Burschen-Aktuell

Liebe Landesregierung,

im Nachgang zu den Übergriffen auf Fotograf*innen rund um den Landeskongress im vergangenen April, wurde im August 2017 von der hessischen SPD-Landtagsfraktion eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, welche Aufklärung über die Verstrickung der Jungen Alternative mit verfassungsfeindlichen Gruppierungen, wie der Identitären Bewegung und Ein-Prozent, bringen sollte. Von der Landesregierung wurden daraufhin „vereinzelt Verbindungen in Form von Personenüberschneidungen zwischen rechtsextremistischen Gruppierungen und der, “Jungen Alternative” festgestellt”. Es kann jedoch bei einem Großteil der Angreifer, welche bei dem Angriff am hessischen JA-Landeskongress beteiligt waren, belegt werden, dass diese Teil der Identitären Bewegung sind oder eng mit dieser zusammenarbeiten.
Im Falle Philip Steins wurde von der Landesregierung von einem “ehemalige(n) Verbindungsstudent” gesprochen. Hier wurde ignoriert, dass es sich bei Burschenschaften um ein Lebensbundprinzip handelt. Das heißt, dass selbst Alte Herren sind noch Teil der jeweiligen Burschenschaft sind. Das Lebensbundprinzip ist eins der zentralen Prinzipien von Burschenschaften.
Philip Stein ist jedoch nicht einmal Alter Herr, sondern wird als Inaktiver geführt. Inaktive sind Teil der Aktivitas, welche temporär von ihrer universitären Pflicht freigestellt werden. In Entscheidungen sind diese weiterhin involviert, sie haben zu diesem Zeitpunkt den Hauptteil der burschenschaftlichen Pflichten weiterhin zu tragen.

Die Landesregierung glänzte bei ihrer Antwort auf die Anfrage nicht gerade durch Kompetenz und auch von der SPD wäre zu erwarten gewesen, diese stümperhafte Antwort nicht unwidersprochen hinzunehmen. Mag das Handeln der Landesregierung schon irgendwo zwischen Ignoranz und Vertuschung einzuordnen sein, lässt die Nachlässigkeit der SPD einen nachdrücklichen Willen zur Aufklärung vermissen.
Dass staatliche Behörden rechte Aktuer_innen völlig falsch einschätzen, ist mittlerweile ein alter Hut. In dem Fall, bei dieser Faktenlage, jedoch nocheinmal besonders herauszustellen.

Es folgen nun Rechercheergebnisse zu Pesonen, welche bei dem Übergriff am Tag des JA-Landeskongresses beteiligt waren, als auch zu Personen, die daran zwar nicht beteiligt waren, jedoch zu den drei Marburger DB!Burschenschaften gehören aus welchen sich Kader der Identitären Bewegung, der Jungen Alternative sowie anderer extrem rechter Vereinigungen entwickeln. Die folgenden Personen sollte man in Marburg und auch überregional kennen und im Auge behalten sollte.

Burschenschaft Germania Marburg (Lutherstraße 3)

Dass die Burschenschaft Germania Marburg kein Naziproblem hat sondern eines Naziproblem ist, wurde in den letzten Jahren schon an verschiedenen Stellen offengelegt. Die alten und die neuen Mitglieder bestätigen dies immer wieder. So auch in diesem Semester (weiterführende Links: 1 und 2).

 

Nils Grunemann tauchte bereits 2013 in den Führungskreisen der Identitären Bewegung Deutschland auf. Mindestens seit 2015 ist er bei der Marburger Burschenschaft Germania untergekommen. Anfang des Jahres gründete er gemeinsam mit Simon Büssing und dem Marburger Bundestagskandidaten der AfD, Julian Schmidt ( weiterführende Links: 1 und 2), die Junge Alternative Marburg-Biedenkopf.

 

 

Maximilian Kolb  ist in der AfD und in der Jungen Alternative (JA) aktiv. Für die JA saß er, bis zum Landeskongress am 28.10.2017, im Landesvorstand Hessen als Beisitzer. Für die Burschenschaft Germania Marburg trat er schon als Sprecher auf. Am 29.4.2017 war er bei dem bewaffneten Angriff auf Fotograf_innen in der Lutherstraße, die den Landeskongress der JA Hessen dokumentierten, federführend. Maximilian Kolbs Vater, Werner Kolb, ist politisch ebenfalls rechts zu verorten. Er sitzt für die AfD als Abgeordneter im Kreistag Schwalm-Eder und auch der Bruder von Maximilian, Alexander Kolb, fällt auf Facebook unteranderem durch IB-Likes auf. Hier liegt die Überzeugung für rechte Ideologie wohl in der Familie.

 

 

 

 

Moritz Hermann Otto Georg Nieder war zuletzt Aktivensprecher der Burschenschaft Germania Marburg. Auf seinen Wegen durch die Stadt verklebt er gerne Aufkleber der Identitären Bewegung. Wie bei Maximilian Kolb ist auch der Vater von Moritz, Achim Nieder (Oststraße 5, 38272 Burgdorf), in der AfD. Er ist auf der Niedersächsischen Landesliste der AfD für die Bundestagswahl auf Listenplatz 16 zu finden.
Achim Nieder ist Alter Herr der Frankonia Erlangen. Die Frankonia Erlangen hat, wie die Germania Marburg, die DB! als Dachverband. Im Jahr 2015 hat sie den “Zwischentag”, eine Messe extrem rechter Verlage und Organisationen, ausgerichtet. Gäste in diesem Jahr waren zum Beispiel der wegen Hetze zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilte Michael Stürzenberger, Esther Seitz vom Widerstand West-Ost und Karl-Heinz Hoffmann, welcher die Wehrsportgruppe Hoffmann gründete und führte. Philip Stein war in diesem Jahr ebenfalls bei der Messe und auch die Jahre zuvor waren Mitglieder der Marburger Burschenschaft Germania dort vertreten.
Frank Miksch, ebenfalls bei der Frankonia Erlangen, ist NPD-Aktivist und arbeitete mit dem Freien Netz Süd zusammen. Er übernahm am 18.Februar 2012 mit Matthias Fischer die Demonstrationsleitung bei einer “Eilversammlung” mit dem Thema “gegen linke Gewalt”. Matthias Fischer war Teil der 2014 verbotenen Vereinigung “Freies Netz Süd”, nach dem Verbot ging das FNS in der Nachfolgeorganisation “Partei III.Weg” auf. Außerdem wurde er auf einer Kontaktliste von Uwe Mundlos als Nürnberger Kontakt geführt.
Die Germania Marburg und Frankonia Erlangen sind beide ganz eindeutig Naziburschenschaften. Es ist also kein Zufall, dass Moritz Nieder bei der Germania Marburg gelandet ist. Moritz und sein Vater sind beides Naziburschenschafter und rechtspolitisch aktiv.

Der Vater sitzt, wie bei Maximilian Kolb, für die AfD im Kreistag, der Sohn ist Teil der Identitären Bewegung und geht mit seinen Bundesbrüdern, unteranderem mit Maximilian Kolb, auf Fotograf_innen los. Stark rechtes Gedankengut scheint auch bei der Familie Nieder Tradition zu haben.

 

 

 

 

Heinrich Mahling war bis Spätsommer 2017 Mitglied der Hasso Borussia (Friedrich-Siebert-Weg 1). Mitte Oktober wurde er in der Marburger Innenstadt als IB-ler geoutet. Im Outing noch als Mitglied der Hasso Borussia benannt, ist dieser nun zu der Burschenschaft Germania Marburg gewechselt.

Mit Heinrich Mahling hat die Burschenschaft Germania nun den ersten öffentlich auftretenden “Identitären” in ihren Reihen. Seit Heinrich Mahling in Marburg lebt, hat dieser Kontakt zu Mitgliedern der Germanen. Da kommt ein Wechsel zur Germania Marburg nur wenig überraschend.

