Verschiedene Generationen der Germania Marburg und ihr extrem rechtes Netzwerk

Wie schon in mehreren unserer Texte behandelt, dient die AfD für viele Burschenschafter als politisches Betätigungsfeld. Doch nicht nur die AfD ist als ein Solches zu benennen, sondern es können weitere Organisationen ausgemacht werden, die für Burschenschafter ähnliche Möglichkeiten bieten. Um die aktuelle extreme Rechte richtig erfassen zu können, muss diese als Netzwerk verstanden werden.

Als Hauptakteure sind hier, neben der AfD, die Identitäre Bewegung, das Institut für Staatspolitik mit der Einprozent-Initiative, PEGIDA und die neonazistische Rechte zu nennen.

Alle diese Organisationen oder Gruppierungen erfüllen unterschiedliche Funktionen und sprechen hierbei innerhalb des rechten Spektrums verschiedene Personengruppen an. Wo die Identitäre Bewegung eine völkische Jugendbewegung sein möchte, die von jungen Rechten gestemmt wird und diese ansprechen soll, ist PEGIDA eher von älteren Leuten dominiert, die aus dem sogenannten Mittelstand kommen. Bei der IB wird vor allem über Medien und Inszenierung ein Bild gezeichnet, bei PEGIDA sind es dagegen Demonstrationen, die regelmäßig stattfinden. Die Einen wollen eine patriotische junge Elite darstellen, die Anderen das „Volk“ repräsentieren. EinProzent ist der Geldgeber in verschiedenste Richtungen, für AfD, PEGIDA, IB und andere rechte Projekte. Das IFS soll der rechte „Thinktank“ sein, der zur patriotischen Revolution das passende Gedankengut beisteuern soll.

Bei AfD, Pegida, IFS und Einprozent, handelt es sich um Organisationen, die sich bemühen in der Öffentlichkeit ein Bild zu wahren, in dem offene physische Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung eher abgelehnt wird. Auch wenn nicht zu übersehen ist, dass es sich hier ausschließlich um die Erschaffung eines fiktiven Außenbildes handelt, das eine Anschlussfähigkeit an eine bürgerliche Mitte erleichtern soll.

Als Beispiel können hier körperliche Angriffe von Burschenschaftern und IB-lern in Halle oder Marburg angeführt werden, sowie offene Sympathiebekundungen für einen Faschismus als Theorie aber auch in der Praxis. Hier seien die mehrfachen Besuche von Marburger Burschen bei Casa Pound in Italien und ihre offene Bewunderung der faschistischen Organisation in Italien zu nennen. Die Liste könnte zahllose Seiten füllen, dennoch inszeniert sich die „neue“/akademische Rechte als friedfertig.

Im Sinne der Aufgabenteilung innerhalb des faschistischen Blocks wird in diesem Netzwerk die offen militante Rechte zum Beispiel von der NPD und dem Dritten Weg vertreten.

Die Übergänge der verschiedenen Bereiche sind hier jedoch fließend und sollten nicht als abgeschlossene Bereiche verstanden werden.

Kürzlich erschien in der KONTEXT:Wochenzeitung ein Artikel über Marcel Grauf, Philip Stein und Torben Braga, in dem mithilfe geleakter Chatprotokolle genau dies noch einmal verdeutlicht wurde.

Auffällig ist, dass in allen genannten Organisationen Burschenschafter der Germania Marburg aktiv mitarbeiten.

Um diese Verknüpfung von Burschenschaftern in alle Bereiche der extremen Rechten zu belegen, haben wir noch einmal die Burschenschaft Germania mit ihren neuen und alten Mitgliedern unter die Lupe genommen. In den letzten Jahren waren mehrere Ereignisse, die ein solches Netzwerk zeigen. Das aktuellste Ereignis dieser Art wollen wir im folgenden beschreiben, sowie die Rolle der aktiven und inaktiven Burschen der Germania Marburg innerhalb eines extrem rechten Netzwerkes herausarbeiten.

Von den aktiven und inaktiven Burschen kommen wir zu den alten Herren der Germania Marburg, die den jungen Burschenschaftern in ihren extrem rechten Einstellungen in nichts nach stehen. Nicht nur die aktuelle Aktivengeneration der Germania ist ein Naziproblem, sondern die davor und die davor ebenfalls.

Der Kongress “Verteidiger Europas” als Beispiel der Vernetzung

Am 3.3.2018 traf sich in Aistersheim beim „Verteidiger Europas“ Kongress das who-is-who der rechten Akteur_innen. Um die Verbindungen von Burschenschaftern in das extrem rechte Milieu zu illustrieren, lohnt sich ein genauerer Blick auf den „Verteidiger Europa“-Kongress in Aistersheim. Von der Neonazi-Postille Zuerst! über den FPÖ-Politiker Mario Eustacchio und Pegida-Frontmann Lutz Bachmann bis zur Marburger Burschenschaft Germania, EinProzent und der Identitären Bewegung, waren fast alle versammelt, die in der „neuen“ rechten Sammlungsbewegung eine Rolle spielen.

Ein Tag lang wurde Aistersheim zum Messedorf für rechte Ideologen. Es wurden Vorträge gehalten und angehört, sich vernetzt, um mediale Aufmerksamkeit gebuhlt und nebenbei Umsatz gemacht. Veranstaltungen wie in Aistersheim gab es in der letzten Jahren immer wieder. Beispiele sind die bisher zweimal veranstaltete Messe „Zwischentag“ (2013, 2015), das „Europäische Forum“ in Linz (2017) ebenso wie die regelmäßigen Winter- und Sommer-Akademien vom IfS oder die Compact-Konferenz in Leipzig.

Hier kommt die Zusammenarbeit der verschiedenen rechten Kräfte und die Rolle der Burschenschaften besonders zum Vorschein. Bemerkenswert am „Verteidiger Europas“-Kongress ist, dass er eine Forderung beinhaltet, die völkische Burschenschafter seit ihrer Gründung verfolgen: Die Überzeugung, dass es sich bei Österreichern und Deutschen um eine zusammengehörige „Volksgemeinschaft“ handele.

Der „Verteidiger-Europas“-Kongress, spricht ein österreichisches und deutsches Publikum an und auch die Redner_innen kommen aus genau diesen beiden Ländern. Eröffnet wurde der Kongress von Philip Stein (Germania Marburg, EinProzent) und Ulrich Püschel (InfoDirekt).

Vorab angekündigt wurden hauptsächlich östereichische Referenten. Ausnahmen bildeten hier Andreas Lichert und Philip Stein. Auf dem Kongress sprachen dann außerdem noch André Poggenburg, Felix Menzel und Christoph Berndt, die aus Deutschland angereist waren. Bei den gelisteten Ausstellenden haben viele der Firmen oder Organisationen ihren Sitz in Deutschland. Bei den Ausstellern sind unter anderem EinProzent, die Zeitschrift Blaue Narzisse, Antaios und Jung Europa Verlag, Compact, Sezession und die Burschenschaft Germania Marburg angekündigt worden.

