Pressemitteilung: „Die Burschenschaft Germania Marburg und ihr extrem Rechtes Netzwerk“

Marburg, 24.04.2017, (https://stadtlandvolk.noblogs.org)

Die hessische antifaschistische Kampagne “Stadt, Land, Volk” veröffentlichte am 19.4.2017 eine aktuelle Analyse der momentanen Aktivitäten der “Marburger Burschenschaft Germania”. Dabei findet vor allem ihre bundesweite Netzwerkarbeit Beachtung, sowie die vielfältige Beteiligung ihrer aktiven, wie inaktiven Mitglieder in verschiedenen Positionen und Strömungen völkischer und faschistischer Bewegungen.
In diesem Rahmen wird auch die Zusammenarbeit von Junger Alternative (JA), AfD, Identitärer Bewegung (IB) und Deutscher Burschenschaft (DB) einer genaueren Betrachtung unterzogen.

Egal ob auf Bundesebene, oder in der hessischen Kommunalpolitik – immer wieder stößt man auf Burschen der “Marburger Germania”, wenn die AfD oder ihre Jugendorganisation (JA) betrachten wird. Am bekanntesten ist seit ihrem gemeinsamen Auftritt im KZ-Buchenwald wohl der “Germane” und Höcke-Pressesprecher Torben Braga, der gewissermaßen als eine Art “Adjutant” für diesen fungiert. Aber auch auch im hessischen Landesvorstand, sowie im Marburger Ortsvorstand der “Jungen Alternative” sind Burschenschafter der “Marburger Germania” aktiv.
Dies wird von den Autor*innen aber nicht nur dahingehen analysiert, dass erhebliche Schnittmengen zwischen dem extrem rechten “Höcke-Flügel” der AfD und DB-Burschenschaften wie der “Germania” bestehen. Besonderes Augenmerk findet auch ihre Strategie und wie sie dieser in den letzten Jahren immer mehr entsprachen.

Wilma Streit, Pressesprecherin der Kampange “Stadt, Land, Volk!” dazu:
“Dass die “Marburger Burschenschaft Germania” seit Jahren diversen Neonazis eine Heimstätte bietet und Betätigung in diesem Sinne sogar forciert, dürfte nichts neues mehr sein. Neu ist die Hinwendung zur Parteipolitik, in der sie mit der AfD und JA endlich ein Vehikel gefunden haben um in ihrem Sinne in die Gesellschaft hineinzuwirken. Mit seiner Rede auf dem Burschentag in Eisenach 2015 hat Götz Kubitschek der Deutschen Burschenschaft einen Plan gereicht, dem die “Marburger Germanen” offensichtlich Folge leisten. Ein jeder nimmt seine Position in “der Bewegung” ein, als Politiker, Verleger oder gar Rapper um fortan als “Speerspitze” einer “nationalen Revolution” zu dienen! Widerstand dagegen muss dem entsprechen, ob auf der Straße, in den Parlamenten oder im Rahmen investigativer Recherche – dem muss Einhalb geboten werden!”

Die Burschenschaft Germania Marburg und ihr extrem Rechtes Netzwerk

Björn Höcke ist seit geraumer Zeit die Gallionsfigur des extrem rechten Flügels der Alternative für Deutschland (AfD). Für ihn ist die Rolle der AfD die einer völkischen Bewegungspartei, weshalb er die Vernetzung mit Neonazis aktiv vorantreibt. Hierbei fallen immer wieder die Verbindungen zur Deutschen Burschenschaft (DB) ins Auge. In verschiedenen Städten kommt es zu einer Zusammenarbeit von Junger Alternative (JA), AfD, Identitärer Bewegung (IB) und DB.

Diese Praxis zeigt sich beispielsweise in Hamburg, wo eine DB-Verbindung ihre Räume der lokalen Gruppe der IB zur Verfügung stellt, wobei mit dieser ebenso viele Doppelmitgliedschaften bestehen, wie mit der JA. Oder der Fall der Burschenschaft Danubia München, welche sogar für den Verfassungsschutz als rechtsextrem gilt, während ihre Mitglieder immer wieder Rollen in JA und AfD einnehmen. So auch Benjamin Nolte, der aufgrund seiner öffentlichen rassistischen Äußerungen seinen Posten im Bundesvorstand der JA 2014 räumte.

Die Verbindungen der AfD und JA zu Naziburschenschaften sind auch in Hessen keine Einzelfälle. Im Folgenden wollen wir dies am Beispiel der Marburger Burschenschaft Germania aufzeigen.

Auf dem Burschentag in Eisenach 2015 sprach der langjährige Gefährte von Björn Höcke, Götz Kubitschek, extrem rechter Publizist und Vordenker einer angeblichen “Neuen” Rechten, über den “großen Austausch der Deutschen” und die Aushöhlung “deutscher Werte”. Er ist der Auffassung, dass dem deutschen Volk eine Rechtsordnung aufgezwungen wird, welche nicht die seine ist. Die existentielle Bedrohung des deutschen Volkes soll “grundiert aus einer weltanschaulich gefestigen Bastion heraus”, also aus der DB, abgewehrt werden. “An diesem Punkt muss die DB ihre historische Aufgabe begreifen und fortsetzen.” Genau diese Rolle nehmen inzwischen viele Burschen ein.