 

 

 

 

Till Weckmüller ist im Laufe des letzen Jahres von der Marburger Burschenschaft Rheinfranken zur Burschenschaft Germania Marburg gewechselt.
Geboren ist er am 19.12.1995. Seine Neonazikarriere begann er schon in Rheinhessen. Dort war er bei der Nazipartei Der Dritte Weg aktiv, hatte aber auch Kontakte zum Hooligan-Spektrum von Waldhof Mannheim und zu LuNaRa (Ludwigsburger Nazis und Rassisten). Till Weckmüller war maßgeblich an einem Anschlag auf den Verein Arab Nil-Rhein in Mainz beteiligt. In Marburg begann er ein Jurastudium und wurde Burschenschafter.
Jedes Jahr am 11. Februar findet in Budapest der sogenannte “Tag der Ehre” statt. Der Anlass dieser Veranstaltung ist der am 11. Februar 1945 erfolgte Versuch deutscher und ungarischer Faschisten sich aus einem Kessel der Roten Armee zu befreien. Auch wenn nur wenige dies überlebten, wird dieser als tapfer verklärte Befreiungsversuch von Neonazis gefeiert. Seit 1997 werden die Gedenkveranstaltungen vom ungarischen Blood&Honor-Ableger veranstaltet. Es handelt sich hierbei um einen jährlich stattfindenden Treffpunkt europäischer Neonazis und Blood&Honor Aktivisten.
Till Weckmüller nahm im Jahr 2017 an diesem Treffen teil, was die militante Ausprägung seiner Ideologie veranschaulicht.
Diese zeigt sich neben dem Anschlag auf einen islamischen Kulturverein und dem Besuch von Blood&Honor-Veranstaltungen, außerdem auch konkret in Marburg.
Auch Till Weckmüller war am 29.4.2017 am Übergriff auf Fotograf_innen am Rande des Landeskongress der Jungen Alternative Hessen in der Lutherstraße beteiligt. Mit einem Ninjapulli vermummt, griff er diese mehrfach mit Tritten und Schlägen an. Dass die Fotograf_innen hiervon nicht ernsthaft verletzt wurden, war ihr Glück. Till Weckmüller scheint nicht ungeübt im Kampfsport zu sein. Er wurde mehrfach in einem Kampfsportverein in Marburg gesehen.

 

 

 

Die Marburger Burschenschaft Germania ist eine Kaderschmiede der extremen Rechten. Seit einigen Jahren versucht die Germania zunehmend durch eine altbekannte Inszenierung von ihrem Nazi-Image wegzukommen. Dies ist jedoch nicht als inhaltlicher Bruch misszuverstehen. Die Hinwendung zur “Neuen Rechten” hat taktische Gründe. So treiben sie den Ausbau der Identitären Bewegung voran und organisieren nach wie vor einschlägige Vorträge, zuletzt über Ernst Jünger, gehalten von Werner Bräuninger. Der Historiker ist vor allem für seine Bücher und Texte über den historischen Nationalsozialismus in der Kritik, in welchen er über einen nicht-hitleristischen Flügel und Personen wie Stauffenberg den Nationalsozialismus als solchen zu retten versucht. Seit 2014 besucht die Germania jährlich die Casa Pound in Italien. Es handelt sich hier um eine italienische faschistische Organisation, die seit Jahren Menschen, welche nicht in ihr konstruiertes Bild einer italienischen Volksgemeinschaft passen, angreifen und töten. 2015 führte die Germania Marburg, als Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft, mit der Casa Pound ein Interview, in welchem Philip Stein sich höchst bewundernd über diese äußert. Dieses Interview wurde in den Burschenschaftlichen Blättern 1/2015, der Zeitung der DB!, abgedruckt. 2017 sprach Philip Stein über “Das organische Weltbild und die ökologische Revolution” bei einem Autorentreffen der Nazizeitung Umwelt und Aktiv. In diesem Vortrag nennt er die Casa Pound als vorbildliche Bewegung, mit welcher er “in ganz gutem Kontakt” (min.31:39) stehe.

Burschenschaft Rheinfranken Marburg (Lutherstraße 5)

Auch die Marburger Burschenschaft Rheinfranken ist bekannt für ihr Dasein als akademische Nazikameradschaft. Am 24.11.2017 fand auf dem Haus der Rheinfranken ein Vortrag zu angeblich fehlerhafter Geschichtsschreibung, welche für nationaler Selbsverachtung verantwortlich sei, statt. Gehalten wurde dieser von Gerd Schultze-Rhonhof.
Dieser spricht immer wieder vor Vertreter_innen der extremen Rechten, auch im Antaios-Verlag erschien schon eine Veröffentlichung eines Gesprächs mit ihm und Kubitschek.
Er war auch schon mehrfach in Marburg zu Besuch. Zum Beispiel hielt er 1998 bei den Rheinfranken einen Vortrag mit dem Thema “Braucht der Soldat ein Vaterland?”. Am 03.02.2007 war er bei der Burschenschaft Germania und hielt einen Vortrag im Zuge der von den Germanen organisierten Vortragsreihe “Marburger Diskurs”, welche regelmäßig extrem rechten Referenten eine Plattform bot. Am 01.12.2009 referierte er dann zu “Das Tschechisch-Deutsche Drama von 1918 bis 1939”. Gerd Schultze Rhonhoff ist ein geschichtsrevisionistischer Gerneralmajor a.D., welcher das schreiben für sich entdeckt hat. In seinem Buch “Der Krieg, der viele Väter hatte”, behauptet Gerd Schultze Rhonhof “, daß in den Jahren von 1933 bis 1938 557.000 Juden ihr polnisches Heimatland verlassen (mussten) und Zuflucht im benachbarten Deutschland (…)” suchten (Schultze-Rhonhof 2017: 394). Grund hierfür seien antisemitische Progrome in Polen gewesen (vgl.ebd.).
Dieses Beispiel zeigt den Versuch, die Geschichte umzuschreiben und die Schuld des NS-Zeit von den Deutschen zu nehmen. Geschichtsrevisionismus ist zentraler Teil einer extrem rechten Ideologie. Diese wiederholte Einladung von Gerd Schultze-Rhonhof zeigt mal wieder die politischen Gesinnung der Rheinfranken.

 

 

Heinrich Theodor Zerries war schon als er noch in Brauenschweig lebte Mitglied einer Schülerburschenschaft, ebenso wie Jens-Erik Möhle. Beide fanden gemeinsam mit Beginn des Studiums ihren Weg zur Marburger Burschenschaft Rheinfranken. Neben seinem BWL Studium verfolgt Heinrich Theodor Zerries sein Engagement für extrem rechte Positionen auch in Marburg weiter. So ist es kein Wunder, dass er bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken gelandet ist, wo sich Nazis seit eh und je wohlfühlen.
Zerries auf Klassenfahrt in Griechenland

 

 

 

 

Lars Roth ist der Konkneipant der Rheinfranken. Begonnen hat seine Nazikarriere im Umfeld der Berserkern Kirtorf und der Division Mittelhessen. Hessen- und auch deutschlandweit ist Lars Roth mit Neonazis und Faschist_innen jeglicher Coleur, gut vernetzt. Er hat Kontakte zu militanten Neonazigruppierungen wie den Hammerskins und Blood&Honor, besuchte ein von den Hammerskins organisiertes Konzert und trat als Ordner beim Eichsfelder Heimattag 2013 auf, welcher von dem Blood&Honor-Aktivisten Thorsten Heise organisiert wurde.
In den Jahren 2015 und 2016 war er in die Organisation des Rechtsrockfestivals “Rock für Identität” involviert. Auch 2017 war er in Themar bei der Veranstaltung “Rock gegen Überfremdung” anwesend.

Lars Roth in Themar ©Ramaswamy

Lars Roth attackierte gemeinsam mit Luis Wehweck, beide mit Schlägstöcken bewaffnet, Fotograf_innen am Rande des JA Hessen Landeskongesses Ende April 2017 in der Marburger Lutherstraße.

 

 

Titus Vinzenz Teichmann ist wohl seit 2014 bei den Rheinfranken. Er ist der Leibbursche von Lars Roth. Am Anfang einer jeden Burschenschafter-laufbahn wählt der Fux einen der vollberechtigten Mitglieder aus, welcher ihn durch seine Fuxenzeit begleitet und ihm in allen Angelegenheiten zur Seite gestellt ist. In den meisten Fällen haben der Leibbursch und der Leibfux ein sehr inniges Verhältnis zu einander, so auch Titus Teichmann und Lars Roth.

Über rechte Aktivitäten von Titus Teichmann ist bislang nur wenig bekannt, doch seine Mitgliedschaft bei den Rheinfranken und seine enge Freundschaft zu Lars Roth zeigen seine Nähe gegenüber extrem rechten Positionen. Seine Facebook-Likes bestätigen dies nocheinmal. Ihm gefallen zum Beispiel “Phalanx Europa”, “Jugend für das Leben”, “IB Niedersachsen” und “The Conservative Revolution”

 

 

Lukas Reuter fiel schon als Jugendlicher durch die Verbreitung von extrem rechtem Gedankengut auf. Er nahm an mehreren Naziaufmärschen teil z.B. 2013 in Dortmund und Grünberg. 2014 tauchte Lukas Reuter dann bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken auf. Der aus Rauschholzhausen stammende Lukas war am 3.6.2016 an einem Angriff auf die linke Kneipe Havanna Acht in Marburg beteiligt, bei dem eine Flasche durch eine Scheibe geworfen wurde.