Als der Kongress am 3. März statt fand, twittere der Kongress-Gast Lutz Bachmann stolz seine Eintrittskarte, auf welcher dieser als Mitglied von EinProzent geführt war. In der Öffentlichkeitsarbeit war Philip Stein ebenfalls darauf bedacht, ein enges Verhältnis seiner Organisation zu PEGIDA-Gründer Bachmann zu demonstrieren.

Hier wird eine bereits lange bestehende Kooperation vertieft, denn Stein trat bereits bei PEGIDA-Demonstrationen mit der Urburschenschaftsfahne auf, kommentierte in den vergangenen Jahren das Geschehen in Artikeln und trat im März 2017 selbst als Redner auf, um seine Organisation EinProzent dort vorzustellen.

Auch Andreas Lichert wurde als Referent eingeladen. Lichert (ausführlich in Lotta#68, Hell/Brasch 2017), Gründer des IfS und Vertreter des völkischen Flügels innerhalb der hessischen AfD, unterstütze EinProzent mit Auftritten in deren Videos. Er unterzeichnete im Namen der Titurel-Stiftung den Mietvertrag mit Einprozent für das Haus in der Adam-Kukoff-Straße in Halle, in dem die örtliche IB-Gruppe Kontrakultur Halle ein Hausprojekt sowie der AfD-Abgeordnete Tillschneider ein Büro betreibt. Am 23.Juni 2017 hielt Andreas Lichert auf dem Haus der Germania Marburg einen Vortrag und auch am JA-Landeskongress (29.04.2017) war er dort anwesend, obwohl er keinen Teil der JA-Hessen darstellt.

Die Burschenschaft Germania ist immer wieder bei verschiedenen rechten Events mit einem Stand vertreten. So war sie zum Beispiel auf dem Zwischentag 2013 mit einem eigenen Stand vertreten. Damals mit Tobias Sauer, Gründungsmitglied der AG Schwaben und Patrick Bass, auch als “Komplott” bekannt.

links: Patrick Bass, mittig: Tobias Sauer

2018 in Aistersheim betreute Heinrich Mahling den Stand der Burschenschaft Germania Marburg, wobei er ein Fuxenband dieser Verbindung trug. Mahling ist seit Ende des letzten Jahres offiziell Regionalleiter der IB-Hessen, nachdem sein Name durch antifaschistische Veröffentlichungen bekannt wurde.

Zum Jahresanfang 2018 veröffentlichte er einen Text, in dem er schrieb: „immer mehr Menschen fassen Mut und nehmen Kontakt zum patriotischen Widerstandsmilieu auf, um sich bei der Identitären Bewegung, EinProzent, oder in der AfD zu engagieren. […] Ob auf der Straße, in den Parlamenten, in den Redaktionsstuben oder wo auch immer – lasst uns 2018 zum Jahr der Patrioten, zum Jahr der Reconquista machen!“

“Gegen Demokraten helfen nur Granaten” (Marcel Grauf)

Neben aktiven Burschen haben auch alte Herren in diesem Netzwerk eine extrem wichtige Funktion. Das Lebensbund-Prinzip der Burschschaften macht sie einerseits zu Finanziers der aktuellen Studenten, andererseits haben sie durch ihre berufliche Stellung die Möglichkeit, Bundesbrüdern lukrative Jobs zu verschaffen. Teil einer Burschenschaft ist man nicht nur während des Studiums, sondern sein Leben lang, wie das Lebensbundprinzip aussagt.

An dieser Stelle sollen nun vier Alte Herren der Germanen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Marcel Grauf wohnt aktuell in Großerlach im Rems-Murr-Kreis. Er arbeitet für Heiner Merz und Christina Baum als AfD-Mitarbeiter im Landtag Baden-Württemberg. Davor war der Alte Herr laut Eigenaussage Mitglied der NPD. Er schrieb er für die „Neue Ordnung“, eine extrem rechte Zeitung aus Graz.

In kürzlich geleakten Chatprotokollen zeigt er seine offene Menschenverachtung. Er schrieb zum Beispiel:

“Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Hauptsache es geht los. Insbesondere würde ich laut lachen, wenn sowas auf der Gegendemo passieren würde. Tote, Verkrüppelte. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!”

auch aus seinem offenen Antisemitismus macht er keinen Hehl:

Was ihm nicht passt, nennt er “Juderei”. “20 Judentaler” zahlt er für ein Zeitungs-Abonnement – Geldproblem? “Einfach nur die Juden besteuern -> Problem (end)gelöst”.“ (Hunger 2018)

Ein Dialog mit seinem Bundesbruder Philips Stein sieht auch mal wie folgend aus:

Philip Stein: “Wir landen bestimmt alle im Knast”

Marcel Grauf: “Solange wir bei der Verhaftung knietief im Blut stehen ist das ok”.“

Ben Beressem

schrieb als Student für die rechte Jugendzeitschrift Blaue Narzisse. Darüber hinaus ist er Mitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, die seit 1956 den völkischen Flügel der DB organisiert und immer wieder Flügelkämpfe innerhalb der DB provozierte. Nach dem endgültigen Spaltungsprozess, in dem die vergleichsweise moderaten Burschenschaften aus der DB ausgetreten sind, hat die BG die Oberhand über den Verband erreicht. Außerdem ist er Beisitzer der Friesen-Stiftung, der Landesstiftung der AfD Sachsen-Anhalt. Zur Zeit wohnt er in Magdeburg.

Robert Offermann ist ebenfalls Teil der Burschenschaftlichen Gemeinschaft. Er war wohl in der Jungen Landmannschaft Ostpreußen organisiert (er selbst dementiert dies jedoch), jener Landsmannschaft, die regelmäßig die Naziaufmärsche im Februar in Dresden anmeldete. Genau jene Naziaufmärsche, für die Germanen-Burschen, unter anderem Philip Stein, 2014 Flyer in der Marburger Mensa verteilten und der 2010 von Björn Höcke besucht wurde. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass er in einer Kundendatenbank der extrem rechten Szene-Marke Thor Steinar auftaucht und auf Twitter Werbung für eine Buchpräsentation seines Bundesbruders Philip Stein zu dem im Jungeuropa-Verlag erschienen Buch  Dominique Venners, einem Mitglied der französischen Terrororganisation „Organisation de l’armée secrète“, kurz OAS, macht. Seine Brötchen verdient Offermann als Pressesprecher der AfD Hamburg, nachdem er zunächst bei der AfD in Aachen angestellt war.

