Landeskongress der Jungen Alternative Hessen auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania

Bewaffnete gewalttätige Übergriffe von Naziburschen und AfD-Funktionären – Gründung der IB-Ortsgruppe Marburg

In Marburg haben Antifaschist_innen den Landeskongress der Jungen Alternative Hessen dokumentiert. Die Veranstaltung fand in der Lutherstraße 3 auf dem Haus der Burschenschaft Germania Marburg statt. Anwesend waren neben den JA Vertreter_innen auch Torben Braga (AfD Tühringen und Berater von Björn Höcke), welcher mit Philipp Stein (EinProzent Bewegung) angereist war. Die gewalttätigen Übergriffe waren aber womöglich nicht das einzige pikante Ereignis an diesem Tag.

Wie EinProzent Bewegung, Identitäre Bewegung, JA, AfD und die Burschenschaft Germania Marburg verzahnt sind berichteten wir bereits, sowie auch über die lokalen Verbindungen von Burschen zur JA Marburg. Am 29.4.2017 trafen sich auf dem Haus der Germania Marburg extrem Rechte Akteure aus dem AfD-Parteispektrum, wie auch außerparlamentarischen Zusammenhängen. Zwei Wochen später kam es in Marburg zu verschiedenen Aktionen einer sogenannten Ortsgruppe der IB in Marburg. Um 6 Uhr morgens posierten einige Faschisten auf dem Marburger Schloss mit einem Transparent, ein weiteres wurden an einer Lahnbrücke angebracht. Gestaltet wurden die IB Transparente in den selben Räumen in welchen sich noch am 29.4. die JA Hessen zu ihrem Landeskongress traf, im Haus der Germania Marburg (wenn man sich den Boden auf den beiden folgenden Bildern anschaut, wird dies offensichtlich.):

Unklar bleibt, inwiefern eben jener Kongress als Gründungsereignis der IB-Marburg Ortsgruppe gedient hat.

Es wird immer offensichtlicher, dass die von uns bereits anhand von Einzelpersonen nachgezeichnete Zusammenarbeit von hessischen AfD-Strukturen mit völkischen Gruppierungen wie den obengenannten Burschenschaften oder der IB, vielmehr flächendeckend stattfindet.

Eine Entwicklung, wie sie sich ganz ähnlich auch in Hamburg, Halle oder Magdeburg abspielt.

 

Es folgt der Beitrag einiger Antifaschist_innen, der uns im Rahmen der StadtLandVolk-Kampagne zugesendet wurde:

 

Landeskongress der Jungen Alternative Hessen auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Germania – Bewaffnete gewalttätige Übergriffe von Naziburschen und AfD-Funktionären

Bereits am Samstag, dem 29.04.2017, fand der Landeskongress der Jungen Alternative (JA) Hessen statt. Wie Antifaschist*innen erfuhren, wurde dazu auf das Haus der Burschenschaft Germania Marburg geladen und zur Verschwiegenheit ermahnt. Deren Verflechtung mit der AfD, insbesondere der Thüringer Fraktion, sowie dem hessischen Landes- und Marburger Ortsverband der JA, sind seit geraumer Zeit bekannt.

Kritik darüber blieb bisher weitesgehend aus, obwohl die protofaschistisch bis neonazistische Ausrichtung der Burschenschaft Germania schon mehrfach belegt wurde.

Als Antifaschist*innen sich dann an besagtem Tag in die Lutherstraße begaben, fanden sie ihre Vermutung sehr bald bestätigt, nachdem führende Köpfe des Landesverbandes der JA-Hessen anreisten und sich zu den benachbarten Anwesen der Burschenschaften Germania und Rheinfranken begaben (zu den noch deutlicheren neonazistischen Bezügen bei den Rheinfranken).

Nach einiger Zeit wurden aber auch die fotografierenden Antifaschist*innen bemerkt und sogleich bepöbelt. Doch dabei blieb es nicht, denn nur wenig später ereigneten sich kurz nacheinander zwei Übergriffe. Zunächst griff eine vierköpfige, teilweise bewaffnete Gruppe, darunter der Germane Philip Stein und der Rheinfranke Lars Roth, einen Fotografen an.

Kurz darauf sammelte und vermummte sich eine etwa zehnköpfige Gruppe an der gemeinsamen Einfahrt von Germanen und Rheinfranken, um sodann unvermittelt weitere dokumentierende Antifaschist*innen anzugreifen. Beim zweiten Mal setzten die Angreifer zudem Pfefferspray ein. Auch hier war Philip Stein dabei, sowie Max Kolb, Beisitzer im Vorstand der JA-Hessen und amtierender Sprecher der Germania Marburg.

Interessant ist, wie involviert die Burschenschafter der Rheinfranken an diesem Tag waren. So waren sie zu jeder Zeit mit von der Partie, ob nun beim Empfang der JA-Vorsitzenden oder bei Bedrohungen und Angriffen auf Antifaschist*innen. Insbesondere da erst letztes Jahr im Rahmen des Rheinfranken-leaks bekannt wurde, dass deren Mitglieder auch gern mal mit Hakenkreuzfahnen posieren. So haben wir beispielsweise einen Handschlag des 1. Vorsitzenden der JA-Hessen, Jan Nolte, mit dem Rheinfranken Lars Roth auf Foto festhalten können. Dieser ist wie seine Bundesbrüder umtriebiger Neonazis mit Kontakten bis hin zu Blood and Honour.

Wir haben uns von alldem jedoch nicht aufhalten lassen und können euch so die unten angehängten Fotoserien der Anreise, Übergriffe, sowie eine (unvollständige) Bildserie der anwesenden Personen präsentieren.