 

 

Sebastian Spahn wohnte mit Benjamin Haasis in einer gemeinsamen Wohnung, als beide schon Aktive der Burschenschaft Rheinfranken Marburg waren. Sebastian Spahn scheint ebenso wie alle anderen Rheinfranken an nationalsozialistischen Ideen interessiert zu sein. So posierte er gemeinsam mit seinem damaligen Mitbewohner Benjamin Haasis in einem Militariamuseum begeistert vor einer Hakenkreuzfahne.

Benjamin und Sebastian im Militariamuseum

 

 

Tobias Heuwinkel kommt aus 32758 Detmold und ist vermutlich seit 2016 bei den Rheinfranken. Er studiert Archäologie und ist regelmäßig in der Philosophischen Fakultät anzutreffen. Er besuchte am 03.06.2016 den Vortrag von Dubravko Mandic auf dem Rheinfrankenhaus. Der AfD-Funktionär Dubravko Mandic ist dem völkischen Flügel der AfD zuzurechnen. Gegen ihn lief ein internes Parteiausschlussverfahren, wegen seiner offen neonazistischen und rassistischen Äußerungen. Zu dem Zeitpunkt des Vortrages war Tobias Heuwinkel noch kein Rheinfranke, denen er sich im Wintersemester 2016 anschloss. Dass er diesen Vortrag besuchte und sich letztendlich für die Burschenschaft Rheinfranken entschied, ist nicht verwunderlich. Die Facebookseite von Tobias Heuwinkel (Tobias von Stroheck) zeigt, wie bei seinen Bundesbrüdern, ebenfalls eine extrem rechte Gesinnung. Ihm gefällt unter anderem die Burschenschaft Thessalia Prag zu Bayreuth.

Diese war maßgeblich für den 2011 gestellten “Arier-Antrag” verantwortlich, welchen die Burschenschaft Raczek zu Bonn letztendlich öffentlich machte und damit den Austritt mehrerer Burschenschaften provozierte, sowie für eine Hinentwicklung zu einer öffentlicheren Radikalisierung und Bekenntnis zu extrem rechten Positionen der Burschenschaften innerhalb der DB!. Außerdem wurde bekannt, dass Mario Brehme, einer der engsten Vertrauten und Unterstützer des NSU, jahrelang auf dem Haus der Burschenschaft Thessalia Prag zu Bayreuth lebte und Teil dieser war.
Auch die Burschenschaft Thuringia Braunschweig, welche Tobias Heuwinkel zu gefallen scheint, gehört zu den extrem rechten Burschenschaften.

Zurzeit ist sie die Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft. Seit 1988 veranstaltet die Burschenschaft Thuringia Braunschweig das “Deutschlandseminar”. Hierbei handelt es sich um ein Vernetzungtreffen der extremen Rechten.
Damit nicht genug referierte Anfang 2017 Klaus Grotjahn auf dem Haus der Thuringia, seine Autobiografie “Von der 8,8 cm-Flak zur SS-Division Nordland. Im Endkampf um Berlin”. Diesen Vortrag hielt dieser auch schon beim “Dritten Weg” und der Partei “Die Rechte”. Aktivisten der “Identitären Bewegung”, “Junge Nationaldemokraten”, AfD-ler und Mitglieder der Jungen Alternative sind immer wieder Gäste auf dem Haus der Thuringia.
Dieses Semester ist Tobias Heuwinkel nun auch ganz bei den Rheinfranken angekommen. Er lud für den Vortrag von Gerd Schultze-Rhonhoff am 24.11.2017 auf das Rheinfrankenhaus ein.

 

Die Marburger Burschenschaft Rheinfranken ist ein Sammelbecken für Neonazis sowohl aus dem Marburger Umland als auch aus dem restlichen Bundesgebiet. Der sogenannte Rheinfranken-Leak, der aktuell leider nicht mehr im Internet zu finden ist, legte unteranderem den antisemitischen Grundkonsens der Rheinfranken offen. Die Fuxenkladde der Rheinfranken ist jedoch online noch zu finden. Im Internet existieret zurzeit kein vernünftiger Artikel zu dem gesamten Leak. In der Ausgabe 65 des Lotta-Magazins kann jedoch mehr darüber gelesen werden (Lotta#65, 34f.). Ihre Mitglieder waren in den letzten Jahren an mehreren Angriffen auf politische Gegner_innen, wie am 29.4.2017 oder auch an Angriffen auf das Havanna Acht beteiligt.

Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg (Barfüßerstraße 14)

Mindestens seit Ende des Sommersemesters 2016 und dem Anfang des darauf folgenden Wintersemesters begannen die Burschenschaften Germania Marburg und Rheinfranken Marburg (beide Deutsche Burschenschaft) mit der Rettung der dritten noch in Marburg bestehenden DB Verbindung die Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg. Nach dem Kristopher Müller (ehmaliger Sprecher der Normannia Leipzig) sein Studium beendet hatte und dem Aktivendasein bei der Normannia Leipzig zu Marburg den Rücken kehrte, stand diese wohl wegen mangelnden Nachwuchs vor dem aus.

 

 

Luis Wehweck war bis Mitte des Jahres 2016 bei der Marburger Burschenschaft Germania zuhause. Doch trat er der Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg bei, als diese wegen Personalmangel vor dem Aus stand. Luis Wehweck tat sich am Rande des Landeskongres der Jungen Alternative Hessen ende April 2017 auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania durch seine Beteiligung an mindestens zwei Übergriffen auf Fotograf_innen hervor, wobei er mit einem Teleskopschlagstock bewaffnet Jagd auf diese machte. Luis Wehweck ist auch Teil der Ortsgruppe der Identitären Bewegung. Am 13. Oktober traf sich die IB-Ortsgruppe Marburg auf dem Germanenhaus. An diesem Abend war Luis Wehweck ebenfalls auf dem Haus zu Besuch. Seine Facebooklikes (Facebookname: Arthur Weber) zeigen außerdem die Sympathien Wehwecks gegenüber der Identitären Bewegung. Seine Likes reichen von “Reconquista Germanica” und dem IB-Rapper “Komplott”(Patrick Bass, Germania Marburg, Bundesbruder) über “Kontrakultur Halle” und “Generation Identitaire”.

 

 

Spätestens im Herbst 2016 zog auch der Rheinfranke Adrien Volkmann zur Burschenschaft Normannia Leipzig. Wie sich Adrien politisch verortet, wird an einem Sticker auf seinem Auto offensichtlich. Auf diesem prangte längere Zeit ein Aufkleber mit dem Logo der “Artgemeinschaft- Germanische Glaubensgemeinschaft”.

 

Logo der Artgemeinschaft: Adler erlegt Fisch

Dies ist eine germanisch-heidnische Sekte, welche völkische Ideologie, rechtsextreme Politik und heidnischen Glauben vereint um gegen die moderne Welt vorzugehen. Axel Schunk war bis 2015 Leiter des Vereins und unteranderem bei der heute verbotenen Wiking Jugend aktiv. Aktueller Leiter der Artgemeinschaft ist Jens Bauer aus Elsteraue/Bornitz.

André Eminger, einer der Angeklagten im Verfahren gegen den NSU-Komplex hat an Treffen teilgenommen und auch aus der verbotenen Struktur “Blood&Honor” sind regelmäßig Personen anwesend. Es handelt sich bei der “Artgemeinschaft-Germanische Glaubensgemeinschaft” um einen Verein, welcher eng mit rechtsterroristischen Strukturen Deutschlands verwoben ist.
Es ist festzustellen, dass Adrien Volkmann nicht der einzige in seiner Familie ist, welcher von extrem rechter Ideologie Überzeugt ist. Wie bei Maximilian Kolb und Moritz Nieder ist auch in der Familie Volkmann die Weltanschauung von Adrien nichts besonderes.

Die Mutter von Adrien, Sigrid Volkmann wohnhaft in 72660 Beuren im Zeilackerweg 49, ist AfD-Sympathisantin und von der IB begeistert. Außerdem scheint ihr der IB-Rapper Chris Ares zu gefallen, der mit Lines wie “mein opa er lehrte mich ehre und stolz, ich kämpf bis zum tod mit nem herzen aus gold” oder “wir gehen schon viel zu lange gebückt (…) wir machen uns gerade für das Land unserer Ahnen, ja wir kämpfen für die Ahnen hier im Land” auffällt.

