZeroAlpha“, dessen Frontmann Gianluca Iannone ist, der NS-Hardcore Band „Hate for Breakfast“ und anderen Bands aus dem Umfeld von Casa Pound, spielte. Das andere Shirt ist von der „Blocco Studentesco“, der Schüler- und Studentenorganisation von Casa Pound. Auch Lars Roth ist ein Beispiel für das Netzwerk von Burschenschaften und Naziszene. Bei ihm handelt es sich um einen seit Jahren bekannten Aktivist über den wir bereits berichteten.

ruperto cavaliero

Auch im im Januar 2019 fand ein „Bronson“ Konzert im Kontext der Aktionen von Casa Pound statt, von dem aus Philipp Steins Jung Europa Verlag ein Video auf Facebook gepostet hat.

Am 7.Januar 2018 verbreitete Philip Stein einen Tweet zu dem „Gedenkmarsch“ von der Piazza San Giovanni zur Acca Larentia. Dieser Tweet kam von Lorenzo Gabrielli, welcher ebenfalls Casa Pound Aktivist ist. Schon in diesem Jahr, genauso wie in den Jahren zuvor, wurden am Ende des Gedenkmarsches an der Via Acca Larentia kollektiv der faschistische Gruß gezeigt.

Im Jahr darauf, am 7.Januar 2019, stand Philip Stein an der Acca Larentia in genau diesem Aufzug, der erneut massenhaft den faschistischen Gruß zeigte, obwohl dies seit 2017 auch in Italien strafbar ist. Mehr dazu hier:  https://lsa-rechtsaussen.net/roemische-gruesse-nach-deutschland/

©LSA-Rechtsaussen

Da es jedes Jahr an der gleichen Stelle zu dieser Widerwärtigkeit kommt, können Philip Stein und seine Begleiter Jörg Dittus und Volker Zierke nicht behaupten, dass sie nichts davon gewusst hätten.

Die Strategen der extremen Rechten und der DB bewundern Casa Pound für das Agieren der Organisation in der sozialpolitisch prekären Situation Italiens. Casa Pound versucht den materiellen Mangel der Bevölkerung, der durch Lücken des Sozialsystems entsteht, einzudämmen. So wollen sie versuchen, weite Teile der Gesellschaft zu erreichen, dies soll, verbunden mit einer Kulturrevolution von Rechts, zu einer extrem rechten Hegemonie führen.

So ist es also kein Wunder, das Philip Stein in der bereits zu Beginn erwähnten Rede beim Europa Nostra der Identitären 2018 in Dresden propagierte, die nächste Krise komme bestimmt und dann müsse die extreme Rechte mit noch mehr geschulten Kadern zur Stelle sein und trotz ihrer Differenzen, unterschiedlichen Vorstellungen und Organisationen, mit einem „Grundkonsens“ weiter gesellschaftlichen Boden für ihre Inhalte gewinnen, um irgendwann, das „große Ganze“ verändern zu können (vgl. Vortrag Europa Nostra Philipp Stein 2018).

Eine Person, die Umbruchsphantasien so offensichtlich ausspricht und Kontakte zu faschistischen Gruppierungen wie Casa Pound hat und in seinem Kleinstverlag faschistische Literatur veräußert ist der Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft.

Die Deutsche Burschenschaft hat kein Naziproblem, die Deutsche Burschenschaft ist das Naziproblem – dies ist der einzige Schluss die unsere Recherchen der letzten Jahre zulassen. Die Deutsche Burschenschaft arbeitet offensichtlich darauf hin die Gesellschaft im deutschsprachigen Raum nachhaltig und nach ihren Vorstellungen zu verändern. Die Häuser der Burschenschaften dienen als Treffpunkt, Ausbildungsstätte und Scharnier für die extreme Rechte, die von der AfD über die Identitären bis zur Partei Der Dritte Weg und weiteren Strukturen führen.

Nazis sind nicht ohne Faschismus zu denken

Wenn man sich das Netzwerk der extremen Rechten in Deutschland anschaut, kommt man zu dem Schluss, dass die AfD in der ersten Reihe steht, einen auf saubere Weste macht, in Bundes- und Landtagen andere Nazis mit Jobs und Geld versorgt und gleichzeitig versucht auf parlamentarischem Weg an einer Rechtswende zu arbeiten. Die Teilweise erfolgreicheren oder auch weniger erfolgreicheren Netzwerker der DB verfolgen durch einen vorgetäuschten Bruch mit dem Deutschen Nationalsozialismus die Strategie der „Neuen Rechten“. Gleichzeitig wird durch Propaganda so Einfluss auf gesellschaftliche Meinungsbildung genommen, dass Nazipostionen kein Tabu mehr sind, sondern als legitime Meinung anerkannt werden. Dabei kommt  heraus, dass Personen wie Philipp Stein sowohl bei den offensichtlichen Nazis von ‚Umwelt und Aktiv‘ wie auch bei der AfD Fraktion im Bundestag gern gesehener Gast und Pressesprecher der DB ist.

Spätestens in der zweite Reihe und den darauf folgenden blickt man dann in die “Fratzen” knallharter Nazis wie von der Partei Der Dritte Weg.

Pressesprecherin Wilma Streit sagt hierzu: „Die Vordenker der „Neuen Rechten“ versuchen den Gestank der braunen Scheiße der sie den Weg bereiten mit Lufterfrischern zu überdecken, um Geruchsbeschränkte möglichst lange zu täuschen und die Intensität des Gestanks zur Normalität werden zu lassen. Das dies eine Zuspitzung extrem rechter Gewalt mit sich bringt, sei hier nur am Rande erwähnt, ist allerdings unausweichlicher Bestandteil dieser Ideologie.“

Broschüre zum Rhein-Main Gebiet – Komplett

In der letzten Zeit sind vereinzelte Artikel aus der Broschüre zum Rhein-Main Gebiet hier veröffentlicht worden. Und einige gedruckte Broschüren sind schon im Umlauf. Nun könnt ihr die ganze Broschüre auch hier lesen. Neben einem Artikel mit dem Titel: Rechts aber nicht die “Neue Rechte”, findet ihr Texte zu Korporierten in der AfD, zu Burschenschaftern und der Jungen Alternative im “neurechten” Netzwerk und vieles mehr.

Bei Interesse an einer Printversion schreibt uns gerne eine E-mail.