Dies ist desweiteren als unser Beitrag zur Kampagne “Stadt, Land, Volk” zu sehen!

 

 

Hier die Fotos:

Anreise Jochen Roos (Stellvertretender Vorsitzender JA-Hessen) und Unbekannt1 in der Lutherstraße:

Fabian Flecken (Co-Vorsitzender JA-Hessen) parkt erst in der Lutherstraße, entscheidet sich dann aber doch anders:

Jan Nolte (Vorsitzender JA Hessen und Listenplatz 4 (!) für Bundestagswahl) reist in der Lutherstraße an:

Lars Roth (Rheinfranke, hinlänglich bekannt in der mitteldeutschen Neonazisszene) und Unbekannt2 grüßen Nolte

Nolte steigt mit Unbekannter aus dem Taxi, begrüßt Roth und Unbekannt2 und geht mit ihnen gemeinsam zum Germania-Haus

Der weiter oben erwähnte Handshake von Nolte und Roth:

 

Philipp Stein und Torben Braga reisen gemeinsam an:

 

Der erste Übergriff:

Kurz nachdem der von Torben Braga gefahrene Bus am Fotografen vorbei ist, macht sich ein vermummter aus der Einfahrt von Germanen und Rheinfranken auf…

Um sogleich zu versuchen den Fotografen einzuschüchtern

Lars Roth und der Unbekannte2 stehen schon bereit, undeutlich ist schon zu erkennen, dass Roth mit einem Knüppel bewaffnet ist:

Einschüchtern klappt nur nicht so gut, so dass er mit seinem Handy Hilfe herbeiruft:

Und nun seinerseits beginnt den Fotografen abzufilmen:

Kurz bevor der Fotograf attackiert wird, steigt Philipp Stein aus dem Bus und kommt sofort angerannt:

Aufgrund der akuten Bedrohungslage zieht der Fotograf sich zurück:

Doch der vermummte und Stein und kurz darauf auch Roth und der Unbekannte2 setzen ihm nach:

Kann aber fliehen:

Stein in eindeutiger Geste – er hat wohl ziemlich Bock:

Roth mit Knüppel, der Unbekannte2 im weißen Hemd setzt hier an um dem Fotografen den Weg abzuschneiden:

Der Rest versucht noch zu folgen:

Bricht aber ab:

Auf diese kleine Hetzjagd klatschen die beiden erstmal ab:

Und natürlich geben sich auch Stein und Roth die Hand: 

Kurze Zeit später kommt auch der Unbekannte2 im weißen Hemd zurück, das Wegabschneiden war anscheinend erfolglos:

Auch er war bewaffnet, mit einem Teleskopschlagstock:

 

Der 2. Übergriff, wenige Minuten später:

Diese Fotos entstanden wenige Minuten nachdem ersten Angriff

Benjamin Haasis (posiert gerne vor Hakenkreuzfahnen)

Zusammen mit Lars Roth und einem weiteren Unbekannten versuchten sie auch hier Antifaschist*innen einzuschüchtern, entschieden sich jedoch erstmal zum Rückzug:

Lars Roth, immer noch mit Knüppel bewaffnet

durchs Gebüsch zurück zum Germanenhaus

Kurz danach wurde es ziemlich hektisch auf dem Germanenhaus, als etwa 10 junge Männer die Einfahrt herunterkamen sich dort versammelt und sogleich vermummten.

Sie fackelten nicht lange und stürmten auf die Fotografierenden zu.Es folgen Jagdszenen:

Dies war nicht die komplette Gruppe, einige weitere versuchten auch in dieser Situation den Antifaschist*innen den Weg abzuschneiden

Es kam zu einer Konfrontation, in der die vermummte Gruppe Pfefferspray einsetzte; wird hier aus der Tasche gezogen.

Aber auch anderweitig wurde mehrfach versucht die Fotografierenden zu attackieren.

Kurze Zeit später kommen sie wieder hoch

Als sie in Reichweite der Kamera kommen entmummen sie sich dankenswerterweise nacheinander, Philipp Stein macht den Anfang

Es folgen die beiden unbekannten

Und zuletzt auch:

Max Kolb, Sprecher der Burschenschaft Germania Marburg, Beisitzer im Vorstand der JA-Hessen und Kommunalwahlkandidat auf der Liste der AfD-Homberg/Efze (für die sein Vater auch im Kreistag sitzt)

Weiter anwesende Personen:

Unbekannter alter Mann

Dominik Claasen (Stellvertretender JA-Landesvorsitzender) auf dem Beifahrersitz

 

Andreas Lichert (AfD-Landesvorstand Hessen)

Fabian Flecken (Co-Vorsitzender der JA-Hessen, Patriotische Plattform)Simon Büssing, ehemaliger Sprecher der Burschenschaft Arminia Marburg und Vorsitzender der JA-Marburg

unbekannt

Zusammengefasst: Die JA-Hessen paktiert also ganz offen mit einer Vereinigung, die sich ganz selbstverständlich als “rechtsradikal” (so Stein im oben verlinkten Zeit Artikel) versteht und netzwerkt munter mit Personen, die Kontakte zu allerlei offen faschistisch oder völkisch gesinnten Gruppen haben, bis hin in die militante Neonaziszene. Darüberhinaus wird das Treffen vermutlich genutzt um einen weiteren Ableger der faschistischen Identitären Bewegung zu gründen.

Und zu guter Letzt werden dort, während der Anreise der hochrangigen JA- und AfD-Funktionäre mehrfach kritische Beobachter angegriffen und zwar koordiniert, vermummt und bewaffnet, unter federführender Beteiligung von JA- und AfD-Funktionären!