Sigrid Volkmann hat außerdem ein Foto von der ehemaligen NPD-Funktionärin Sigrid Schüßler geliked, welche 2016 wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Auf dem Foto ist auch Björn Clemens zu sehen. Dieser ist Alter Herr der Rheinfranken, verdient als Neonazianwalt sein Geld und fungiert als Rechtsbeistand mancher Aktivitas.

1.vli. Björn Clemens, 2.v.li Sigrid Schüßler

Auch der Vater, Jürgen Volkmann, ist AfD-Sympathisant.

Adrien Volkmann ist also noch ein Marburger DB!Bursche, dessen extrem rechtes Gedankengut wohl schon im Kinder- oder Jugendalter ausgebildet wurde.
Adrien Volkmann war am 13.Oktober, wie Luis Wehweck, ebenfalls auf dem Germanenhaus.
Auf Facebook zeigt er außerdem Interesse an einem “Kriegsverdienstkreuz” mit eingelassenem Hakenkreuz

und mit etwas Glück kann man ihn in der Barfüßerstraße 14 auch ab und an mit einem Nazishirt, (zum Beispiel von FSN TV) am Fenster sehen.

 

 

Spätestens im Frühjahr 2017 folgte der Rheinfranke Benjamin Haasis seinem Freund Adrien Volkmann zur Burschenschaft Normannia Leipzig zu Marburg. Benjamin ist seit seiner Jugend in der Neonaziszene verankert, was bereits im Rheinfranken Leak (der zur Zeit nicht im Internet zu finden ist: mehr dazu in der Lotta Ausgabe 65) ausführlich durchleuchtet wurde. Er pflegt eine sehr ausgeprägte Begeisterung für das Kaiserreich und die NS-Zeit. Schon auf Klassenfahrten war er in Rechtsrock-shirts unterwegs.

Benjamin Haasis auf Klassenfahrt

 

 

Die Marburger Burschenschaften Germania und Rheinfranken sind ihren Bundesbrüdern der Normannia Leipzig zu Marburg helfend zurseite getreten um deren Nachwuchsproblem aufzufangen und eine warscheinliche Auflösung der Burschenschaft Normannia Leizig zu Marburg vorerst zu verhindern. Ob Adrien Volkmann, Benjamin Haasis und Luis Wehweck nun Teil der Aktivitas der Normannia Leipzig zu Marburg sind ist bis dato unklar, eventuell handelt es sich bei ihnen auch um Stützburschen(1). Es ist offensichtlich, dass die drei Verbindungen der Deutschen Burschenschaft in Marburg sowohl im Kampf um die Straße in einer Reihe stehen, als sich auch in dem Erhalt und Ausbau ihrer Strukturen tatkräftig unterstützen.

Wechsel in den Marburger DB!Burschenschaften

Alles Nazis und Söhne von Nazis…

Die Geschehnisse in diesem und in den letzten Jahren zeigen, bei allen drei DB! Verbindungen gibt es kein Naziproblem sondern sie sind das Naziproblem. Die Tatsache, dass ein Landeskongress der Jungen Alternative auf dem Haus einer solchen Burschenschaft stattfinden und Mitglieder der JA und Germania Marburg am Tag des Landeskongresses gemeinsam mit Personen der Rheinfranken Marburg und der Normannia-Leipzig zu Marburg auf Fotograf*innen losgehen, zeigt die Verwobenheit der Jungen Alternative mit extrem rechten Burschenschaftern. Bei fast allen Mitgliedern der drei Marburger DB! Burschenschaften können extrem rechte Umtriebe und die dazugehörige Ideologie festgestellt und belegt werden. Die Junge Alternative ist also mit Burschenschaftern vernetzt, welche Teil von verfassungsfeindlichen Organisationen (wie unter anderem die SPD das nennen würde) wie der Identitären Bewegung sind. Diese Verpflechtungen wurden im Laufe der Kampagne Stadt.Land.Volk immer wieder thematisert. Spätestens nach dem JA-Landeskongress am 29.04. sollte dies endgültig offensichtlich geworden sein. Statt dem Netzwerk (neu-)rechter Aktuer_innen jedoch ernsthaft auf den Grund zu gehen ließ sich die SPD mit einer dürftigen Antwort seitens der Landesregierung abspeisen.
Die AfD noch immer nicht als Teil der extremen Rechten zu erkennen und stattdessen als legitimen Teil einer parlamentarischen Demokratie anzuerkennen, halten wir für fatal.

Wir fordern deshalb die AfD und die JA endlich als das zu benennen, was sie ist: eine völkisch, rassistische Kraft die den parlamentarischen Arm eines extrem rechten Projekts darstellt.

Hessischen Landesliste der AfD: Von Konzertausflügen mit Neonazis, Begeisterung für Faschisten und Applaus für Antisemiten

Bundestagswahlspezial zur AfD-Hessen

 

In den letzten Monaten ist auf diesem Blog, sowie in der Folge auch in verschiedenen Medien* von den Verbindungen hessischer AfD-Kader und Bundestagskandidat*innen weit ins faschistische Milieu berichtet worden. Auch eine Anfrage im hessichen Landtag zog dies schon nach sich. In Anbetracht der äußerst dürftigen Konsequenzen im zivilgesellschaftlich-medialen Umgang mit der AfD und den ebenso zahlreichen wie fadenscheinigen Distanzierungen seitens der fraglichen Funktionäre, widmen wir uns in diesem Text nochmals dem völkischen Netzwerk der hessischen AfD, anhand ihrer Liste für die Bundestagswahl, besonders dem Vorsitzenden des Parteinachwuchses Jan Nolte (Listenplatz 4), sowie dem bisherigen Biedermann Julian Schmidt (Listenplatz 9).

Julian Schmidt, AfD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Marburg-Biedenkopf, zeichnete sich lange Zeit durch öffentliche Zurückhaltung aus, bis der Ex-Zeitsoldat sich mit einem offenen Brief an Verteidigungsministerin von der Leyen wandte. Dieser war gespickt mit geschichtsrevisionistischen Thesen, so reduziert er den NS-Volksstaat auf „eine Gruppe von Verbrechern“, nennt den „ganz große[n] Teil der Wehrmacht nicht Täter, sondern Opfer“ und fordert zudem diesen genauso zu Gedenken wie „allen anderen Opfern der Naziherrschaft“. In einem Antwortschreiben auf die Skandalisierung dieser Aussagen durch „Buzzfeed“ will er sich davon auch in keinster Weise distanzieren, der Inhalt des Briefes widerspräche „weder den Leitlinien meiner Partei noch sonstigen gesellschaftlichen Konventionen in Deutschland“. In Bezug auf die AfD stimmt diese Aussage natürlich und auch der bundesrepublikanische Erinnerungsdiskurs ist in Zeiten von Medienspektakeln wie „Unsere Mütter – unsere Väter“ erfüllt vom ganz eigenen Geschichtsrevisionismus der „wiedergutgewordenen Deutschen“ (Eike Geisel). Mit historischer Realität oder aktuellem Forschungsstand hat seine verquere Weltsicht jedoch nichts zu tun.

Schmidt ist trotz seines Images klar Träger von Versatzstücken äußerst rechter Ideologie. Weitergehende Recherchen haben desweiteren zu Tage gefördert, dass er auch Kontakt zu militanten Neonazis pflegt. Das folgende Foto zeigt Schmidt beim Besuch eines „Böhse Onkelz“-Konzerts am 21.November 2016 zusammen mit Torsten Debus (Bildmitte), welcher seinen (Facebook-)Freund sowie seine Frau auch auf dem Bild verlinkte.

(Im roten Kasten, v.l.n.r. Torsten Debus, Jessica & Julian Schmidt)

 

Dieser ist Antifaschist*innen seit langem als Nazischläger und Hooligan bekannt, auf dem nächsten Bild ist Debus bspw. auf einem Neonazikonzert, in einem Shirt der neonazistischen Band „Sleipnir“ zu sehen, Arm in Arm mit einem jüngeren Neonazi, laut dessen Shirt Anhänger von „Combat 18“, dem militanten Arm des in Deutschland verbotenen „Blood and Honour“-Netzwerks, verantwortlich für zahlreiche Terrorakte und Gewalttaten.