Andreas Graudin arbeitet aktuell für die AfD in Sachsen Anhalt und ist stellvertretender Vorsitzender der Friesen-Stiftung. Graudin war auch schon vor seiner AfD-Zeit in der extrem rechten Partei „Pro Deutschland“ in Berlin parteipolitisch aktiv. Dort war er 2011 stellvertretender Vorsitzender, außerdem Vorsitzender des Kreisverbandes Steglitz-Zehlendorf und zeitweise Schriftführer. Ebenfalls eine zentrale Rolle hatte er im Studienzentrum Weikersheim, dort war er presserechtlicher Verantwortlicher des Internetauftritts, Ansprechpartner für Berlin und Beisitzer im Präsidium des SZW. Das CDU-nahe Studienzentrum Weikertsheim sieht sich selbst als christlich-liberale Denkfabrik, die regelmäßigen Besuche extrem rechter Referenten zeugen jedoch von einer Scharnierfunktion zwischen konservativer und extremer Rechter. Vielmehr lässt sich das SZW als Treffpunkt von Rechtskonservativen und Neurechten charakterisieren.

Fazit

Nicht erst am Beispiel des Verteidiger-Europas Kongresses lässt sich die Vernetzung der Burschenschaft Germania Marburg beweisen. Mitorganisiert vom Germanen Philip Stein, der EinProzent-Initiative. Vertreten wurde sie durch den Fux und IB-Hessen Regionalsprecher Heinrich Mahling. Unterstützung erhalten die Burschen unter anderem durch vier alte Herren, bei denen sich ebenfalls ein extrem rechtes Weltbild beweisen lässt, während sie zeitgleich in der AfD arbeiten, die in der Öffentlichkeit weiterhin als ‚rechtspopulistisch‘ verharmlost wird.

Die Germanen versuchen eine extrem rechte Bewegung mit Hilfe ihres Netzwerks auf und aus zubauen. Personen aus ihren Reihen sitzen bei verschiedenen extrem rechten Organisationen in führenden Positionen. Dass Burschenschafter beispielsweise bei der AfD beliebte Mitarbeiter sind, ist keinen Wunder. Burschenschaften werben junge Männer an und bauen diese zu rechten Kadern auf, die sich im Falle der Marburger Burschenschaft Germania öffentlich eher selten offen auf den Nationalsozialismus beziehen. In den von der KONTEXT:Wochenzeitung veröffentlichten Ausschnitte von Chats zwischen Philipp Stein, Torben Braga und Marcel Grauf wird erneut offensichtlich, dass Germanen in ihren Positionen jedoch keinen Bruch mit der NS-Ideologie vollzogen haben. Das Lebensbundprinzip der Burschenschaftler ermöglicht ihnen bei ihren Tätigkeiten für Organisationen wie die AfD auf ein Netzwerk von Gleichgesinnten zurück greifen zu können. So wird von Burschenschaftern der Germania Marburg der Rechtsruck der Gesellschaft vorbereitet und vorangetrieben.

Ob Identitäre, Burschenschaften oder völkische AfD‘ler – Rechte Netzwerke überall bekämpfen!

Burschen-Aktuell

Liebe Landesregierung,

im Nachgang zu den Übergriffen auf Fotograf*innen rund um den Landeskongress im vergangenen April, wurde im August 2017 von der hessischen SPD-Landtagsfraktion eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, welche Aufklärung über die Verstrickung der Jungen Alternative mit verfassungsfeindlichen Gruppierungen, wie der Identitären Bewegung und Ein-Prozent, bringen sollte. Von der Landesregierung wurden daraufhin „vereinzelt Verbindungen in Form von Personenüberschneidungen zwischen rechtsextremistischen Gruppierungen und der, “Jungen Alternative” festgestellt”. Es kann jedoch bei einem Großteil der Angreifer, welche bei dem Angriff am hessischen JA-Landeskongress beteiligt waren, belegt werden, dass diese Teil der Identitären Bewegung sind oder eng mit dieser zusammenarbeiten.
Im Falle Philip Steins wurde von der Landesregierung von einem “ehemalige(n) Verbindungsstudent” gesprochen. Hier wurde ignoriert, dass es sich bei Burschenschaften um ein Lebensbundprinzip handelt. Das heißt, dass selbst Alte Herren sind noch Teil der jeweiligen Burschenschaft sind. Das Lebensbundprinzip ist eins der zentralen Prinzipien von Burschenschaften.
Philip Stein ist jedoch nicht einmal Alter Herr, sondern wird als Inaktiver geführt. Inaktive sind Teil der Aktivitas, welche temporär von ihrer universitären Pflicht freigestellt werden. In Entscheidungen sind diese weiterhin involviert, sie haben zu diesem Zeitpunkt den Hauptteil der burschenschaftlichen Pflichten weiterhin zu tragen.

Die Landesregierung glänzte bei ihrer Antwort auf die Anfrage nicht gerade durch Kompetenz und auch von der SPD wäre zu erwarten gewesen, diese stümperhafte Antwort nicht unwidersprochen hinzunehmen. Mag das Handeln der Landesregierung schon irgendwo zwischen Ignoranz und Vertuschung einzuordnen sein, lässt die Nachlässigkeit der SPD einen nachdrücklichen Willen zur Aufklärung vermissen.
Dass staatliche Behörden rechte Aktuer_innen völlig falsch einschätzen, ist mittlerweile ein alter Hut. In dem Fall, bei dieser Faktenlage, jedoch nocheinmal besonders herauszustellen.

Es folgen nun Rechercheergebnisse zu Pesonen, welche bei dem Übergriff am Tag des JA-Landeskongresses beteiligt waren, als auch zu Personen, die daran zwar nicht beteiligt waren, jedoch zu den drei Marburger DB!Burschenschaften gehören aus welchen sich Kader der Identitären Bewegung, der Jungen Alternative sowie anderer extrem rechter Vereinigungen entwickeln. Die folgenden Personen sollte man in Marburg und auch überregional kennen und im Auge behalten sollte.

Burschenschaft Germania Marburg (Lutherstraße 3)

Dass die Burschenschaft Germania Marburg kein Naziproblem hat sondern eines Naziproblem ist, wurde in den letzten Jahren schon an verschiedenen Stellen offengelegt. Die alten und die neuen Mitglieder bestätigen dies immer wieder. So auch in diesem Semester (weiterführende Links: 1 und 2).

 

Nils Grunemann tauchte bereits 2013 in den Führungskreisen der Identitären Bewegung Deutschland auf. Mindestens seit 2015 ist er bei der Marburger Burschenschaft Germania untergekommen. Anfang des Jahres gründete er gemeinsam mit Simon Büssing und dem Marburger Bundestagskandidaten der AfD, Julian Schmidt ( weiterführende Links: 1 und 2), die Junge Alternative Marburg-Biedenkopf.

 

 

Maximilian Kolb  ist in der AfD und in der Jungen Alternative (JA) aktiv. Für die JA saß er, bis zum Landeskongress am 28.10.2017, im Landesvorstand Hessen als Beisitzer. Für die Burschenschaft Germania Marburg trat er schon als Sprecher auf. Am 29.4.2017 war er bei dem bewaffneten Angriff auf Fotograf_innen in der Lutherstraße, die den Landeskongress der JA Hessen dokumentierten, federführend. Maximilian Kolbs Vater, Werner Kolb, ist politisch ebenfalls rechts zu verorten. Er sitzt für die AfD als Abgeordneter im Kreistag Schwalm-Eder und auch der Bruder von Maximilian, Alexander Kolb, fällt auf Facebook unteranderem durch IB-Likes auf. Hier liegt die Überzeugung für rechte Ideologie wohl in der Familie.