Im Jahr 2015 hatte die Marburger Germania den Vorsitz der DB inne. Sprecher für die DB war der Germane Torben Braga, der jetzt Beisitzer im Landesvorstand der AfD Thüringen ist und als Berater und Presseprecher von Björn Höcke fungiert und bei öffentlichen Auftritten wie zB. im KZ-Buchenwald als eine Art Leibwächter auftritt.
Die von Nazis durchsetzte Marburger Burschenschaft Germania wurde bereits im April 2014 (https://wwnn.noblogs.org/nazitreff-in-der-lutherstrase/) und Dezember 2014 (https://naziwatchmarburg.noblogs.org/warum-die-burschenschaft-germania-kein-naziproblem-hat-sondern-eines-ist/) thematisiert. Wenig verwunderlich also, das die AfD-Fraktion aus Thüringen neben Ann-Katrin Magnitz, stellvertretende Sprecherin der AfD Hochschulgruppe in Kassel, Torben Braga schickte, um eine Zusammenarbeit mit der Neonazi-Initiative “Wir lieben Meiningen” auszuloten.

Auf dem Germanenhaus war Braga zu jener Zeit die Nummer 2 hinter ihrem (damaligen) Sprecher Philipp Stein. Dieser nimmt ebenfalls eine wichtige Position im extrem rechten Netwerk ein. Stein hat zusammen mit Götz Kubitschek die “EinProzent”-Bewegung ins Leben gerufen. Diese “NGO für Deutsche” soll rechtsradikale Strukturen im Aufbau unterstützen und vernetzen. Hierbei beteiligen sich laut eigenen Angaben Ortsgruppen der IB, die Nazis vom “Freundeskreis Niedersachsen/Thüringen” und andere völkische Zusammenhänge. Philipp Stein ist zudem inzwischen Verleger geworden. Sein “Jung Europa Verlag”, mit Sitz in Dresden (zwischenzeitlich auf dem Haus der Burschenschaft Germania in Marburg), veröffentlichte als erstes ein Werk des französichischen Faschisten, Antisemiten und Unterstützer des Vichy-Regime Pierre Drieu la Rochelle. Dies brachte Philipp Stein und seinem Jung Europa Verlag begeisterten Zuspruch ein, unter anderem von der neonazistischen Kleinstpartei “Der Dritte Weg“, mit der er über Bundesbrüder wie dem Germanen Tobias Sauer vernetzt ist.
Götz Kubischek und Philipp Stein treiben die Organisierung der Identitären Bewegung in Deutschland voran, aĺs außerparlamentarischen Arm einer völkischen Bewegung, während die AfD die Partei der völkischen Bewegung geworden ist. Andere Marburger Burschen der Germania haben sich wie Torben Braga oder Maximilian Kolb, Beisitzer im Vorstand der JA Hessen, für die parlamentarische Arbeit in der AfD entschieden. Oder vereinen dies, wie Nils Grunemann aus Berlin, der schon seit Jahren Kader der Identitären Bewegung in Deutschland und inzwischen bei der Marburger Naziburschenschaft Germania untergekommen ist. Anfang des Jahres 2017 gründete er als stellvertretender Sprecher die Junge Alternative Marburg-Biedenkopf, gemeinsam mit Simon Büssing (Sprecher), der Mitglied der Marburger Burschenschaft Arminia ist und dem Bundestagskandidaten der AfD Marburg-Biedenkopf für die Wahl 2017, Julian Schmidt (Schatzmeister).

Genau ein solches Wirken hat Götz Kubischek in seiner Reden auf dem Burschentag 2015 in Eisenach gefordert. Die akademischen Nazis der DB haben sich an ihre angebliche historische Aufgabe gemacht.
Dass Mitte Februar 2017 dann Fotos auftauchen, die Björn Höcke im Februar 2010 auf einem jährlichen Naziaufmarsch in Dresden zeigen, für den auch Burschen der Germania Marburg, unter anderem Philipp Stein, einige Jahre später mit Hilfe von Flyern in der Mensa warben, passt nur allzu gut ins Bild.

Auch bei dem Identitären-Rapper Komplott handelt es sich um einen ehemaligen Marburger Studenten und Germania-Burschen, Patrick Bass (hierzu: https://linksunten.indymedia.org/en/node/205381). Bevor er nach Marburg kam war er in der Nazikameradschaft AG Schwaben aktiv (hierzu:
https://naziwatchmarburg.noblogs.org/warum-die-burschenschaft-germania-kein-naziproblem-hat-sondern-eines-ist/). Maßgeblich untersützt wird Patrick Bass bei seinem Rap-Projekt von der EinProzent-Bewegung um Philipp Stein und Götz Kubischek. Im Interview mit der Internetseite Identitäre Generation äußert sich Patrick Bass wie folgt: “Ich wünsche euch allen, die ihr – jeder auf seinem Posten, jeder auf seine Weise – in der Freiheitsbewegung wirkt, viel Kraft für die kommende Zeit”.

An dieser Aussage verdeutlicht sich – ob bewusst oder unbewusst – die Strategie vieler DB-Verbindungen, wie der Marburger Burschenschaft Germania. Sie haben in der völkischen und faschistischen Bewegung in Deutschland ihre Posten eingenommen und bauen diese Postition fortwährend aus.

Nazis und andere Faschist_innen werden also in der AfD und JA und in den ihnen zuarbeitenden außerparlamentarischen Zirkeln nicht nur geduldet, sondern mit offenen Armen empfangen!

(Torben Braga und Björn Höcke nachdem dieser Ende Januar Hausverbot in Buchenwald erteilt bekam)

(damaliger DB-Sprecher Braga und sein Stellvertreter Philip Stein  2015 in Eisenach)

(hinter dem Identitären-Rapper Komplott…

…steckt der Marburger Germane Patrick Bass  (hier im Hintergrund))