Die Bilder zeigen wie scheinheilig die Abgrenzugsversuche und das Bemühen um Seriösität sind, wenn gleichzeitig Umgang mit Hardcore-Neonazis gepflegt wird. Daneben wirkt seine andauernde Zusammenarbeit mit dem “Identitären”-Faschisten und Burschenschafter der Germania Marburg Nils Grunemann, im Rahmen der Jungen Alternative Marburg fast nebensächlich.

Auch beim aktiven Bundeswehrsoldaten Jan Nolte, Kandidat für Waldeck-Frankenberg lohnt eine erneute Betrachtung. Der umtriebige Chef der dortigen AfD-Kreistagsfraktion, sowie der hessischen Jungen Alternative, hatte bereits vor einigen Monaten mit Vorwürfen zu kämpfen, da Antifaschist*innen auf Noltes privater Facebookseite Likes einschlägiger Neonazimarken entdeckten und dies nebst seiner Vorliebe für allerlei Germanenkitsch publik machten. Dieser löschte die Gefällt-mir-Angaben und saß die Sache mittels Leugnung einfach aus.

Doch lange währte die Ruhe nicht, denn am 29.04.2017 fand der hessische Landeskongress der Jungen Alternative auf dem Haus der berüchtigten Burschenschaft Germania Marburg statt. Die Ereignisse des Tages erregten einiges an Aufmerksamkeit, nachdem es dort zu gewalttätigen Übergriffen auf Fotograph*innen kam – was diese prompt in ausführlichen Bilderserien festhielten.

(rot: Maximilian Kolb, JA-Landesvorstand, AfD-Schwalm Eder, sowie Sprecher der B!Germania,  orange: Philip Stein, Gründungsmitglied v. “Ein-Prozent”, Sprecher der B!Germania a.D. und europaweit in neofaschistische Kreise vernetzt)

 

Die Fotos von Max Kolb, Sprecher der B!Germania und Mitglied des Landesvorstands der JA, wie er vermummt unter anderem gemeinsam mit dem Jungverleger faschistischer Klassiker und B!Germania Sprecher a.d. Philip Stein auf die Journalist*innen losging, fand einigen Widerhall in hessischen, aber auch in überregionalen Medien, da Torben Braga (ebf. B!Germania und enger Berater Höckes) diesen mit dem Auto der thüringischen AfD-Fraktion direkt zum Ort des Geschehens brachte. Aber irgendwie schaffte Nolte auch dies auszusitzen, vor allem dank komplett untätiger Behörden und dem mäßigen Interesse der Öffentlichkeit. Stattdessen gelang es der AfD im Marburger Kreistag sogar eine eigene Resolution, gerichtet gegen linke Gewalt, zur Annahme zu bringen.

Und auch die jüngst erfolgte Anfrage im hessischen Landtag zu Verbindungen von extremer Rechter und AfD-Hessen war geriet zur Farce. Mit Blick auf die Vorfälle auf dem JA-Landeskongress hatte die SPD angefragt, die Antwort der CDU bestand jedoch lediglich daraus das zu bestätigen, was die auf diesem Blog veröffentlichten Fotos ohnehin belegten – wenigernoch, über die hier komplett durchanalysierten strukturellen und politischen Verbindungen von völkischer Verbindungsszene, AfD uvm. sollte gar nichts gesagt werden um die Arbeit des Verfassungsschutzes nicht zu gefährden. Desweiteren deklarierte sie die “personellen Überschneidungen” sogleich als Einzefälle und auch von einer Beobachtung der JA-Hessen oder B!Germania Marburg durch den Verfassungsschutz wollte der Staatssekretär d. Inneren Koch nicht reden.

Letzteres wurde von Nolte anscheined sogleich aufgenommen. Auch er wurde von “Buzzfeed” mit seinen Verbindungen ins völkisch-faschistische Milieu konfrontiert, offenbar besonders mit den Ereignissen des Landeskongress. In seiner Antwortmail weist er dann auch jegliche Verantwortung von sich. So sei der in diesem Rahmen dokumentierte Handschlag mit dem “Blood and Honour”-nahen Neonazis und Burschen der Marburger Rheinfranken Lars Roth rein zufällig zustandegekommen, auch wenn er sich nicht ausdrücklich von diesem distanziert. Für die Germania hat er jedoch klare Worte, denn “Was die Burschenschaft Germania angeht, so ist für uns nicht die Einschätzung von Linksextremen maßgeblich, sondern die des Verfassungsschutzes” und für diesen scheinen extrem rechte Bestrebungen seit jeher irrelevant zu sein, insoweit sie von der Verbindungsszene ausgehen.

Besonders bemerkenswert finden wir aber seine Behauptung, die JA-Hessen arbeitete nicht mit der faschistischen “Identitären Bewegung” zusammen und sein Landesverband sei sogar der erste gewesen der einen Unvereinbarkeitsbeschluss verabschiedet habe. Und das ist nun einfach gelogen. Zwar gibt es diesen Beschluss tatsächlich, aber irrelevanter könnte er kaum sein. So gibt es zum einen diverse personelle Überschneidungen auf unterschiedlichen Ebenen. So abermals die Germania Marburg, die offenbar den größten Teil der “IB-Marburg” stellt, fand doch das Gründungstreffen, wie auch die Vorbereitung der ersten Aktionen auf dem Verbindungshaus statt. Der Germane und stellvertretende JA-Marburg Sprecher Nils Grunemann wurde sogar zum “Obmann der Identiären Bewegung Deutschland” gewählt. Noltes AfD-Kollege Andreas Lichert bot der IB schon in seiner Projektwerkstatt in Karben reichlich Raum und fungierte jüngst als Bevollmächtigter beim Kauf eines Hauses für den halleschen und bundesweit wohl bekanntesten Ableger der IB, “Kontra Kultur”.

Aber eigentlich ist ein Blick auf Nolte selbst am besten geeignet um die Fadenscheinigkeit seiner Behauptungen zu erkennen. So gefällt ihm die Facebookseite “Radical Esthétique” –  ein Ableger der identitären Bekleidungsmarke “Phalanx Europa”, scheinbar in Zusammenarbeit mit Philip Steins “Jungeuropa-Verlag”.

Während dort Klassiker faschistischer Literatur neu verlegt werden, bietet  “Radical Esthétique” die Mode und Lifestyle dazu. So posten sie betont lässige Bilder die sich immer wieder Faschisten und ihren Organisationen widmen – Jogginghose, Kippe und Capitan Codreanu, wohl bedeutendster rumänischer Faschist des 20. Jhd, so sieht für die Seitenbetreiber (und anscheinend auf Jan Nolte) ein entspannter Sonntag aus.

Oder es werden eigene Motive entworfen wie hier ein Portrait von José Moscardó Ituarte, General des faschistischen Spaniens:

(Der Post ist eine Anspielung auf den Klassiker faschistischer Literatur “Die Kadetten des Alcazar” von Robert Brasillach, Nazikollaborateur und Antisemit – neuverlegt von Philip Stein aka “Jungeuropa”)

 

Ihr Selbstverständnis ist eine Ansammlung heroisch-pathetischer Phrasen, gipfelnd in einem Verweis auf ihr Ziel – die (nationale) Revolution:

“Die Loyalität, die Ehre und der Mut des letzten Mannes, der ihn bis zum Tod kämpfen lässt. […]

Die Hoffnung, die zur Revolution wird! ”

Das es sich hier um ein dezidiert faschistisches Projekt handelt wird auch unter anderen durch diesem Post auf ihrem Instagram-Account deutlich:

Ist das Liktorenbündel für sich genommen schon historisches Symbol (nicht nur) der italienischen Faschisten, klärt spätestens der Hashtag #fascime (dt. Faschismus) auf.

Interessantester Post war aber wohl gleichzeitig das einzige Motiv das es bisher auf ein reales T-Shirt geschafft hat und zwar diese “Eisenfaust”, die auch Jan Nolte gefällt (sowie den Burschenschaftern Moritz Guth, Germania und Bastian Löhr Rheinfranken Marburg):

Und diese Faust hat es in sich. Die “Eiserne Faust” war eine informelle Vereinigung völkisch-nationalistischer Reichswehroffiziere, in denen besonders viele ehemalige Freikorpskämpfer organisiert waren. Sie existierte von 1919-1934 und war klar völkisch ausgerichtet. Sie war zwar faschistisch und antisemitisch ausgerichtet, jedoch nicht dezidiert nationalsozialistisch. Sie war ein völkisches Netzwerk, in dem sich im Sinne extrem rechter Politik ausgetauscht und vernetzt wurde. Historische Bedeutung erlangte sie mit der Einführung Hitlers durch Ernst Röhm, womit dieser wichtige Kontakte zur Reichswehr erhielt.