 

 

 

 

Moritz Hermann Otto Georg Nieder war zuletzt Aktivensprecher der Burschenschaft Germania Marburg. Auf seinen Wegen durch die Stadt verklebt er gerne Aufkleber der Identitären Bewegung. Wie bei Maximilian Kolb ist auch der Vater von Moritz, Achim Nieder (Oststraße 5, 38272 Burgdorf), in der AfD. Er ist auf der Niedersächsischen Landesliste der AfD für die Bundestagswahl auf Listenplatz 16 zu finden.
Achim Nieder ist Alter Herr der Frankonia Erlangen. Die Frankonia Erlangen hat, wie die Germania Marburg, die DB! als Dachverband. Im Jahr 2015 hat sie den “Zwischentag”, eine Messe extrem rechter Verlage und Organisationen, ausgerichtet. Gäste in diesem Jahr waren zum Beispiel der wegen Hetze zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilte Michael Stürzenberger, Esther Seitz vom Widerstand West-Ost und Karl-Heinz Hoffmann, welcher die Wehrsportgruppe Hoffmann gründete und führte. Philip Stein war in diesem Jahr ebenfalls bei der Messe und auch die Jahre zuvor waren Mitglieder der Marburger Burschenschaft Germania dort vertreten.
Frank Miksch, ebenfalls bei der Frankonia Erlangen, ist NPD-Aktivist und arbeitete mit dem Freien Netz Süd zusammen. Er übernahm am 18.Februar 2012 mit Matthias Fischer die Demonstrationsleitung bei einer “Eilversammlung” mit dem Thema “gegen linke Gewalt”. Matthias Fischer war Teil der 2014 verbotenen Vereinigung “Freies Netz Süd”, nach dem Verbot ging das FNS in der Nachfolgeorganisation “Partei III.Weg” auf. Außerdem wurde er auf einer Kontaktliste von Uwe Mundlos als Nürnberger Kontakt geführt.
Die Germania Marburg und Frankonia Erlangen sind beide ganz eindeutig Naziburschenschaften. Es ist also kein Zufall, dass Moritz Nieder bei der Germania Marburg gelandet ist. Moritz und sein Vater sind beides Naziburschenschafter und rechtspolitisch aktiv.

Der Vater sitzt, wie bei Maximilian Kolb, für die AfD im Kreistag, der Sohn ist Teil der Identitären Bewegung und geht mit seinen Bundesbrüdern, unteranderem mit Maximilian Kolb, auf Fotograf_innen los. Stark rechtes Gedankengut scheint auch bei der Familie Nieder Tradition zu haben.

 

 

 

 

Heinrich Mahling war bis Spätsommer 2017 Mitglied der Hasso Borussia (Friedrich-Siebert-Weg 1). Mitte Oktober wurde er in der Marburger Innenstadt als IB-ler geoutet. Im Outing noch als Mitglied der Hasso Borussia benannt, ist dieser nun zu der Burschenschaft Germania Marburg gewechselt.

Mit Heinrich Mahling hat die Burschenschaft Germania nun den ersten öffentlich auftretenden “Identitären” in ihren Reihen. Seit Heinrich Mahling in Marburg lebt, hat dieser Kontakt zu Mitgliedern der Germanen. Da kommt ein Wechsel zur Germania Marburg nur wenig überraschend.

 

 

 

 

Till Weckmüller ist im Laufe des letzen Jahres von der Marburger Burschenschaft Rheinfranken zur Burschenschaft Germania Marburg gewechselt.
Geboren ist er am 19.12.1995. Seine Neonazikarriere begann er schon in Rheinhessen. Dort war er bei der Nazipartei Der Dritte Weg aktiv, hatte aber auch Kontakte zum Hooligan-Spektrum von Waldhof Mannheim und zu LuNaRa (Ludwigsburger Nazis und Rassisten). Till Weckmüller war maßgeblich an einem Anschlag auf den Verein Arab Nil-Rhein in Mainz beteiligt. In Marburg begann er ein Jurastudium und wurde Burschenschafter.
Jedes Jahr am 11. Februar findet in Budapest der sogenannte “Tag der Ehre” statt. Der Anlass dieser Veranstaltung ist der am 11. Februar 1945 erfolgte Versuch deutscher und ungarischer Faschisten sich aus einem Kessel der Roten Armee zu befreien. Auch wenn nur wenige dies überlebten, wird dieser als tapfer verklärte Befreiungsversuch von Neonazis gefeiert. Seit 1997 werden die Gedenkveranstaltungen vom ungarischen Blood&Honor-Ableger veranstaltet. Es handelt sich hierbei um einen jährlich stattfindenden Treffpunkt europäischer Neonazis und Blood&Honor Aktivisten.
Till Weckmüller nahm im Jahr 2017 an diesem Treffen teil, was die militante Ausprägung seiner Ideologie veranschaulicht.
Diese zeigt sich neben dem Anschlag auf einen islamischen Kulturverein und dem Besuch von Blood&Honor-Veranstaltungen, außerdem auch konkret in Marburg.
Auch Till Weckmüller war am 29.4.2017 am Übergriff auf Fotograf_innen am Rande des Landeskongress der Jungen Alternative Hessen in der Lutherstraße beteiligt. Mit einem Ninjapulli vermummt, griff er diese mehrfach mit Tritten und Schlägen an. Dass die Fotograf_innen hiervon nicht ernsthaft verletzt wurden, war ihr Glück. Till Weckmüller scheint nicht ungeübt im Kampfsport zu sein. Er wurde mehrfach in einem Kampfsportverein in Marburg gesehen.

 

 

 

Die Marburger Burschenschaft Germania ist eine Kaderschmiede der extremen Rechten. Seit einigen Jahren versucht die Germania zunehmend durch eine altbekannte Inszenierung von ihrem Nazi-Image wegzukommen. Dies ist jedoch nicht als inhaltlicher Bruch misszuverstehen. Die Hinwendung zur “Neuen Rechten” hat taktische Gründe. So treiben sie den Ausbau der Identitären Bewegung voran und organisieren nach wie vor einschlägige Vorträge, zuletzt über Ernst Jünger, gehalten von Werner Bräuninger. Der Historiker ist vor allem für seine Bücher und Texte über den historischen Nationalsozialismus in der Kritik, in welchen er über einen nicht-hitleristischen Flügel und Personen wie Stauffenberg den Nationalsozialismus als solchen zu retten versucht. Seit 2014 besucht die Germania jährlich die Casa Pound in Italien. Es handelt sich hier um eine italienische faschistische Organisation, die seit Jahren Menschen, welche nicht in ihr konstruiertes Bild einer italienischen Volksgemeinschaft passen, angreifen und töten. 2015 führte die Germania Marburg, als Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft, mit der Casa Pound ein Interview, in welchem Philip Stein sich höchst bewundernd über diese äußert. Dieses Interview wurde in den Burschenschaftlichen Blättern 1/2015, der Zeitung der DB!, abgedruckt. 2017 sprach Philip Stein über “Das organische Weltbild und die ökologische Revolution” bei einem Autorentreffen der Nazizeitung Umwelt und Aktiv. In diesem Vortrag nennt er die Casa Pound als vorbildliche Bewegung, mit welcher er “in ganz gutem Kontakt” (min.31:39) stehe.