Seine Gefällt-mir-Angaben für diese Seite im Allgemeinen und die “Eisenfaust” im besonderen sprechen auf jeden Fall Bände über die Gesinnung Noltes. Die Vereinigung war prägend für die frühe Bewegungsphase der deutschen Faschisten. Aufgrund ihres völkischen Netzwerkcharakters und dem Anspruch eine Bewegung zu formen kommt man nicht umhin sich an die hessische AfD, sowie ihr Netzwerk von, Identitären, Burschenschaften und dem Institut für Staatspolitik erinnert zu fühlen (sowie dem Soldaten Nolte und Ex-Soldaten Schmidt). Insbesondere die faschistische, aber nicht dezidiert nationalsozialistische Ausrichtung machen sie als radikalen aber nicht völlig verbrannten Bezugspunkt attraktiv.

Eine Bühne für Antisemitismus

Die von seiner Kreistagsfraktion Waldeck-Frankenberg organisierte Wahlkampfveranstaltung passt dazu auch bestens ins Bild. Als Redner*innen waren neben den Direktkandidat*innen Christine Anderson (Pegida-FFM), Andreas Lichert (Institut für Staatspolitik) und Jan Nolte selbst, der Chefredakteur des antisemitschen Hetzblatts “Compact”, Jürgen Elsässer geladen.

(Bundestagskandidat Nolte war sichtlich angetan von den Worten Elsässers)

In der Fragerunde warnte er dann codiert in Form der jüdischen Familien Rothschild und Soros vor den Machenschaften “der Juden” benannte allein das Befassen mit diesen, wie im Rahmen seines verschwörungstheoretischen Magazins als “gefährlich” und bezeichnete sie als “heißes Eisen”. Gemäß seiner sogar gerichtsfest erprobten Taktik verdichtete er jüdische oder jüdisch klingende Namen, antikapitalistische Ressentiments gegen die Banken oder Währungspolitik, gegen “die da oben” und sogar den Parlamentarismus als solchen zu einem Gesamtbild, dass auch ohne konkrete Nennung bei seinen Hörer*innen das Bild des manipulierenden, allmächtigen “Finanzjudentums” entstehen lässt. Damit haben Nolte und seine AfD Waldeck-Frankenberg gezeigt, dass die AfD-Hessen nicht nur mit Martin Hohmann (Fulda, Platz 6) dem Antisemitismus und seiner geopolitischen Reproduktion als Antizionismus wieder Raum gewähren!

Die obigen Fundstücke zeigen erneut: menschenfeindliche Tendenzen in der AfD-Hessen sind hochaktuell, kein Einzelfälle und ziehen sich bis in höchste Kreise. Dazu hat die AfD-Hessen gezeigt, dass ihre völkisch-faschistische Ideologie durchaus auch in realen Gewalttaten mündet – mit Parteifunktionären mittendrin ohne das für diese oder ihre Partei irgendwelche Konsequenzen drohen würden! Wer AfD wählt kriegt zwar nicht unbedingt Neonazis, Faschist*innen aber in jedem Falle!


*Zuletzt ließ das Medienportal Buzzfeed verlautbaren, sie hätten alle 396 AfD-Bundestagskandidaten „durchleuchtet“ und seien dabei auf etwa 50 Personen gestoßen, die sich nicht von extrem Rechten abgrenzen oder selbst zu diesen zählen würden.

Wenngleich wir die Berichterstattung, vor allem im Hinblick auf ihre breite Rezeption in etablierten Medien begrüßen, sehen wir uns doch genötigt auch deutliche Kritik zu üben.

So stammt der größte Teil der Informationen offensichtlich aus antifaschistischen Recherchestrukturen, oder vorangegangen Berichten engagierter Journalist*innen. Dass diese Quellen nicht mitangegeben werden ist natürlich zunächstmal ärgerlich für eben diese, da so mögliche Aufmerksamkeit und wertschätzende Einordnung der Arbeit dieser Strukturen und Gruppen entfällt, was mit Blick auf das „linksunten.indymedia“-Verbot besonders schmerzt. In diesem Fall ist es zudem gefährlich, da das simple Googeln und Abschreiben von Facebookprofilen und Antifa-Recherche sicherlich kein „Durchleuchten“ einer Person darstellt. Verglichen mit der zumeist punktuell betriebenen Berichterstattung, die völkisch-nationalistische Tendenzen immer wieder als Einzelfälle durchgehen lassen, ist dies zwar ein Fortschritt, es wurde jedoch überhaupt nicht reflektiert, dass extrem rechte Propaganda in öffentlich einsehbaren Facebookprofilen lediglich die Spitze des Eisbergs ist. Mit dem Anspruch fast 400 Kandidat*innen „analysiert“ zu haben und nur bei 50 fündig geworden zu sein, werden somit fast 350 Kandidat*innen und somit der Großteil der AfD-Listen von völkischen, antisemitischen und faschistischen Tendenzen freigesprochen. Wie wir finden, ein schwerwiegender Fehler.

Broschüre zum Bundestagswahlkampf

 

Die hessische Landesliste der Alternative für Deutschland (AfD) zur Bundestagswahl 2017 und ihre Verbindungen zur extremen Rechten – ein Überblick (StadtLandVolk)

Mehrere Bundestagskandidaten der AfD haben nachweisliche Sympathien sowie Kontakte zur völkisch-faschistisch bis neonazistischen Szene.

 

Jan Nolte (Listenplatz 4)

Nolte ist Soldat bei der Bundeswehr in Frankenberg/Eder. Für die lokale AfD Waldeck-Frankenberg sitzt er  als Fraktionsvorsitzender  im Kreistag. Er ist auch in der Jungen Alternative (JA) Hessen als Vorsitzender aktiv und als Beisitzer im Bundesvorstand der JA.
Jan Nolte hat unter anderem eine Vorliebe für einschlägige rechte Szenemarken wie Pro Violence, die ein Magdeburger Nazihooligan vertreibt, und Walhall Athletik. Letztere wurde vom bayrischen Neonazi Daniel Weigel geründet, welcher im inzwischen verbotenen Freien Netz Süd organisiert war. Nach dem Antifaschist_innen darauf aufmerksam machten, löschte Jan Nolte die Likes. Desweiteren gefallen ihm diverse heidnisch-germanische Facebookseiten wie „True Viking Fans“ oder er postete auch gerne mal Odin-Bilder. Jan Nolte fühlt sich also offensichtlich sehr zu einer nordischen Kriegermythologie hingezogen, wie sie auch in der Nazisszene glorifiziert und zur Propaganda genutzt wird.
Am  29. Mai 2017 fand der Landeskongress der JA Hessen auf dem Haus der  extrem rechten Marburger Burschenschaft Germania (Deutsche Burschenschaft) statt. Ihre Mitglieder rekrutieren sich vor allem aus der neonazistischen Freien Kamaradschaftsszene, sowie der Identitären Bewegung (IB). Regelmäßig sind Mitglieder der B!Germania an Schlüsselpositionen der völkischen Bewegung Deutschlands wiederzufinden. Björn Höckes Pressesprecher Torben Braga ist Mitglied der Burschenschaft Germania Marburg, genauso wie Philipp Stein, ein Jungverleger faschistischer Literatur.  Daneben fungiert Stein als Führungsfigur der EinProzent Bewegung. Diese rechtsradikale Vernetzungs- und Finanzierungsplattform ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Götz Kubitscheck, einem extrem rechten Verleger und Führungperson des Institut für Staatspolitik, eines „neurechten“ Thinktanks. Er treibt gemeinsam mit Philipp Stein massiv den Aufbau der extrem rechten Identitären Bewegung in Deutschland voran.
Beide waren wie Jan Nolte am Landeskongress der JA Hessen in Marburg Ende Mai anwesend. Mit Handschlag begrüßt wurde  Nolte von Lars Roth, einer hessischen Größe der Neonaziszene, welcher in letzter Zeit durch Mitorganisation von Nazikonzerten wie dem Eichsfelder Heimattag aufgefallen ist. Keine Minute danach griffen Lars Roth (mit einem Knüppel bewaffnet), Philipp Stein (aus dem Auto der AfD Thüringen, gefahren von Torben Braga) und zwei unbekannte Personen einen Fotografen an. Einige Minuten später kam es zu einem zweiten Angriff mit Pfefferspray und Schlägen aus einer mindestens zehnköpfigen vermummten Gruppe. Durch Fotos wurden Philipp Stein, ehemaliger Sprecher der Burschenschaft Germania Marburg, und Maximilian Kolb, Sprecher der Marburger Burschenschaft Germania und Beisitzer im Landesvorstand der JA Hessen, identifiziert. Mehr dazu auf dem Blog der Kampagne „Stadt Land Volk“ unter dem Titel „JA Landeskongress“.

 

Andreas Lichert (Listenplatz 7)

Lichtert ist im Vorstand des  AfD-Kreisverbandes Wetterau und im Landesvorstand der hessischen AfD. Auch Andreas Lichert ist im Institut für Staatspolitik des „neurechten“ Publizisten Götz Kubischek. Beide stehen der extrem rechten Identitären Bewegung nahe. Wie auch Nolte war er am 29. Mai 2017 auf dem Landeskongress der JA Hessen auf dem Haus der Germania Marburg, als AfDler und Burschen Fotograf_innen angriffen. Keine zwei Wochen nach dieser Veranstaltung fiel eine Marburger Ortsgruppe der IB durch eine Propaganda Aktion auf – die Vorbereitungen dafür fanden ebenfalls auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania statt, wie IB Fotos zeigen. Auch in seiner Geschichtswerkstadt in Karben organisierte Andreas Lichert bereits 2013 Veranstaltungen mit der IB.
Ende Juni 2017 hielt er außerdem einen Vortrag auf dem Haus der Germania.

 

Julian Schmidt (Listenplatz 9)

Schmidt ist Kandidat der AfD Marburg Biedenkopf aus Angelburg Lixfelde hat Anfang des Jahres 2017 mit Simon Büssing und Nils Grunemann den JA-Kreisverband Marburg Biedenkopf gegründet. Nils und Simon kommen aus der Marburger Burschenschaftsszene, ersterer war 2013 bereits Sprecher der IB Deutschland und ist dann bei der Burschenschaft Germania in Marburg gelandet, zweiterer war Mitte 2015 noch Sprecher der Marburger Burschenschaft Armina (Neue Deutsche Burschenschaft). Nach einer Veröffentlichung unsererseits über die JA Marburg Biedenkopf behauptete die Burschenschaft Armina, sie habe Simon Büssing auf Grund seiner rechtsradikalen Positionen ausgeschlossen.
Der ehemalige Zeitsoldat Julian Schmidt fällt auch durch seine geschichtsrevisionistischen Positionen auf. So schrieb er einem Offenen Brief an die Verteidigungsministerin bezüglich der Bundeswehr und ihrer Wehrmachtstradition im Kontext des Auffliegens der rechtsradikalen Terrorgruppe um Franko Albrecht und andere Bundeswehrsoldaten. Diese waren, ganz ähnlich wie Schmidt, ebenfalls eng mit der IB und einer Burschenschaft der DB, nämlich der Danubia München  vernetzt. In seinem Brief versuchte er den Nationalsozialismus und seine Verbrechen als die Taten einer kriminellen Führungsriege darzustellen, in scharfer Abgrenzung zur Wehrmacht. „Der ganz große Teil der Wehrmachtssoldaten war nicht Täter, sondern Opfer“ (Julian Schmidt). Er leugnet damit die kollektive Zustimmung der Deutschen zum Nationalsozialismus und versucht die deutschen Täter_innen zu Opfern umzudeuten. Trotz zahlloser Kriegsverbrechen, sowie des Vernichtungsfeldzug im Osten in dessen Schutz der größte Teil der deutschen Tötungsmaschinierie arbeitete, steht er stolz zu dieser Mordbande.

 

 Martin Hohmann (Listenplatz 6)

Martin Hohmann aus Fulda war CDU-Bundestagsabgeordneter, bis er im Juli 2004 aufgrund einer antisemitischen Rede anlässlich des Tags der Deutschen Einheit 2003 aus der Partei ausgeschlossen wurde. In dieser hatte er den Verbrechen der Nazis angebliche jüdische Verbrechen gegenübergestellt. Er rückt so die Deutschen in eine Opferrolle, indem er Jüdinnen und Juden eine Täterschaft unterstellt. „Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?“ (Martin Hohmann). Dies relativiert den industriellen Massenmord der Deutschen an Jüdinnen und Juden und zeichnet ein falsches Bild der Geschichte, welches den Jüdinnen und Juden eine Mitschuld an den Verbrechen der Nazis unterstellt. Ähnlich wie Julian Schmidt versucht auch Martin Hohmann, die Deutsche Geschichte umzudeuten, allerdings stellte Julian Schmidt nicht so offen eine jüdische Täterschaft in den Raum wie Martin Hohmann. Im Frühjahr 2016 trat Martin Hohmann in die AfD ein und kandidiert wieder für den Bundestag.

 

AfD, JA, IB und Nazis Hand in Hand für eine nationale Revolution

Der völkische Flügel der AfD um Björn Höcke hat seit der Gründung der Partei immer mehr an Einfluss gewonnen und hat sich immer wieder in innerparteilichen Konflikten durchgesetzt.  Vertreter dieses Flügels, wie Jan Nolte, haben keine Berührungsängste mit Nazis. Auch die Distanzierung dieser Kreise zu Gewalt ist mehr als fragwürdig. Dies sollte spätestens mit dem Angriff am 29. Mai 2017 am Rande des JA Hessen Landeskongress in Marburg, wo JA-Vertreter und Burschen mit Pfefferspray und Schlagstöcken Jagd auf Fotograf_innen machten, offensichtlich geworden sein. Personen wie Andreas Lichert oder Julian Schmidt haben nicht nur keine Berührungsängste mit der extrem Rechten IB, sondern treiben eine Zusammenarbeit mit dieser voran. Antisemitische Ausfälle wie der von Martin Hohmann passen da gut ins Bild und zeigen auf, dass an der „neuen Rechten“ gar nicht so viel Neues dran ist. Die zentralen Inhalte haben sich nicht verändert. Deshalb sollte klar sein: Jede Stimme für die AfD oder einen ihrer Kandidaten ist eine Stimme gegen die individuelle Freiheit und für eine faschistische Bewegung, die sich in und um die AfD konstituiert hat.

Gegen den Rechtsruck!
Keine Stimme für die AfD!

 

stadtlandvolk.noblogs.org

stadtlandvolk@riseup.net

 

>> Druckvorlage <<

MAX KOLB – Nazibursche und Nachwuchs-AfD´ler

17.06.1994

Lutherstraße 3

Marburg

dermaxkolb@web.de

Studiengang: Philosophie

(2. Bild, Kolb auf dem JA-Kongress in Marburg, 29.05.17)

Maximilian Kolb war federführend bei dem blamablen Versuch Antifas am Rande des JA-Kongress letzten April anzugreifen und von weiterer Dokumentation abzuhalten.

Er studiert an der Marburger Phillips-Universität Philosophie im 6. Semester. Unsere Aufmerksamkeit gilt ihm, seit er Burschenschafter bei der Marburger Germania wurde.

Dort avancierte er als Sprecher mittlerweile zum Obersten der Aktiven. Doch er ist nicht nur Nazi-Bursche, sondern auch gleichzeitig Funktionär der AfD, bzw. der Jungen Alternative.

So kandidierte er im März 2016 für diese bei den Kommunalwahlen, genau wie sein Vater, Werner Kolb, in seiner Heimatstadt Möhrshausen (Homberg/Efze). Im Gegensatz zu seinem Vater, welcher seitdem im Kreistag Schwalm-Eder sitzt, versagte er dort. Stattdessen tauchte er bald als Beisitzer im hessischen Landesvorstand der Jungen Alternative auf.

In dieser Doppelfunktion trieb er die Verflechtung von AfD und Korporationen der Deutschen Burschenschaft deutlich voran. So stammt ein bekennend völkischer Debattenbeitrag der JA-Hessen aus seiner Feder und deren jüngster hessischer Ortsverband, der Marburger, wurde mit mehreren Burschen in Führungsämtern gegründet, unter anderem einem weiteren Germanen Nils Grunemann, als 2. Vorsitzenden.

Dass die Marburger Burschenschaft Germania der extremen Rechten zuzuordnen ist, hat mittlerweile sogar die Oberhessische Presse erkannt, wohl nicht zuletzte aufgrund der Vorfälle um den JA-Landeskongress – ausgerichtet von der Marburger Germania!

Auf diesem kam es nicht nur zur Gründung des Marburger Ablegers der faschistischen und völkischen “Identitären Bewegung”, auch versuchten Mitglieder der Jungen Alternative, sowie Burschen der Germanen und Rheinfranken, gleich mehrfach und bewaffnet, dokumentierende Antifaschist*innen anzugreifen. Dabei scheiterten sie gleich in mehrfacher Hinsicht, wie umfangreiche Fotostrecken auf stadtlandvolk.noblogs.org belegen.