Burschenschaft Rheinfranken Marburg (Lutherstraße 5)

Auch die Marburger Burschenschaft Rheinfranken ist bekannt für ihr Dasein als akademische Nazikameradschaft. Am 24.11.2017 fand auf dem Haus der Rheinfranken ein Vortrag zu angeblich fehlerhafter Geschichtsschreibung, welche für nationaler Selbsverachtung verantwortlich sei, statt. Gehalten wurde dieser von Gerd Schultze-Rhonhof.
Dieser spricht immer wieder vor Vertreter_innen der extremen Rechten, auch im Antaios-Verlag erschien schon eine Veröffentlichung eines Gesprächs mit ihm und Kubitschek.
Er war auch schon mehrfach in Marburg zu Besuch. Zum Beispiel hielt er 1998 bei den Rheinfranken einen Vortrag mit dem Thema “Braucht der Soldat ein Vaterland?”. Am 03.02.2007 war er bei der Burschenschaft Germania und hielt einen Vortrag im Zuge der von den Germanen organisierten Vortragsreihe “Marburger Diskurs”, welche regelmäßig extrem rechten Referenten eine Plattform bot. Am 01.12.2009 referierte er dann zu “Das Tschechisch-Deutsche Drama von 1918 bis 1939”. Gerd Schultze Rhonhoff ist ein geschichtsrevisionistischer Gerneralmajor a.D., welcher das schreiben für sich entdeckt hat. In seinem Buch “Der Krieg, der viele Väter hatte”, behauptet Gerd Schultze Rhonhof “, daß in den Jahren von 1933 bis 1938 557.000 Juden ihr polnisches Heimatland verlassen (mussten) und Zuflucht im benachbarten Deutschland (…)” suchten (Schultze-Rhonhof 2017: 394). Grund hierfür seien antisemitische Progrome in Polen gewesen (vgl.ebd.).
Dieses Beispiel zeigt den Versuch, die Geschichte umzuschreiben und die Schuld des NS-Zeit von den Deutschen zu nehmen. Geschichtsrevisionismus ist zentraler Teil einer extrem rechten Ideologie. Diese wiederholte Einladung von Gerd Schultze-Rhonhof zeigt mal wieder die politischen Gesinnung der Rheinfranken.

 

 

Heinrich Theodor Zerries war schon als er noch in Brauenschweig lebte Mitglied einer Schülerburschenschaft, ebenso wie Jens-Erik Möhle. Beide fanden gemeinsam mit Beginn des Studiums ihren Weg zur Marburger Burschenschaft Rheinfranken. Neben seinem BWL Studium verfolgt Heinrich Theodor Zerries sein Engagement für extrem rechte Positionen auch in Marburg weiter. So ist es kein Wunder, dass er bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken gelandet ist, wo sich Nazis seit eh und je wohlfühlen.
Zerries auf Klassenfahrt in Griechenland

 

 

 

 

Lars Roth ist der Konkneipant der Rheinfranken. Begonnen hat seine Nazikarriere im Umfeld der Berserkern Kirtorf und der Division Mittelhessen. Hessen- und auch deutschlandweit ist Lars Roth mit Neonazis und Faschist_innen jeglicher Coleur, gut vernetzt. Er hat Kontakte zu militanten Neonazigruppierungen wie den Hammerskins und Blood&Honor, besuchte ein von den Hammerskins organisiertes Konzert und trat als Ordner beim Eichsfelder Heimattag 2013 auf, welcher von dem Blood&Honor-Aktivisten Thorsten Heise organisiert wurde.
In den Jahren 2015 und 2016 war er in die Organisation des Rechtsrockfestivals “Rock für Identität” involviert. Auch 2017 war er in Themar bei der Veranstaltung “Rock gegen Überfremdung” anwesend.

Lars Roth in Themar ©Ramaswamy

Lars Roth attackierte gemeinsam mit Luis Wehweck, beide mit Schlägstöcken bewaffnet, Fotograf_innen am Rande des JA Hessen Landeskongesses Ende April 2017 in der Marburger Lutherstraße.

 

 

Titus Vinzenz Teichmann ist wohl seit 2014 bei den Rheinfranken. Er ist der Leibbursche von Lars Roth. Am Anfang einer jeden Burschenschafter-laufbahn wählt der Fux einen der vollberechtigten Mitglieder aus, welcher ihn durch seine Fuxenzeit begleitet und ihm in allen Angelegenheiten zur Seite gestellt ist. In den meisten Fällen haben der Leibbursch und der Leibfux ein sehr inniges Verhältnis zu einander, so auch Titus Teichmann und Lars Roth.

Schon vor seiner Zeit bei den Rheinfranken fiel er mehrfach als Nazi auf. So war er zum Beispiel am 23.03.2013 in Kirchweye bei einem Naziaufmarsch beteiligt, bei dem unter anderem die Holocaustläugnerin Ursula Haverbeck anwesend war (aktualisiert: 16.03.18). Seine Facebook-Likes bestätigen dies nocheinmal. Ihm gefallen zum Beispiel “Phalanx Europa”, “Jugend für das Leben”, “IB Niedersachsen” und “The Conservative Revolution”

 

 

Lukas Reuter fiel schon als Jugendlicher durch die Verbreitung von extrem rechtem Gedankengut auf. Er nahm an mehreren Naziaufmärschen teil z.B. 2013 in Dortmund und Grünberg. 2014 tauchte Lukas Reuter dann bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken auf. Der aus Rauschholzhausen stammende Lukas war am 3.6.2016 an einem Angriff auf die linke Kneipe Havanna Acht in Marburg beteiligt, bei dem eine Flasche durch eine Scheibe geworfen wurde.

 

 

Sebastian Spahn wohnte mit Benjamin Haasis in einer gemeinsamen Wohnung, als beide schon Aktive der Burschenschaft Rheinfranken Marburg waren. Sebastian Spahn scheint ebenso wie alle anderen Rheinfranken an nationalsozialistischen Ideen interessiert zu sein. So posierte er gemeinsam mit seinem damaligen Mitbewohner Benjamin Haasis in einem Militariamuseum begeistert vor einer Hakenkreuzfahne.