Max Kolb ist also erfolgreich in die Fußstapfen, des vorangegangen obersten Germanen Philipp Stein getreten, welcher wiederum auf dem besten Wege ist moderne faschistische Theoretiker ala Götz Kubitschek zu beerben.

Deshalb: Keine Ruhe für Faschisten wie Max!

>Kolb’s Outing als PDF<

Die Burschenschaft Germania Marburg und ihr extrem Rechtes Netzwerk

Björn Höcke ist seit geraumer Zeit die Gallionsfigur des extrem rechten Flügels der Alternative für Deutschland (AfD). Für ihn ist die Rolle der AfD die einer völkischen Bewegungspartei, weshalb er die Vernetzung mit Neonazis aktiv vorantreibt. Hierbei fallen immer wieder die Verbindungen zur Deutschen Burschenschaft (DB) ins Auge. In verschiedenen Städten kommt es zu einer Zusammenarbeit von Junger Alternative (JA), AfD, Identitärer Bewegung (IB) und DB.

Diese Praxis zeigt sich beispielsweise in Hamburg, wo eine DB-Verbindung ihre Räume der lokalen Gruppe der IB zur Verfügung stellt, wobei mit dieser ebenso viele Doppelmitgliedschaften bestehen, wie mit der JA. Oder der Fall der Burschenschaft Danubia München, welche sogar für den Verfassungsschutz als rechtsextrem gilt, während ihre Mitglieder immer wieder Rollen in JA und AfD einnehmen. So auch Benjamin Nolte, der aufgrund seiner öffentlichen rassistischen Äußerungen seinen Posten im Bundesvorstand der JA 2014 räumte.

Die Verbindungen der AfD und JA zu Naziburschenschaften sind auch in Hessen keine Einzelfälle. Im Folgenden wollen wir dies am Beispiel der Marburger Burschenschaft Germania aufzeigen.

Auf dem Burschentag in Eisenach 2015 sprach der langjährige Gefährte von Björn Höcke, Götz Kubitschek, extrem rechter Publizist und Vordenker einer angeblichen “Neuen” Rechten, über den “großen Austausch der Deutschen” und die Aushöhlung “deutscher Werte”. Er ist der Auffassung, dass dem deutschen Volk eine Rechtsordnung aufgezwungen wird, welche nicht die seine ist. Die existentielle Bedrohung des deutschen Volkes soll “grundiert aus einer weltanschaulich gefestigen Bastion heraus”, also aus der DB, abgewehrt werden. “An diesem Punkt muss die DB ihre historische Aufgabe begreifen und fortsetzen.” Genau diese Rolle nehmen inzwischen viele Burschen ein.

Im Jahr 2015 hatte die Marburger Germania den Vorsitz der DB inne. Sprecher für die DB war der Germane Torben Braga, der jetzt Beisitzer im Landesvorstand der AfD Thüringen ist und als Berater und Presseprecher von Björn Höcke fungiert und bei öffentlichen Auftritten wie zB. im KZ-Buchenwald als eine Art Leibwächter auftritt.
Die von Nazis durchsetzte Marburger Burschenschaft Germania wurde bereits im April 2014 (https://wwnn.noblogs.org/nazitreff-in-der-lutherstrase/) und Dezember 2014 (https://naziwatchmarburg.noblogs.org/warum-die-burschenschaft-germania-kein-naziproblem-hat-sondern-eines-ist/) thematisiert. Wenig verwunderlich also, das die AfD-Fraktion aus Thüringen neben Ann-Katrin Magnitz, stellvertretende Sprecherin der AfD Hochschulgruppe in Kassel, Torben Braga schickte, um eine Zusammenarbeit mit der Neonazi-Initiative “Wir lieben Meiningen” auszuloten.

Auf dem Germanenhaus war Braga zu jener Zeit die Nummer 2 hinter ihrem (damaligen) Sprecher Philipp Stein. Dieser nimmt ebenfalls eine wichtige Position im extrem rechten Netwerk ein. Stein hat zusammen mit Götz Kubitschek die “EinProzent”-Bewegung ins Leben gerufen. Diese “NGO für Deutsche” soll rechtsradikale Strukturen im Aufbau unterstützen und vernetzen. Hierbei beteiligen sich laut eigenen Angaben Ortsgruppen der IB, die Nazis vom “Freundeskreis Niedersachsen/Thüringen” und andere völkische Zusammenhänge. Philipp Stein ist zudem inzwischen Verleger geworden. Sein “Jung Europa Verlag”, mit Sitz in Dresden (zwischenzeitlich auf dem Haus der Burschenschaft Germania in Marburg), veröffentlichte als erstes ein Werk des französichischen Faschisten, Antisemiten und Unterstützer des Vichy-Regime Pierre Drieu la Rochelle. Dies brachte Philipp Stein und seinem Jung Europa Verlag begeisterten Zuspruch ein, unter anderem von der neonazistischen Kleinstpartei “Der Dritte Weg“, mit der er über Bundesbrüder wie dem Germanen Tobias Sauer vernetzt ist.
Götz Kubischek und Philipp Stein treiben die Organisierung der Identitären Bewegung in Deutschland voran, aĺs außerparlamentarischen Arm einer völkischen Bewegung, während die AfD die Partei der völkischen Bewegung geworden ist. Andere Marburger Burschen der Germania haben sich wie Torben Braga oder Maximilian Kolb, Beisitzer im Vorstand der JA Hessen, für die parlamentarische Arbeit in der AfD entschieden. Oder vereinen dies, wie Nils Grunemann aus Berlin, der schon seit Jahren Kader der Identitären Bewegung in Deutschland und inzwischen bei der Marburger Naziburschenschaft Germania untergekommen ist. Anfang des Jahres 2017 gründete er als stellvertretender Sprecher die Junge Alternative Marburg-Biedenkopf, gemeinsam mit Simon Büssing (Sprecher), der Mitglied der Marburger Burschenschaft Arminia ist und dem Bundestagskandidaten der AfD Marburg-Biedenkopf für die Wahl 2017, Julian Schmidt (Schatzmeister).

Genau ein solches Wirken hat Götz Kubischek in seiner Reden auf dem Burschentag 2015 in Eisenach gefordert. Die akademischen Nazis der DB haben sich an ihre angebliche historische Aufgabe gemacht.
Dass Mitte Februar 2017 dann Fotos auftauchen, die Björn Höcke im Februar 2010 auf einem jährlichen Naziaufmarsch in Dresden zeigen, für den auch Burschen der Germania Marburg, unter anderem Philipp Stein, einige Jahre später mit Hilfe von Flyern in der Mensa warben, passt nur allzu gut ins Bild.

Auch bei dem Identitären-Rapper Komplott handelt es sich um einen ehemaligen Marburger Studenten und Germania-Burschen, Patrick Bass (hierzu: https://linksunten.indymedia.org/en/node/205381). Bevor er nach Marburg kam war er in der Nazikameradschaft AG Schwaben aktiv (hierzu:
https://naziwatchmarburg.noblogs.org/warum-die-burschenschaft-germania-kein-naziproblem-hat-sondern-eines-ist/). Maßgeblich untersützt wird Patrick Bass bei seinem Rap-Projekt von der EinProzent-Bewegung um Philipp Stein und Götz Kubischek. Im Interview mit der Internetseite Identitäre Generation äußert sich Patrick Bass wie folgt: “Ich wünsche euch allen, die ihr – jeder auf seinem Posten, jeder auf seine Weise – in der Freiheitsbewegung wirkt, viel Kraft für die kommende Zeit”.

An dieser Aussage verdeutlicht sich – ob bewusst oder unbewusst – die Strategie vieler DB-Verbindungen, wie der Marburger Burschenschaft Germania. Sie haben in der völkischen und faschistischen Bewegung in Deutschland ihre Posten eingenommen und bauen diese Postition fortwährend aus.

Nazis und andere Faschist_innen werden also in der AfD und JA und in den ihnen zuarbeitenden außerparlamentarischen Zirkeln nicht nur geduldet, sondern mit offenen Armen empfangen!

(Torben Braga und Björn Höcke nachdem dieser Ende Januar Hausverbot in Buchenwald erteilt bekam)

(damaliger DB-Sprecher Braga und sein Stellvertreter Philip Stein  2015 in Eisenach)

(hinter dem Identitären-Rapper Komplott…

…steckt der Marburger Germane Patrick Bass  (hier im Hintergrund))