Benjamin und Sebastian im Militariamuseum

 

 

Tobias Heuwinkel kommt aus 32758 Detmold und ist vermutlich seit 2016 bei den Rheinfranken. Er studiert Archäologie und ist regelmäßig in der Philosophischen Fakultät anzutreffen. Er besuchte am 03.06.2016 den Vortrag von Dubravko Mandic auf dem Rheinfrankenhaus. Der AfD-Funktionär Dubravko Mandic ist dem völkischen Flügel der AfD zuzurechnen. Gegen ihn lief ein internes Parteiausschlussverfahren, wegen seiner offen neonazistischen und rassistischen Äußerungen. Zu dem Zeitpunkt des Vortrages war Tobias Heuwinkel noch kein Rheinfranke, denen er sich im Wintersemester 2016 anschloss. Dass er diesen Vortrag besuchte und sich letztendlich für die Burschenschaft Rheinfranken entschied, ist nicht verwunderlich. Die Facebookseite von Tobias Heuwinkel (Tobias von Stroheck) zeigt, wie bei seinen Bundesbrüdern, ebenfalls eine extrem rechte Gesinnung. Ihm gefällt unter anderem die Burschenschaft Thessalia Prag zu Bayreuth.

Diese war maßgeblich für den 2011 gestellten “Arier-Antrag” verantwortlich, welchen die Burschenschaft Raczek zu Bonn letztendlich öffentlich machte und damit den Austritt mehrerer Burschenschaften provozierte, sowie für eine Hinentwicklung zu einer öffentlicheren Radikalisierung und Bekenntnis zu extrem rechten Positionen der Burschenschaften innerhalb der DB!. Außerdem wurde bekannt, dass Mario Brehme, einer der engsten Vertrauten und Unterstützer des NSU, jahrelang auf dem Haus der Burschenschaft Thessalia Prag zu Bayreuth lebte und Teil dieser war.
Auch die Burschenschaft Thuringia Braunschweig, welche Tobias Heuwinkel zu gefallen scheint, gehört zu den extrem rechten Burschenschaften.

Zurzeit ist sie die Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft. Seit 1988 veranstaltet die Burschenschaft Thuringia Braunschweig das “Deutschlandseminar”. Hierbei handelt es sich um ein Vernetzungtreffen der extremen Rechten.
Damit nicht genug referierte Anfang 2017 Klaus Grotjahn auf dem Haus der Thuringia, seine Autobiografie “Von der 8,8 cm-Flak zur SS-Division Nordland. Im Endkampf um Berlin”. Diesen Vortrag hielt dieser auch schon beim “Dritten Weg” und der Partei “Die Rechte”. Aktivisten der “Identitären Bewegung”, “Junge Nationaldemokraten”, AfD-ler und Mitglieder der Jungen Alternative sind immer wieder Gäste auf dem Haus der Thuringia.
Dieses Semester ist Tobias Heuwinkel nun auch ganz bei den Rheinfranken angekommen. Er lud für den Vortrag von Gerd Schultze-Rhonhoff am 24.11.2017 auf das Rheinfrankenhaus ein.

 

Die Marburger Burschenschaft Rheinfranken ist ein Sammelbecken für Neonazis sowohl aus dem Marburger Umland als auch aus dem restlichen Bundesgebiet. Der sogenannte Rheinfranken-Leak, der aktuell leider nicht mehr im Internet zu finden ist, legte unteranderem den antisemitischen Grundkonsens der Rheinfranken offen. Die Fuxenkladde der Rheinfranken ist jedoch online noch zu finden. Im Internet existieret zurzeit kein vernünftiger Artikel zu dem gesamten Leak. In der Ausgabe 65 des Lotta-Magazins kann jedoch mehr darüber gelesen werden (Lotta#65, 34f.). Ihre Mitglieder waren in den letzten Jahren an mehreren Angriffen auf politische Gegner_innen, wie am 29.4.2017 oder auch an Angriffen auf das Havanna Acht beteiligt.

Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg (Barfüßerstraße 14)

Mindestens seit Ende des Sommersemesters 2016 und dem Anfang des darauf folgenden Wintersemesters begannen die Burschenschaften Germania Marburg und Rheinfranken Marburg (beide Deutsche Burschenschaft) mit der Rettung der dritten noch in Marburg bestehenden DB Verbindung die Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg. Nach dem Kristopher Müller (ehmaliger Sprecher der Normannia Leipzig) sein Studium beendet hatte und dem Aktivendasein bei der Normannia Leipzig zu Marburg den Rücken kehrte, stand diese wohl wegen mangelnden Nachwuchs vor dem aus.

 

 

Luis Wehweck war bis Mitte des Jahres 2016 bei der Marburger Burschenschaft Germania zuhause. Doch trat er der Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg bei, als diese wegen Personalmangel vor dem Aus stand. Luis Wehweck tat sich am Rande des Landeskongres der Jungen Alternative Hessen ende April 2017 auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania durch seine Beteiligung an mindestens zwei Übergriffen auf Fotograf_innen hervor, wobei er mit einem Teleskopschlagstock bewaffnet Jagd auf diese machte. Luis Wehweck ist auch Teil der Ortsgruppe der Identitären Bewegung. Am 13. Oktober traf sich die IB-Ortsgruppe Marburg auf dem Germanenhaus. An diesem Abend war Luis Wehweck ebenfalls auf dem Haus zu Besuch. Seine Facebooklikes (Facebookname: Arthur Weber) zeigen außerdem die Sympathien Wehwecks gegenüber der Identitären Bewegung. Seine Likes reichen von “Reconquista Germanica” und dem IB-Rapper “Komplott”(Patrick Bass, Germania Marburg, Bundesbruder) über “Kontrakultur Halle” und “Generation Identitaire”.

 

 

Spätestens im Herbst 2016 zog auch der Rheinfranke Adrien Volkmann zur Burschenschaft Normannia Leipzig. Wie sich Adrien politisch verortet, wird an einem Sticker auf seinem Auto offensichtlich. Auf diesem prangte längere Zeit ein Aufkleber mit dem Logo der “Artgemeinschaft- Germanische Glaubensgemeinschaft”.

 

Logo der Artgemeinschaft: Adler erlegt Fisch

Dies ist eine germanisch-heidnische Sekte, welche völkische Ideologie, rechtsextreme Politik und heidnischen Glauben vereint um gegen die moderne Welt vorzugehen. Axel Schunk war bis 2015 Leiter des Vereins und unteranderem bei der heute verbotenen Wiking Jugend aktiv. Aktueller Leiter der Artgemeinschaft ist Jens Bauer aus Elsteraue/Bornitz.

André Eminger, einer der Angeklagten im Verfahren gegen den NSU-Komplex hat an Treffen teilgenommen und auch aus der verbotenen Struktur “Blood&Honor” sind regelmäßig Personen anwesend. Es handelt sich bei der “Artgemeinschaft-Germanische Glaubensgemeinschaft” um einen Verein, welcher eng mit rechtsterroristischen Strukturen Deutschlands verwoben ist.
Es ist festzustellen, dass Adrien Volkmann nicht der einzige in seiner Familie ist, welcher von extrem rechter Ideologie Überzeugt ist. Wie bei Maximilian Kolb und Moritz Nieder ist auch in der Familie Volkmann die Weltanschauung von Adrien nichts besonderes.

Die Mutter von Adrien, Sigrid Volkmann wohnhaft in 72660 Beuren im Zeilackerweg 49, ist AfD-Sympathisantin und von der IB begeistert. Außerdem scheint ihr der IB-Rapper Chris Ares zu gefallen, der mit Lines wie “mein opa er lehrte mich ehre und stolz, ich kämpf bis zum tod mit nem herzen aus gold” oder “wir gehen schon viel zu lange gebückt (…) wir machen uns gerade für das Land unserer Ahnen, ja wir kämpfen für die Ahnen hier im Land” auffällt.

Sigrid Volkmann hat außerdem ein Foto von der ehemaligen NPD-Funktionärin Sigrid Schüßler geliked, welche 2016 wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Auf dem Foto ist auch Björn Clemens zu sehen. Dieser ist Alter Herr der Rheinfranken, verdient als Neonazianwalt sein Geld und fungiert als Rechtsbeistand mancher Aktivitas.

1.vli. Björn Clemens, 2.v.li Sigrid Schüßler

Auch der Vater, Jürgen Volkmann, ist AfD-Sympathisant.

Adrien Volkmann ist also noch ein Marburger DB!Bursche, dessen extrem rechtes Gedankengut wohl schon im Kinder- oder Jugendalter ausgebildet wurde.
Adrien Volkmann war am 13.Oktober, wie Luis Wehweck, ebenfalls auf dem Germanenhaus.
Auf Facebook zeigt er außerdem Interesse an einem “Kriegsverdienstkreuz” mit eingelassenem Hakenkreuz

und mit etwas Glück kann man ihn in der Barfüßerstraße 14 auch ab und an mit einem Nazishirt, (zum Beispiel von FSN TV) am Fenster sehen.

 

 

Spätestens im Frühjahr 2017 folgte der Rheinfranke Benjamin Haasis seinem Freund Adrien Volkmann zur Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg. Benjamin ist seit seiner Jugend in der Neonaziszene verankert, was bereits im Rheinfranken Leak (der zur Zeit nicht im Internet zu finden ist: mehr dazu in der Lotta Ausgabe 65) ausführlich durchleuchtet wurde. Er pflegt eine sehr ausgeprägte Begeisterung für das Kaiserreich und die NS-Zeit. Schon auf Klassenfahrten war er in Rechtsrock-shirts unterwegs.

Benjamin Haasis auf Klassenfahrt

 

 

Die Marburger Burschenschaften Germania und Rheinfranken sind ihren Bundesbrüdern der Normannia Leipzig zu Marburg helfend zurseite getreten um deren Nachwuchsproblem aufzufangen und eine warscheinliche Auflösung der Burschenschaft Normannia Leizig zu Marburg vorerst zu verhindern. Ob Adrien Volkmann, Benjamin Haasis und Luis Wehweck nun Teil der Aktivitas der Normannia Leipzig zu Marburg sind ist bis dato unklar, eventuell handelt es sich bei ihnen auch um Stützburschen(1). Es ist offensichtlich, dass die drei Verbindungen der Deutschen Burschenschaft in Marburg sowohl im Kampf um die Straße in einer Reihe stehen, als sich auch in dem Erhalt und Ausbau ihrer Strukturen tatkräftig unterstützen.

Wechsel in den Marburger DB!Burschenschaften

Alles Nazis und Söhne von Nazis…

Die Geschehnisse in diesem und in den letzten Jahren zeigen, bei allen drei DB! Verbindungen gibt es kein Naziproblem sondern sie sind das Naziproblem. Die Tatsache, dass ein Landeskongress der Jungen Alternative auf dem Haus einer solchen Burschenschaft stattfinden und Mitglieder der JA und Germania Marburg am Tag des Landeskongresses gemeinsam mit Personen der Rheinfranken Marburg und der Normannia-Leipzig zu Marburg auf Fotograf*innen losgehen, zeigt die Verwobenheit der Jungen Alternative mit extrem rechten Burschenschaftern. Bei fast allen Mitgliedern der drei Marburger DB! Burschenschaften können extrem rechte Umtriebe und die dazugehörige Ideologie festgestellt und belegt werden. Die Junge Alternative ist also mit Burschenschaftern vernetzt, welche Teil von verfassungsfeindlichen Organisationen (wie unter anderem die SPD das nennen würde) wie der Identitären Bewegung sind. Diese Verpflechtungen wurden im Laufe der Kampagne Stadt.Land.Volk immer wieder thematisert. Spätestens nach dem JA-Landeskongress am 29.04. sollte dies endgültig offensichtlich geworden sein. Statt dem Netzwerk (neu-)rechter Aktuer_innen jedoch ernsthaft auf den Grund zu gehen ließ sich die SPD mit einer dürftigen Antwort seitens der Landesregierung abspeisen.
Die AfD noch immer nicht als Teil der extremen Rechten zu erkennen und stattdessen als legitimen Teil einer parlamentarischen Demokratie anzuerkennen, halten wir für fatal.

Wir fordern deshalb die AfD und die JA endlich als das zu benennen, was sie ist: eine völkisch, rassistische Kraft die den parlamentarischen Arm eines extrem rechten Projekts darstellt.

Radical Esthétique und Franz Reißner – Faschistische Mode aus Zwickau/Halle – 1 weiterer identitärer Kader

Mit Radical Esthetique gibt es seit kurzem eine neue Bekleidungsmarke aus den Reihen der “Identitären” Jungfaschisten. Der Künstler hinter der Marke, Franz Reißner, ist Kraft seiner Zeichenfähigkeiten zudem auf verschiedene Weise in mehrere andere Projekte des völkischen Klüngels um die “Identitären”,”Einprozent”, Burschenschaften und Co. eingebunden und taucht in den letzten Monaten vermehrt an der Seite von Führungskadern der deutsch-faschistischen Bewegung auf. Darum im Folgenden ein erster Überblick zu seinem bisherigen politischen Aktivismus, der sich längst nicht nur auf das Designen von extrem rechter Mode beschränkt.

Radical Esthetique ist nicht die erste Marke, welche um die “Identitäre – selbsterklärte – Bewegung” (IB) entstand. Mit “Phalanx Europa” hatte die IB sich schon 2015 eine Hausmarke geschaffen, die jedoch vor allem der Verbreitung ihrer Corporate Identity zu dienen scheint, sowie einigen ausgewählten Kadern ein nicht unerhebliches Einkommen sichern dürfte. Die Designs sind jedoch meist nicht komplexer als ein simples Stickermotiv und strotzen vor popkulturellen Bezügen.

Jene denen “Phalanx Europa” damit zu viele Anleihen beim verhassten westlichen Liberalismus nahm, finden im Phalanx-Shop seit kurzem auch die ersten Produkte des Newcomers “Radical Esthetique”.

Über die Bedeutung der Eisenfaust haben wir schon an anderer Stelle geschrieben, daher widmen wir uns an dieser Stelle lieber dem Mann dahinter – Frank Reißner. Franz begann seine politische Karriere bei der IB-Zwickau um den Neonazi Tony Gerber. Folgende Fotos zeigen ihn bspw. Bei der Vorbereitung, sowie Durchführung einer Störaktion in Zwickau, anlässlich des Tags der Demokratie 2015. Gut erkennbar sind seine auffälligen Beintatoos, anhand derer er leicht zu identifizieren ist.

(unteres Bild links, rechts Tony Gerber)

(links am Transpi Franz Reißner)

(Reißners Beintattoos)

Die IB-Zwickau, sowie ihre zentrale Führungsfigur gerieten schon mehrfach in die Schlagzeilen. Sie gilt als eine der deutschen IB-Gruppen mit den unverholensten NS-Bezügen. Besonders ihre zentrale Führungsperson brachte immer wieder unerwünschte Aufmerksamkeit, besonders aber eine von Tony Gerber verfasste krass antisemitische Rede – gefunden im Rahmen der NSU-Ermittlungen gegen Andre Emminger.

Seine Autorenschaft räumt Gerber in Vernehmungen gegenüber der Polizei selbst ein.

Vom Insta-Fascho zum (halbwegs) professionellen Designer

Wenige Monate später startet Reißner dann sein eigenes Projekt. Als erstes folgen auf diversen Social-Media Kanälen, besonders Instagram, düster melancholische Heimatbilder, sowie die Inszenierung seiner Person als stilvoller Vintage-Badboy mit ganz viel deutschem Wald. Mag seine völkisch-faschistische Weltanschaung hier auch schon implizit im mysthifizierten Heimatbild mitschwingen, wird sie doch erst in seinen ersten Zeichnungen manifest, dafür jedoch in dankenswerter Klarheit. So etwa in den Folgenden: Ersteres beantwortet die Militanzfrage ganz eindeutig: “Kill your Enemy”; das zweite zeigt ein Liktorenbündel, Fascis genannt, Symbol und etymologische Herleitung des ursprünglichen (italienischen) Faschismus.

Dass Faschismus für ihn ein positiver Bezugspunkt ist zeigen dann auch seine Hashtags. Dort verknüpft er Faschismus mit “Kraft”, “Einheit” und “Gerechtigkeit”. Mit seinen den Faschismus verherrlichenden Zeichnungen erregte er rasch das Interesse diverser “Identitärer” Führungskader, was sich in diversen likes und Kommentaren auf seinen Social-Media Kanälen niederschlug.

Fruchtbar wurde diese Zusammenarbeit aber erst durch eine Kooperation mit dem Marburger Germanen und Jungverleger Philip Stein. Statt sein Studium abzuschließen betätigt sich dieser seit geraumer Zeit als Verleger faschistischer Klassiker – Franz Reißner passte in diesem Kontext wohl perfekt als Illustrator zukünftiger Buch-Cover, wie das folgende Portrait Jose Moscardos.

Dieser war ein faschistischer General im spanischen Bürgerkrieg, verantwortlich und gefeiert für die Verteidigung Toledos, wo er hunderte Republikanische Milizionäre nach der finalen Schlacht ermorden ließ. Seit 1955 bis heute ist er zudem Träger des Großkreuz des Verdienstordens der BRD.

Entworfen wurde das Portrait für die von Jungeuropa herausgegebene deutsche Neuauflage der “Kadetten des Alcazar”, einer Novelle des französischen Faschisten und Nazi-Kolloborateurs Robert Brasillach, welcher sich als Chefredakteur von “Je suis partout” für antisemitische Hetzschriften ala “Wir müssen uns die Juden ein für allemal vom Hals schaffen und dürfen auch keine Kinder behalten ” verantwortlich zeichnete.

Reißner und Stein sehen sich als zentrale Akteure einer “Kulturrevolution von Rechts”, für welche sie auch explizit, so zB. In Form eines “Promo-Graffiti Videos” werben. Zum Abschluss werden die Logos von Radical Esthetique und Jungeuropa nebeinander eingeblendet.

Es findet offensichtlich eine enge Kooperation statt. Die tiefgreifende Kenntnis und Identifizierung mit dem europäischen Faschismus, die aus Reißners Kunst wie aus Steins Literatur sprechen, scheint zu verbinden.

 

Ob über den Burschenschafter Stein, der auch immer wieder als Sprecher der Deutschen Burschenschaft auftritt, auch seine Anwesenheit beim Wartburgfest 2017 zu erklären ist, oder Reißner selbst einer Verbindung angehört kann momentan nur gemutmaßt werden. In jedem Falle waren der faschistische Künstler und seine Kamera auf der sonst so abgeschotteten Versammlung zugegen.

Ansonsten scheint er sich vermehrt in Halle und Leipzig aufzuhalten, bspw. Im Identitären Hausprojekt um die Kontrakultur, wie diverse Fotos belegen.

(links Franz Reißner, rechts Mario Müller Kontrakultur Halle, vor dem “Identiären Zentrum” in Halle)

Zu seinen weiteren Tätigkeiten scheint in diesem Kontext auch Tattookunst zu zählen wie folgendes Bild mit den Hastags “tattoo” und “job” nahelegt.

Zudem ist er auf der IB-Demo in Berlin dieses Jahr als Fotograf aufgetreten, eventuell auch in Anti-Antifakontexten.

Es bleibt abzuwarten wie gut sich die Marke etablieren kann, auch angesichts von Preisen wie 37,50€ pro T-Shirt (was mit der Herstellung in Europa gerechtfertigt wird). Er verkehrt jedoch schon jetzt in den höchsten Kreisen der “Identitären” und ist über seine enge Zusammenarbeit mit Philip Stein auch in anderweitig ins völkisch-faschistische Netzwerk der “neuen” Rechten eingebunden. Zumindest diese scheinen sich von ihm viel zu versprechen, wie nicht nur die große Aufmerksamkeit von IB-Kadern, sondern auch ein mehrseitiges Künsterportrait in der ersten Printausgabe des Arcadi-Magazins (gefördert durch “Ein Prozent”) zeigen.

In jedem Falle lassen sich an Franz Reißner und “Radical Esthetique”, wesentliche Merkmale des “neurechten” Theaters ablesen, die nicht oft genug betont werden können: Ein faschistischer Charakter, Vernichtungsfantasien und ein ausgeprägter Hang zu weitläufigen Netzwerken.

Es bleibt spannend und wir wachsam!


Edit: In einer früheren Version des Textes hieß es “Frank” statt Franz Reißner. Dies haben wir nun korrigiert. Desweiteren sei auf recherchegraz verwiesen, die die Genannten im Rahmen eines “gerafften Einblick in die personelle sowie strukturelle Entwicklung des Wirtschafts- und Propagandaapparats der IB [Österreich]” bereits im August kurz beleuchteten.